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Ratgeber · 25 Minuten Lesezeit · Aktualisiert 25. September 2026

Legasthenie und Lese-Rechtschreibschwäche (LRS): was dahintersteckt und was hilft

Legasthenie – auch Lese-Rechtschreibstörung oder kurz LRS – heißt: Lesen und/oder Rechtschreiben zu lernen fällt über lange Zeit deutlich schwerer als anderen im gleichen Alter, obwohl Intelligenz, Unterricht, Sehen und Hören das nicht erklären. Mit Faulheit hat das nichts zu tun. Laut der deutschen Leitlinie betrifft es etwa 3 bis 8 von 100 Kindern, und es bleibt oft bis ins Erwachsenenalter.

Kurz beantwortet

  • Was es ist: eine Lernstörung beim Lesen und/oder Rechtschreiben, in Deutschland verschlüsselt als ICD-10-GM F81.0 oder F81.1. LRS und Legasthenie meinen im Alltag meist dasselbe.
  • Woher sie kommt: Sie liegt oft in der Familie. Im Kern fällt es schwer, Laute und Buchstaben sicher zu verknüpfen. Die Augen sind selten der Grund.
  • Was hilft: Förderung, die direkt an Buchstaben, Lauten, Silben und Rechtschreibregeln ansetzt – früh und über Jahre. Farbfolien, Sehtraining oder Globuli helfen laut Leitlinie nicht. Die Lerntherapie zahlt die Krankenkasse nicht, manchmal aber das Jugendamt.
  • Schule, Studium, Beruf: Nachteilsausgleich (etwa mehr Zeit) ist vorgesehen; Notenschutz regelt jedes Land anders – in Bayern gibt es ihn bis zum Abitur, mit Vermerk im Zeugnis.

1. Was ist Legasthenie?

Fachleute sprechen von einer umschriebenen Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten. „Umschrieben“ heißt: Die Schwierigkeit betrifft einen klar abgegrenzten Bereich – hier die Schriftsprache – und nicht das Lernen insgesamt. In Deutschland werden Diagnosen nach der ICD-10-GM verschlüsselt. Dort gibt es für Legasthenie zwei Codes:

Eine reine Lesestörung ohne Rechtschreibprobleme hat in der ICD-10 keinen eigenen Code. Laut den Leitlinien-Autoren im Deutschen Ärzteblatt ist sie aber ungefähr so häufig wie die beiden anderen Formen. Die deutsche Leitlinie gilt deshalb für alle drei: die kombinierte Lese-Rechtschreibstörung, die isolierte Lesestörung und die isolierte Rechtschreibstörung.

Die ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation spricht von einer Lernstörung mit Beeinträchtigung beim Lesen (6A03.0) oder beim schriftlichen Ausdruck (6A03.1). Für Arztbriefe, Anträge und Abrechnung zählt in Deutschland aber weiter die ICD-10: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat im Februar 2026 nur eine nicht-amtliche Testversion der deutschen ICD-11 veröffentlicht.

Die wichtigste Fachgrundlage ist die S3-Leitlinie „Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Lese- und/oder Rechtschreibstörung“ (AWMF-Register-Nr. 028-044). Federführend war die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP), 21 weitere Organisationen haben mitgearbeitet. Die letzte inhaltliche Überarbeitung stammt vom April 2015, gültig war die Leitlinie bis April 2020. Eine Neufassung ist seit Juni 2025 bei der AWMF angemeldet, fertig sein soll sie laut Register Ende Oktober 2026. Bis dahin ist die Fassung von 2015 die gründlichste Auswertung der Studien auf Deutsch. Zwei Einschränkungen solltest du kennen: Sie ist über zehn Jahre alt, und sie gilt nur für Kinder und Jugendliche.

Legasthenie, Dyslexie, Lese-Rechtschreibstörung – alles dasselbe?

Dyslexie ist das international übliche Wort (englisch dyslexia) und meint im Deutschen meist dasselbe wie Legasthenie. Ein Stolperstein: Die ICD-10-GM kennt zusätzlich den Code R48.0 „Dyslexie und Alexie“. Er steht im Kapitel für Symptome und ist von F81.0 ausdrücklich abgegrenzt. Die Legasthenie, die in der Schulzeit auffällt, ist F81.0.

Hat Legasthenie etwas mit Intelligenz zu tun?

Nein. Die ICD-10-GM beschreibt die Störungen dieser Gruppe ausdrücklich als nicht allein durch eine Intelligenzminderung, fehlende Lerngelegenheit oder eine Hirnerkrankung erklärbar. Kinder mit LRS haben laut dem Infoportal LONDI der Ludwig-Maximilians-Universität München und des Leibniz-Instituts DIPF eine normale allgemeine Lernfähigkeit. Umgekehrt schützt eine hohe Begabung nicht vor Legasthenie – sie kann sie nur länger verdecken. Mehr dazu im Ratgeber zweifach außergewöhnlich (2E).

2. LRS oder Legasthenie: Wo ist der Unterschied?

Im Alltag meist keiner. Wichtig wird der Unterschied erst bei Anträgen – denn Medizin, Schule und Behörden benutzen die Wörter verschieden.

