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ADHS erklärt · 13 Minuten Lesezeit · Aktualisiert 13. Oktober 2026

ADHS-Typen: welche es gibt und was sie bedeuten

Es gibt drei offizielle ADHS-Typen: vorwiegend unaufmerksam, vorwiegend hyperaktiv-impulsiv und kombiniert. Der Typ beschreibt, wie sich ADHS gerade zeigt. Er ist keine eigene Krankheit und kann sich im Lauf des Lebens ändern. In deutschen Befunden steht statt des Typs ein Code wie F90.0 oder F98.80.

Kurz beantwortet

  • Drei Typen: DSM-5 und ICD-11 unterscheiden vorwiegend unaufmerksam, vorwiegend hyperaktiv-impulsiv und kombiniert. Mehr offizielle Typen gibt es nicht.
  • Deutscher Befund: F90.0 heißt hier nicht „unaufmerksam“, wie auf vielen englischen Seiten. Die Form ohne Hyperaktivität (ADS) hat den eigenen Code F98.80.
  • Kein fester Stempel: Bei vielen Menschen wechselt der Typ über die Jahre. Für die Wahl des Medikaments nennt die Leitlinie ihn nicht als Kriterium.
  • „7 ADHS-Typen“: Das Modell stammt aus einer US-Klinikkette mit Hirnscans. Es ist nicht wissenschaftlich bestätigt.

Geschrieben von neurodivergenten Erwachsenen. Diese Seite ersetzt keine Diagnose. Sie hilft dir, Begriffe und Befunde einzuordnen.

1. Welche ADHS-Typen gibt es?

ADHS hat zwei Seiten. Die eine ist die Aufmerksamkeit: dranbleiben, Details sehen, an Dinge denken. Die andere ist Hyperaktivität und Impulsivität: Unruhe, schnelles Handeln, schwer warten können. Laut WHO teilen sich die Symptome in allen Kulturen in diese zwei Bereiche auf. Aus ihrem Verhältnis ergeben sich die drei Typen.

Vorwiegend unaufmerksam

Hier überwiegt die Aufmerksamkeitsseite. Du verlierst den Faden bei Aufgaben, die dich nicht packen. Du vergisst Termine, verlegst Schlüssel, schweifst im Gespräch ab. Von außen wirkst du eher ruhig oder verträumt. Deshalb fällt dieser Typ oft spät auf. Im Deutschen heißt er häufig „ADS“. Mehr dazu im Ratgeber ADHS vom unaufmerksamen Typ.

Vorwiegend hyperaktiv-impulsiv

Hier überwiegen Unruhe und Impulsivität. Kleine Kinder mit diesem Bild sind ständig in Bewegung. Bei Erwachsenen zeigt es sich eher als innerer Antrieb, als Ungeduld oder als vorschnelle Entscheidung. Dieser Typ ist der seltenste. Laut einer großen Übersichtsarbeit ist er nach dem ersten Schuljahr auch am schlechtesten belegt (mehr dazu in Abschnitt 4).

Kombiniert

Beide Seiten sind deutlich, keine überwiegt klar. Das ist das Bild, an das viele beim Wort „ADHS“ zuerst denken. In Kliniken ist es oft das häufigste. Die deutsche „Hyperkinetische Störung“ nach ICD-10 ist eine enger gefasste Form davon (siehe Abschnitt 2).

„Vorwiegend“ heißt nicht „ausschließlich“. Die WHO beschreibt den Typ so: Mehrere Symptome der einen Seite sind da, von der anderen Seite nur wenige oder keine. Wer vorwiegend unaufmerksam ist, kann also trotzdem ab und zu impulsiv sein. Welche Symptome genau zählen, findest du in der Checkliste unter ADHS-Symptome.

Typ, Form oder Erscheinungsbild?

Die Wörter haben sich mehrmals geändert. 1980 sprach das DSM-III von „ADD mit oder ohne Hyperaktivität“. 1987 hieß es ADHD, und die zwei Unterformen fielen weg. 1994 führte das DSM-IV drei Subtypen ein. Seit dem DSM-5 (2013) heißen sie „Erscheinungsbilder“ (englisch: presentations). Der Grund: Die Symptome sind bei vielen Menschen nicht stabil. Das Wort soll zeigen, dass es um das aktuelle Bild geht. Die ganze Geschichte erzählt der Ratgeber Was ist ADHS? Im Alltag sagen die meisten trotzdem „Typ“. Auch wir tun das auf dieser Seite.

2. F90.0, F98.80 & Co.: was in deinem Befund steht

Die drei Typen stammen aus dem amerikanischen DSM. In Deutschland wird aber nach der ICD-10-GM verschlüsselt. Die neuere ICD-11 ist bei der WHO seit 2022 in Kraft. Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dauert die Einführung in Deutschland aber noch mehrere Jahre. Bis dahin gilt die ICD-10-GM. Und die kennt keine drei Typen.

Die ICD-10-GM nennt ADHS „Hyperkinetische Störung“. Der häufigste Code ist F90.0. Für ihn müssen nach ICD-10 alle drei Bereiche vorliegen: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Die S3-Leitlinie beschreibt das so: Die Hyperkinetische Störung ist ein enger gefasster Subtyp der kombinierten Form nach DSM-5. Sie zeigt sich in mehr Situationen und beeinträchtigt stärker. Beide Konzepte hält die Leitlinie für nützlich.