Begriffe rund um Legasthenie und LRS und was jeweils dahintersteht
BegriffWo er vorkommtWas dahintersteht
Lese- und Rechtschreibstörung (F81.0), isolierte Rechtschreibstörung (F81.1)Arztbrief, Gutachten, JugendamtDiagnose nach ICD-10 mit standardisierten Tests
LegasthenieAlltag; auch Bundesverfassungsgericht und Bundesinstitut für Berufsbildungwird dort mit der Lese- und Rechtschreibstörung gleichgesetzt
LRSAlltag, SchuleAbkürzung für Lese-Rechtschreib-Störung oder -Schwäche – je nachdem, wer spricht
Lese-Rechtschreibschwäche, „besondere Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben“Kultusministerkonferenz, viele Schulerlasseoft ohne ärztliche Diagnose; die Schule stellt den Förderbedarf fest

Wie sehr die Wörter durcheinandergehen, zeigt die Versorgungsmedizin-Verordnung, nach der der Grad der Behinderung festgelegt wird. Sie schreibt „Lese-Rechtschreib-Schwäche [Legasthenie]“ – beides in einem Atemzug.

Zwei Beispiele aus den Ländern: Bayern hat früher zwischen Legasthenie und Lese-Rechtschreibschwäche unterschieden. Seit der Bayerischen Schulordnung von 2016 heißt beides Lese-Rechtschreib-Störung, und als Nachweis zählt dort immer eine Stellungnahme des schulpsychologischen Dienstes. In Nordrhein-Westfalen stellen die Deutschlehrkräfte fest, wer zusätzliche LRS-Förderung braucht. Eine fachärztliche Untersuchung soll die Schule dort empfehlen, wenn es konkrete Hinweise auf körperliche Ursachen gibt.

Was heißt das für dich? Frag nicht zuerst nach dem richtigen Wort, sondern nach dem Nachweis. Was verlangt die Schule in deinem Bundesland? Und was das Jugendamt? Für eine Lerntherapie über das Jugendamt braucht es laut LONDI eine Diagnose nach ICD-10. Für schulische Förderung reicht in manchen Ländern die Einschätzung der Schule.

3. Wie häufig ist Legasthenie – und trifft sie eher Jungen?

Die S3-Leitlinie nennt nach Studien aus dem deutschsprachigen Raum eine Häufigkeit von ungefähr 3 bis 8 %. Die Leitlinien-Autoren geben im Ärzteblatt weltweit 3 bis 11 % an. Die Spanne ist groß, weil Studien verschiedene Tests und Grenzwerte nutzen. Die reinen Formen – nur Lesen oder nur Rechtschreiben – kommen dabei etwa so oft vor wie die kombinierte Form.

Jungen oder Mädchen? In einer repräsentativen Studie mit 1.633 deutschsprachigen Kindern der 3. und 4. Klasse hatten mehr Jungen als Mädchen Probleme mit der Rechtschreibung. Bei reinen Leseproblemen gab es keinen Unterschied.

Dazu kommt ein Verdacht auf Verzerrung: In einer großen Zwillingsstudie lag das Verhältnis in Gruppen, die über Kliniken und Beratungsstellen zustande kamen, bei etwa vier Jungen auf ein Mädchen – in der Allgemeinbevölkerung nur bei 1,2 bis 1,5 zu 1. Die Autoren vermuten: Unruhiges Verhalten fällt mehr auf als stille Unaufmerksamkeit, und Jungen werden deshalb öfter zur Abklärung geschickt. Das ist eine Erklärung aus einer einzelnen Studie, kein gesicherter Befund für Deutschland. Es lohnt sich aber, auch bei stillen, angepassten Kindern genau hinzuschauen.

4. Symptome: Woran erkennt man Legasthenie?

Alle Kinder machen am Anfang Fehler beim Lesen und Schreiben. Laut LONDI kommt es darauf an, wie viele Fehler es sind und wie langesie bleiben. Eine LRS liegt nahe, wenn ein Kind über lange Zeit deutlich mehr Fehler macht als andere in seiner Klassenstufe – und es keine naheliegende Erklärung gibt, zum Beispiel viel ausgefallenen Unterricht oder noch wenig Deutsch.

Vor der Schule: frühe Hinweise

Vor der Einschulung lässt sich eine Legasthenie noch nicht diagnostizieren. Manchen Kindern fällt laut LONDI aber schon früh schwer:

Eine Auswertung von 95 Veröffentlichungen fand bei Kindern aus Familien mit Leseproblemen außerdem öfter eine verzögerte Sprachentwicklung im Kleinkindalter. Das alles sind Risikohinweise. Ob daraus eine Legasthenie wird, zeigt erst die Schulzeit.

In der Grundschule: beim Lesen

Wer so mühsam liest, hat wenig Kraft für den Inhalt übrig. Dann leidet auch das Textverständnis – und damit jedes Fach, in dem gelesen wird, bis hin zu Textaufgaben in Mathe.

In der Grundschule: beim Schreiben

Gibt es typische Legasthenie-Fehler?

Jein. Die Fehlerarten oben sind häufig. Einen Fehler, der allein eine Legasthenie beweist, gibt es aber nicht. Das Bundesinstitut für Berufsbildung beschreibt sogar: Oft wird dasselbe Wort in einem Text mehrmals unterschiedlich falsch geschrieben. Feste „typische Legastheniefehler“ ließen sich deshalb nicht finden. Auffällig ist eher das Muster: viele Fehler, über lange Zeit, und sie wechseln.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen

Laut LONDI ist das Hauptmerkmal dann das langsame Lesen. Beim Lesen von Texten werden manchmal einzelne Wörter durch Wörter mit ähnlicher Bedeutung ersetzt. Ist das Tempo sehr niedrig, leidet auch das Verstehen. Geschrieben wird meist lauttreu, also so, wie man spricht. Schwer bleiben die Feinheiten der Rechtschreibung – Doppelkonsonanten, Dehnungen („Meer“ oder „Mehl“?) – und Grammatikregeln.

Wenn der Bauch wehtut

Kinder mit LRS landen laut den Leitlinien-Autoren oft in der Kinderarztpraxis – wegen Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit oder weil sie antriebslos wirken. LONDI beschreibt, dass solche Beschwerden besonders vor Tests und Prüfungen auftreten. Dazu kommen häufig Versagensangst und ein schlechtes Bild von den eigenen Fähigkeiten. Wenn dein Kind vor Diktaten regelmäßig Bauchweh hat, lohnt ein Blick auf das Lesen und Schreiben.

5. Ursachen: Woher kommt Legasthenie – und ist sie vererbbar?

Eine einzelne Ursache gibt es nicht. Gut belegt sind drei Punkte.

1. Sie liegt oft in der Familie. Eine Meta-Analyse hat Studien mit Kindern ausgewertet, deren Eltern oder Geschwister Leseprobleme hatten. Im Schnitt entwickelten 45 % dieser Kinder selbst eine Legasthenie, je nach Studie zwischen 29 und 66 %. In den Vergleichsgruppen ohne familiäres Risiko waren es 11,6 %. Legasthenie wird also nicht vererbt wie die Augenfarbe – aber das Risiko ist in manchen Familien deutlich höher. Wenn du selbst Legasthenie hast, lohnt es sich, bei deinem Kind früh auf die Hinweise oben zu achten.

2. Laute und Buchstaben verknüpfen fällt schwer. Kinder mit Legasthenie haben laut Leitlinie oft Mühe, Laute zu unterscheiden und sich die Zuordnung von Buchstaben und Lauten einzuprägen. Das Zusammenschleifen von Lauten zu Wörtern kann stark verlangsamt sein. Die Meta-Analyse zur Familie beschreibt diese Schwäche in der Lautverarbeitung als Kernmerkmal, das das Risiko für Leseprobleme erhöht.

3. Die Augen sind selten der Grund. In einer Gruppe von Grundschulkindern mit LRS hatten 6,7 % Augenprobleme, die die Leseschwierigkeiten erklären könnten. Sehen und Hören werden bei der Diagnose trotzdem geprüft – eine unerkannte Weitsichtigkeit oder Hörminderung will niemand übersehen. Eine Brille behebt aber keine Legasthenie.

Keine Ursache: Faulheit oder zu wenig Fleiß. Und wer vor allem wegen schlechten Unterrichts schlecht schreibt, hat laut ICD-10-GM gerade keine Rechtschreibstörung – das wird ausdrücklich abgegrenzt. Das Bundesverfassungsgericht hat 2023 festgehalten, dass die Defizite bei Legasthenie auf einer „neurobiologischen Hirnfunktionsstörung“ beruhen.

6. Ist Legasthenie heilbar?

Nicht im Sinne von „geht weg“. Ohne wirksame Förderung bleibt eine Lese- und Rechtschreibstörung laut Leitlinie sehr oft bestehen. Das Bundesverfassungsgericht schreibt, die Symptome hielten längerfristig an, „regelmäßig sogar lebenslang“.

Das heißt nicht, dass nichts hilft. Gezielte Förderung verbessert Lesen und Rechtschreiben messbar. Die Effekte sind in den Studien allerdings klein – Fortschritte kommen in kleinen Schritten, und die Förderung dauert laut Leitlinie meist mehrere Jahre. Das Ziel ist nicht fehlerfreies Schreiben, sondern eine Lese- und Schreibfähigkeit, mit der dein Kind altersgerecht am Leben teilhaben kann. Für das Berufsleben ist das Bundesinstitut für Berufsbildung zuversichtlich: Mit technischen Hilfsmitteln und eigenen Strategien gebe es meist keine Einschränkungen im Beruf.

7. Was für Stärken haben Legastheniker?

Diese Frage stellen viele. Die ehrliche Antwort: Die Forschung ist sich nicht einig.

Unsere Einordnung: Legasthenie macht niemanden automatisch kreativ oder räumlich begabt – und auch nicht das Gegenteil. Menschen mit Legasthenie sind so verschieden wie alle anderen. Was stimmt: Lesen und Schreiben sagen wenig über den Rest eines Menschen aus. Es lohnt sich, bewusst nach Bereichen zu suchen, in denen Text nicht im Weg steht – im Gespräch, im Bauen, im Gestalten, im Erklären. Bei der Frage nach deinen Stärken zählt deine eigene Erfahrung mehr als ein Studienmittelwert. Wer Vorbilder sucht, findet sie bei Prominenten mit Legasthenie.

8. Legasthenie und ADHS – und was sonst oft dazukommt

Legasthenie kommt oft nicht allein. Die Leitlinie hat ausgewertet, wie häufig andere Schwierigkeiten bei Kindern mit bereits diagnostizierter LRS dazukommen. Viele der Studien sind klein.

Wie oft andere Störungen bei Kindern mit Lese- und/oder Rechtschreibstörung zusätzlich vorkommen (S3-Leitlinie 2015)
Zusätzlich vorhandenAnteil bei LRSRisiko und Hinweise
Rechenstörung20–40 %etwa 4- bis 5-fach erhöht
Angststörung8–23 %etwa 4-fach erhöht, soziale Phobie etwa 6-fach
ADHS8–18 %etwa 4-fach erhöht; fast alle Studien mit ausgewählten Gruppen
Depression–in den meisten Studien kein klarer Anstieg; das junge Erwachsenenalter ist kaum untersucht
Sprachstörung (Sprechen oder Verstehen)–gehäuft, aber nur zwei Studien

ADHS

Wenn du anderswo höhere Zahlen liest: Die Leitlinie weist darauf hin, dass fast alle Studien zu LRS und ADHS ausgewählte Gruppen untersucht haben. Nur eine stammte aus der Allgemeinbevölkerung. Die Zahlen hängen also stark davon ab, wer untersucht wurde. Eine Zwillingsstudie fand den Zusammenhang vor allem mit Unaufmerksamkeit, weniger mit Hyperaktivität. Eine zweite Zwillingsstudie derselben Gruppe fand, dass Leseprobleme und Unaufmerksamkeit zum größten Teil auf gemeinsame genetische Einflüsse zurückgehen.

Laut LONDI ist eine ADHS eher unabhängig von der LRS, also meist keine Folge davon. Die Leitlinie empfiehlt deshalb, bei jeder LRS-Diagnostik auch auf ADHS zu prüfen. Ein allgemeines Aufmerksamkeitstraining verbessert das Lesen bei Kindern ohne ADHS nicht eindeutig. Ist die ADHS stark ausgeprägt, muss sie laut LONDI manchmal zuerst behandelt werden, bevor eine Lerntherapie überhaupt greifen kann. Wer ADHS hat und mit Texten kämpft, kann umgekehrt auch Lesen und Schreiben testen lassen. Mehr dazu im Ratgeber ADHS bei Erwachsenen.

Rechenstörung, Angst, Sprache

Laut LONDI hat etwa jedes vierte bis fünfte Kind mit LRS zusätzlich besondere Schwierigkeiten beim Rechnen. Was dann hilft und wer zahlt, steht im Ratgeber Dyskalkulie. Aus Frust in Deutsch kann Schul- und Prüfungsangst werden. Eine Angststörung wird eigens behandelt – und diese Behandlung zahlt die Krankenkasse. Fallen eher das Verstehen und Verarbeiten gesprochener Sprache schwer, lohnt ein Blick auf die Sprachverarbeitungsstörung. Ist vor allem die Handschrift mühsam, passt der Ratgeber Dysgraphie.

9. Diagnose: Wer stellt Legasthenie fest – und ab wann?

Erster Schritt: die Deutschlehrkraft

LONDI rät, zuerst mit der Lehrkraft zu sprechen, die dein Kind in Deutsch unterrichtet. Sie kennt den Stand der Klasse und kann meist gut einschätzen, ob die Fehler auffällig sind. Danach kann der schulpsychologische Dienst dein Kind untersuchen. Schule und Schulleitung entscheiden über Förderung und – nach den Regeln des Bundeslands – über Nachteilsausgleich und Notenschutz.

Wer eine Diagnose nach ICD-10 stellt

Laut LONDI sind die Anlaufstellen:

Die Untersuchung verteilt sich meist auf mehrere Termine: ein ausführliches Gespräch mit dir und deinem Kind, eine körperliche Untersuchung mit Prüfung von Sehen und Hören, dann Tests – in der Regel ein Intelligenztest und ein Lese- und Rechtschreibtest, oft auch Rechnen. Bring Zeugnisse, Hefte und Rückmeldungen der Schule mit.

Ab welchem Alter kann man Legasthenie testen?

Vor der Schule noch nicht. Standardisierte Tests gibt es ab der Mitte bis zum Ende der 1. Klasse, zum Beispiel die Hamburger Schreib-Probe (HSP), die Würzburger Leise Leseprobe (WLLP-R) oder den Weingartener Grundwortschatz-Rechtschreibtest (WRT). Warten musst du mit der Förderung aber nicht: Laut Leitlinie sollen Kinder mit Schwierigkeiten schon im ersten Schuljahr gefördert werden.

Ab wann gilt es als Legasthenie?

Die Lese- oder Rechtschreibleistung muss deutlich unter der von Gleichaltrigen oder der Klassenstufe liegen. Die Leitlinie empfiehlt als Grenze 1,5 Standardabweichungen unter dem Durchschnitt – grob: 93 von 100 Kindern schneiden besser ab. Belegen Vorgeschichte und Untersuchung die Schwierigkeiten klar, reicht 1 Standardabweichung (Prozentrang 16). Außerdem muss der Alltag beeinträchtigt oder gefährdet sein. Wichtig für begabte oder sehr fleißige Kinder: Wer die Probleme lange mit viel Anstrengung, Hilfe oder einem guten Gedächtnis ausgleicht und dadurch knapp im Normbereich bleibt, soll laut Leitlinie trotzdem die Diagnose bekommen.

Streitpunkt: der Vergleich mit dem IQ

Früher galt oft: Eine Legasthenie liegt nur vor, wenn die Leseleistung deutlich unter dem eigenen IQ liegt. Die Leitlinie von 2015 lässt zwei Wege zu – den Vergleich mit Alter oder Klassenstufe oder den Vergleich mit dem IQ. Diese Empfehlung bekam aber nur 59 % Zustimmung. Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie wollte nur den Vergleich mit Alter oder Klasse, ein Verband für Verhaltenstherapie dagegen Klassennorm und IQ-Vergleich zusammen. Die Fachleute sind sich hier also uneinig. Frag nach, nach welchem Kriterium getestet wurde – manche Jugendämter und Schulen haben eigene Vorgaben.

Was kostet die Diagnose?

Die Lese- und Rechtschreibstörung ist eine ICD-10-Diagnose. Die ärztliche Untersuchung übernehmen laut LONDI gesetzliche und private Krankenkassen.

Und bei Erwachsenen?

Hier wird es dünn. Die Leitlinie gilt nur für Kinder und Jugendliche, und die Leitlinien-Autoren schrieben 2016 im Ärzteblatt, dass geeignete Diagnostik- und Therapieverfahren für Erwachsene noch fehlen. Einen Anhaltspunkt gibt es: Für den Lesetest des Salzburger Lese- und Rechtschreibtests (SLRT II) liegen Normen für junge Erwachsene vor – Abiturient:innen, Auszubildende, Studierende. Frag in einer psychiatrischen oder psychotherapeutischen Praxis nach, ob dort getestet wird, und kläre vorher, wer die Kosten trägt.

10. Was hilft bei Legasthenie – und was nicht?

Die Leitlinie hat alle verfügbaren randomisierten Studien in einer Meta-Analyse ausgewertet. Das Ergebnis ist klar: Nur Förderung, die direkt am Lesen und Rechtschreiben ansetzt, hat die Leistungen verbessert. Der Effekt war klein, aber verlässlich. Methoden, die „an der Wurzel“ ansetzen wollen – Hören, Sehen, Bewegung –, konnten ihre Wirkung nicht zeigen.

Was laut Leitlinie hilft

Was laut Leitlinie nicht eingesetzt werden soll

Auch normale Nachhilfe reicht laut LONDI nicht – sie schließt Wissenslücken, behebt aber keine LRS. Unwirksame Förderung kostet nicht nur Zeit und Geld: Wenn Erfolge ausbleiben, verliert ein Kind die Lust auf jede weitere Hilfe.

Und spezielle „Legasthenie-Schriften“? In einer Studie mit 170 Kindern mit Legasthenie lasen sie Texte in der Schrift „Dyslexie“ weder schneller noch genauer als in Arial. Die meisten Kinder mochten Arial sogar lieber. Nimm also die Schrift, mit der du oder dein Kind am besten zurechtkommt.

Was du als Elternteil tun kannst

11. Wer bezahlt die Lerntherapie?

Die Krankenkasse nicht. Die Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses nennt „Störungen wie Lese- und Rechtschreibschwäche“ ausdrücklich als Fall, in dem Heilmittel wie Logopädie oder Ergotherapie nicht verordnet werden dürfen. Die Krankenkasse zahlt aber die Diagnose und die Behandlung begleitender Probleme, zum Beispiel einer Angststörung. Eine Lerntherapie-Einheit kostet laut LONDI, soweit bekannt, etwa 30 bis 80 Euro.

Es gibt zwei Wege, die Kosten nicht selbst zu tragen:

12. Nachteilsausgleich und Notenschutz – bis zum Abitur

Zwei Begriffe, die oft verwechselt werden:

Was die Kultusministerkonferenz vorgibt

Den gemeinsamen Rahmen bilden die „Grundsätze zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben oder im Rechnen“ (2003, Fassung von 2007). Die wichtigsten Punkte:

Bildung ist Ländersache. Die Umsetzung unterscheidet sich deshalb stark – zwei Beispiele:

Bayern: Notenschutz bis zum Abitur

Das bayerische Schulgesetz erlaubt Notenschutz bei einer Lese-Rechtschreib-Störung „in allen Prüfungen und Abschlussprüfungen“ – also auch im Abitur. Die Bayerische Schulordnung regelt die Details:

Nordrhein-Westfalen: der LRS-Erlass

In NRW gilt ein Erlass von 1991. Für Kinder, die zusätzliche LRS-Förderung brauchen, gilt er in den Klassen 2 bis 6, in begründeten Einzelfällen bis Klasse 10. Die Rechtschreibung fließt dann nicht in die Bewertung schriftlicher Arbeiten ein – weder in Deutsch noch in anderen Fächern. In der Deutschnote wird sie „zurückhaltend“ gewichtet. Bei Versetzung und Abschlüssen dürfen Lesen und Rechtschreiben nicht den Ausschlag geben. Eine ärztliche Diagnose verlangt der Erlass nicht; die Lehrkräfte stellen den Förderbedarf fest.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2023

Drei Abiturienten aus Bayern hatten geklagt. Ihre Rechtschreibung war 2010 wegen Legasthenie nicht oder nur eingeschränkt bewertet worden, und das stand im Abiturzeugnis. Das Gericht entschied am 22. November 2023:

Für dich heißt das: Notenschutz im Abschluss kann einen Zeugnisvermerk bedeuten. Nachteilsausgleich – etwa mehr Zeit – steht nicht im Zeugnis. Überlegt gemeinsam, was für dein Kind besser passt, und frag bei der Schulleitung und beim Kultusministerium deines Landes nach dem aktuellen Stand. Kommt ADHS dazu, hilft der Ratgeber ADHS und Nachteilsausgleich.

13. Legasthenie bei Erwachsenen

Legasthenie beginnt in der Kindheit und bleibt oft. Manche Erwachsene wurden als Kind nie getestet. Die typischen Zeichen stehen oben: langsames Lesen, Unsicherheit bei Doppelkonsonanten und Dehnungen, viel Kraftaufwand bei langen Texten.

Nicht jede Leseschwäche im Erwachsenenalter ist eine Legasthenie. Laut der LEO-Studie der Universität Hamburg lesen und schreiben rund 6,2 Millionen Erwachsene in Deutschland (18 bis 64 Jahre) so schwach, dass es für eine volle Teilhabe nicht reicht. Die Studie misst Lese- und Schreibkompetenz, keine Diagnosen – geringe Lese- und Schreibkenntnisse können viele Gründe haben. Und wenn sich dein Lesen erst im Erwachsenenalter plötzlich verschlechtert, gehört das ärztlich abgeklärt.

Im Studium

Laut Hochschulrahmengesetz müssen Prüfungsordnungen die besonderen Belange behinderter Studierender berücksichtigen. Das Deutsche Studierendenwerk nennt Teilleistungsstörungen wie Legasthenie ausdrücklich als möglichen Grund für einen Nachteilsausgleich. Einen Schwerbehindertenausweis brauchst du dafür nicht – wohl aber Nachweise wie ein ärztliches Attest und eine Begründung, wie genau dich die Legasthenie im Studium behindert. Bewährte Maßnahmen sind laut Studierendenwerk unter anderem:

Stell den Antrag früh, am besten mit der Beratungsstelle für Studierende mit Beeinträchtigung deiner Hochschule. Tipps zur Studienorganisation stehen im Ratgeber ADHS im Studium – vieles davon hilft auch bei Legasthenie.

In der Ausbildung

Das Berufsbildungsgesetz verlangt, dass Prüfungsregeln die besonderen Verhältnisse behinderter Menschen berücksichtigen – etwa bei Prüfungszeit und Hilfsmitteln (§ 65 BBiG). Das Bundesinstitut für Berufsbildung nennt für Legasthenie unter anderem diese Möglichkeiten: mehr Zeit, vorgelesene Aufgaben oder Vorlesesoftware, Multiple-Choice-Fragen, Aufgaben in großer Schrift, mündliche statt schriftlicher Prüfung, eine Schreibkraft oder einen Duden. Frag früh bei der zuständigen Kammer nach.

Im Job

Die Versorgungsmedizinischen Grundsätze nennen die Lese-Rechtschreib-Schwäche im Abschnitt zum Schul- und Jugendalter: Grad der Behinderung 0 bis 10 bei leichter Ausprägung, sonst 20 bis 40, selten 50. Für Erwachsene gibt es dort keine eigenen Werte; entschieden wird auf Antrag im Einzelfall. Ab einem GdB von 30 kann unter Umständen eine Gleichstellung mit schwerbehinderten Menschen möglich sein. Wie ein Antrag beim Versorgungsamt abläuft, beschreibt der Ratgeber Ist ADHS eine Behinderung?.

Im Alltag

Du darfst dir das Leben leichter machen. Hilfsmittel sind kein Schummeln – sie sind das, was eine Brille für schlechte Augen ist.

14. Häufige Fragen

Was ist Legasthenie einfach erklärt?

Legasthenie heißt: Ein Mensch lernt Lesen und/oder Rechtschreiben über lange Zeit deutlich schwerer als andere im gleichen Alter – obwohl Intelligenz, Unterricht, Sehen und Hören das nicht erklären. In Deutschland heißt die Diagnose Lese- und Rechtschreibstörung (ICD-10-GM F81.0) oder isolierte Rechtschreibstörung (F81.1). Laut der deutschen Leitlinie betrifft das etwa 3 bis 8 von 100 Kindern. Mit Faulheit oder mangelnder Begabung hat es nichts zu tun.

Ist LRS und Legasthenie das Gleiche?

Im Alltag meist ja. In der Medizin sind beide Wörter gleichbedeutend mit der Lese- und Rechtschreibstörung nach ICD-10. In Schulerlassen steht „LRS“ oft für „Lese-Rechtschreibschwäche“ oder „besondere Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben“ – dafür braucht es je nach Bundesland keine ärztliche Diagnose. Bayern unterscheidet seit 2016 gar nicht mehr und spricht nur noch von Lese-Rechtschreib-Störung. Wichtiger als das Wort ist, welchen Nachweis Schule oder Jugendamt verlangen.

Was sind die Anzeichen für Legasthenie?

In der Grundschule: Laute lassen sich schwer zu Wörtern verbinden, das Vorlesen stockt, Wörter werden nach den ersten Buchstaben erraten. Beim Schreiben fehlen Buchstaben, Konsonantenhäufungen wie „tr“ und Doppelkonsonanten wie „ff“ gehen schief, und dasselbe Wort wird mal so, mal so falsch geschrieben. Entscheidend ist nicht der einzelne Fehler, sondern dass es über lange Zeit deutlich mehr Fehler sind als bei anderen. Bei Jugendlichen und Erwachsenen ist langsames Lesen das Hauptmerkmal.

Was ist der Grund für Legasthenie? Ist sie vererbbar?

Eine einzelne Ursache gibt es nicht. Die Familie spielt eine große Rolle: In einer Auswertung vieler Studien entwickelten im Schnitt 45 % der Kinder, deren Eltern oder Geschwister Leseprobleme hatten, selbst eine Legasthenie – in den Vergleichsgruppen 11,6 %. Im Kern fällt es dem Gehirn schwerer, Laute und Buchstaben sicher zu verknüpfen. Schlechte Augen sind selten der Grund, und Schwierigkeiten durch schlechten Unterricht zählen ausdrücklich nicht als Legasthenie.

Ist Legasthenie heilbar?

Sie verschwindet meist nicht. Ohne wirksame Förderung bleibt eine Lese- und Rechtschreibstörung laut Leitlinie sehr oft bestehen, das Bundesverfassungsgericht spricht von Symptomen, die „regelmäßig sogar lebenslang“ anhalten. Gezielte Förderung verbessert Lesen und Rechtschreiben aber messbar – vor allem, wenn sie früh beginnt und an Buchstaben, Lauten, Silben und Rechtschreibregeln ansetzt. Sie dauert meist mehrere Jahre. Farbfolien, Sehtraining oder Globuli helfen laut Leitlinie nicht.

Was für Stärken haben Legastheniker?

Das ist umstritten. Eine Hypothese sieht bei Legasthenie eine Stärke im Erkunden und Entdecken. Zwei Meta-Analysen fanden aber im Schnitt weder mehr Kreativität noch besseres räumliches Denken. Beim räumlichen Denken war die Streuung größer, bei der Kreativität schnitten Erwachsene mit Legasthenie eher besser ab. Kurz: Legasthenie macht niemanden automatisch kreativ. Lesen und Schreiben sagen aber wenig über den Rest eines Menschen aus – es lohnt sich, gezielt nach Stärken abseits von Text zu suchen.

Wer diagnostiziert Legasthenie und ab welchem Alter?

Erste Ansprechpartner sind die Deutschlehrkraft und der schulpsychologische Dienst. Eine Diagnose nach ICD-10 stellen Kinder- und Jugendpsychiatrie (Klinikambulanz oder Praxis), Sozialpädiatrische Zentren oder Praxen für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Vor der Schule ist noch keine Diagnose möglich. Standardisierte Lese- und Rechtschreibtests gibt es ab der Mitte bis zum Ende der 1. Klasse. Die ärztliche Untersuchung zahlt die Krankenkasse.

Ist Legasthenie eine Behinderung?

Rechtlich kann sie das sein. Das Bundesverfassungsgericht hat 2023 entschieden: Eine fachärztlich festgestellte Legasthenie ist eine Behinderung im Sinne des Grundgesetzes (Art. 3 Abs. 3 Satz 2). Für den Grad der Behinderung nennen die Versorgungsmedizinischen Grundsätze im Schul- und Jugendalter 0 bis 10 bei leichter Ausprägung, sonst 20 bis 40 und selten 50. Für einen Nachteilsausgleich im Studium brauchst du laut Deutschem Studierendenwerk keinen Schwerbehindertenausweis.

Zahlt die Krankenkasse eine Legasthenie-Therapie?

Nein. Die Heilmittel-Richtlinie schließt Heilmittel wie Logopädie oder Ergotherapie bei „Lese- und Rechtschreibschwäche“ ausdrücklich aus. Die Krankenkasse zahlt aber die Diagnose und die Behandlung begleitender Probleme wie einer Angststörung. Für die Lerntherapie gibt es zwei Wege: Eingliederungshilfe vom Jugendamt nach § 35a SGB VIII, wenn zusätzlich die seelische Gesundheit und die Teilhabe leiden, oder Lernförderung aus dem Bildungspaket für Familien mit Sozialleistungen.

Kann man als Erwachsener Legasthenie haben?

Ja. Legasthenie beginnt in der Kindheit und bleibt oft bestehen – viele Erwachsene wurden nur nie getestet. Typisch sind dann langsames Lesen, eine unsichere Rechtschreibung bei Doppelkonsonanten und Dehnungen (Meer oder Mehl?) und viel Kraftaufwand bei Texten. Die Diagnostik für Erwachsene ist dünn, es gibt aber Lesetests mit Normen für junge Erwachsene. Im Studium und in der Ausbildung ist ein Nachteilsausgleich möglich, etwa mehr Zeit oder eine mündliche statt schriftliche Prüfung.

Quellen und Stand

Wir haben jede Zahl auf dieser Seite an der jeweiligen Quelle geprüft. Die Studienlage ist für Kinder im Grundschulalter gut, für Jugendliche und Erwachsene dünn. Die Leitlinie von 2015 wird gerade überarbeitet; Schulregeln ändern sich. Frag im Zweifel bei Schule, Kultusministerium, Hochschule oder Kammer nach.

  1. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) u. a. (2015). S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Lese- und/oder Rechtschreibstörung, AWMF-Register-Nr. 028-044, Langfassung (letzte inhaltliche Überarbeitung 23.04.2015, gültig bis 22.04.2020). Im Register ist die Überarbeitung seit 23.06.2025 angemeldet, geplante Fertigstellung 31.10.2026. register.awmf.org
  2. Galuschka, K. & Schulte-Körne, G. (2016). The diagnosis and treatment of reading and/or spelling disorders in children and adolescents. Deutsches Ärzteblatt International, 113(16), 279–286 (Zusammenfassung der Leitlinie, einschließlich Testverfahren und Grenzwerten). doi.org/10.3238/arztebl.2016.0279
  3. BfArM (2026). ICD-10-GM Version 2026, F81.0 Lese- und Rechtschreibstörung, F81.1 Isolierte Rechtschreibstörung, F81.3 Kombinierte Störungen schulischer Fertigkeiten. klassifikationen.bfarm.de
  4. BfArM (2026). Pressemitteilung 02/26 vom 23.02.2026: Testversion der deutschen ICD-11; die ICD-10 bleibt bis zum offiziellen Wechsel die amtliche Klassifikation. bfarm.de
  5. Weltgesundheitsorganisation. ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics, 6A03.0 Developmental learning disorder with impairment in reading; 6A03.1 with impairment in written expression. icd.who.int
  6. LONDI – Informationsportal zu Lernstörungen (Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der LMU München und DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation): Informationen für Eltern zur Lese-Rechtschreibstörung (Anzeichen, Diagnostik, Kosten, Lerntherapie, Jugendamt, Tipps für Eltern). londi.de
  7. Kultusministerkonferenz (2003, i. d. F. vom 15.11.2007). Grundsätze zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben oder im Rechnen. kmk.org (PDF)
  8. Freistaat Bayern. Bayerisches Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG), Art. 52 Abs. 5, und Bayerische Schulordnung (BaySchO), §§ 33, 34 und 36. Art. 52 BayEUG · § 33 · § 34 · § 36 BaySchO
  9. Staatliche Schulberatung in Bayern: Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (Stand 17.11.2024), und Bayerisches Realschulnetz: Lese-Rechtschreib-Störung (Begriffsänderung seit 2016). schulberatung.bayern.de · realschulebayern.de
  10. Land Nordrhein-Westfalen. Förderung von Schülerinnen und Schülern bei besonderen Schwierigkeiten im Erlernen des Lesens und Rechtschreibens (LRS), RdErl. vom 19.07.1991, BASS 14-01 Nr. 1. bass.schule.nrw
  11. Bundesverfassungsgericht (2023). Urteil vom 22.11.2023, 1 BvR 2577/15, 1 BvR 2578/15, 1 BvR 2579/15, und Pressemitteilung Nr. 107/2023. Urteil · Pressemitteilung
  12. Gemeinsamer Bundesausschuss. Heilmittel-Richtlinie, Anlage 1 „Nicht verordnungsfähige Heilmittel“, Buchst. b Nr. 4 (Fassung zuletzt geändert am 15.05.2025). g-ba.de
  13. Sozialgesetzbuch VIII, § 35a (Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche mit seelischer Behinderung). gesetze-im-internet.de
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  22. Deutsches Studierendenwerk: Nachteilsausgleich – Antragsverfahren und Nachweise; Nachteilsausgleiche – bewährte Maßnahmen. Hochschulrahmengesetz, § 16. Antrag · Maßnahmen · § 16 HRG
  23. Vollmer, K. & Frohnenberg, C. (2014). Nachteilsausgleich für behinderte Auszubildende. Handbuch für die Ausbildungs- und Prüfungspraxis. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Berufsbildungsgesetz, § 65. bibb.de · § 65 BBiG
  24. Versorgungsmedizin-Verordnung, Anlage zu § 2 (Versorgungsmedizinische Grundsätze), Teil B Nr. 3.4.2, sowie Sozialgesetzbuch IX, § 2 (Schwerbehinderung, Gleichstellung). VersMedV · § 2 SGB IX
  25. Universität Hamburg (2019). Pressemitteilung vom 07.05.2019 zur Studie „LEO 2018 – Leben mit geringer Literalität“. uni-hamburg.de

Stand: 25. September 2026

Nur zur Information – keine medizinische, psychologische oder rechtliche Beratung und keine Diagnose. Ob eine Lese- und/oder Rechtschreibstörung vorliegt, klären Fachleute mit standardisierten Tests. Fragen zu Anträgen beantworten Schule, Kultusministerium, Jugendamt, Hochschule oder Kammer.