Für Menschen ohne deutliche Hyperaktivität gibt es seit 2019 den Code F98.80. Er heißt „Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität mit Beginn in der Kindheit und Jugend“. Vorher wurde diese Form vermutlich unter dem allgemeineren Code F98.8 erfasst. Eine Auswertung von Kassendaten zeigt: Im Jahr der Einführung von F98.80 stieg die Zahl neuer ADHS-Diagnosen bei Erwachsenen um 15 %. Wie viele Diagnosen heute auf F98.80 und wie viele auf F90 entfallen, weist die Studie nicht getrennt aus.

F90.1 ist kein Typ. Der Code steht für ADHS zusammen mit einer Störung des Sozialverhaltens. Die S3-Leitlinie erlaubt die Diagnose nach ICD-10 oder nach DSM-5. Für die Abrechnung mit der Krankenkasse muss sie aber nach ICD-10 verschlüsselt werden. Deshalb kann in deinem Befund „vorwiegend unaufmerksames Erscheinungsbild“ stehen und daneben der Code F98.80.

Die Code-Falle bei englischen Quellen

In den USA gilt eine andere Fassung, die ICD-10-CM. Dort haben dieselben Codes eine andere Bedeutung. Wenn du auf einer englischen Seite liest, F90.0 sei „unaufmerksam“, stimmt das für die USA. Für deinen deutschen Befund stimmt es nicht.

CodeDeutschland (ICD-10-GM 2026)USA (ICD-10-CM)
F90.0Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit zusammen („Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung“)vorwiegend unaufmerksamer Typ
F90.1ADHS plus Störung des Sozialverhaltensvorwiegend hyperaktiver Typ
F90.2gibt es nichtkombinierter Typ
F90.8 / F90.9sonstige / nicht näher bezeichnete Formsonstiger / nicht näher bezeichneter Typ
F98.80Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität (ADS)kein eigener Code; F98.8 = sonstige Verhaltens- und emotionale Störungen

Quellen: BfArM, ICD-10-GM Version 2026, Block F90–F98; U.S. National Library of Medicine, ICD-10-CM-Suche (F90).

In der ICD-11 der WHO gibt es die drei Typen dann auch offiziell: 6A05.0 vorwiegend unaufmerksam, 6A05.1 vorwiegend hyperaktiv-impulsiv, 6A05.2 kombiniert, dazu zwei Restcodes. Die WHO nennt sie Zusatzangaben für das aktuelle Bild. Sie sollen vor allem festhalten, weshalb jemand gerade Hilfe sucht. In deutschen Befunden spielen diese Codes heute noch keine Rolle.

3. Welcher Typ ist am häufigsten?

Im Netz liest man oft: 60 % kombiniert, 30 % unaufmerksam, 10 % hyperaktiv. Eine solche weltweite Verteilung gibt es nicht. Die Antwort hängt davon ab, wen man zählt.

Warum der Unterschied? Eine naheliegende Erklärung: Wer laut und unruhig ist, fällt in Schule und Familie eher auf und landet eher in einer Praxis. Wer still abschweift, bleibt eher unbemerkt. Klinikzahlen zeigen also, wer Hilfe sucht oder geschickt wird. Sie zeigen nicht, wie ADHS in der ganzen Bevölkerung verteilt ist. Deutsche Kassendaten trennen die Typen nicht. Eine verlässliche deutsche Verteilung gibt es deshalb nicht.

4. Kann sich der ADHS-Typ ändern?

Ja, und mehrere Studien zeigen das. Eine US-Studie begleitete 118 Kinder, die mit vier bis sechs Jahren eine ADHS-Diagnose hatten, über acht Jahre. Von den Kindern mit kombiniertem Typ erfüllten 37 % bei mindestens zwei späteren Terminen die Kriterien eines anderen Typs. Bei den unaufmerksamen Kindern waren es 50 %. Kinder mit hyperaktiv-impulsivem Typ wechselten noch häufiger, meist zum kombinierten. Die Forschenden schrieben: Für die Einschätzung eines einzelnen Kindes sind die Typen zu instabil.

Die S3-Leitlinie beschreibt, wie sich das Bild mit dem Alter oft verschiebt:

Die WHO beschreibt dasselbe Muster. Sie ergänzt: Welcher Typ bei einem Menschen überwiegt, lässt sich nicht aus dem Typ von Eltern oder Geschwistern vorhersagen. ADHS liegt oft in der Familie. Welcher Typ es bei dir wird, lässt sich daraus aber nicht ableiten.

Sind die Typen überhaupt echte Gruppen?

Eine große Übersichtsarbeit hat 2012 dazu 546 Studien ausgewertet. Gut belegt ist die Trennung der zwei Seiten: Unaufmerksamkeit auf der einen, Hyperaktivität und Impulsivität auf der anderen. Die drei Typen als eigene Gruppen sind dagegen schwach belegt. Fast alle Unterschiede zwischen ihnen ließen sich damit erklären, wie stark die beiden Seiten gerade ausgeprägt sind. Für Unterschiede zwischen unaufmerksamem und kombiniertem Typ bei Ursachen, Schule, Denken und Ansprechen auf Behandlung fand die Arbeit kaum Belege. Ihr Fazit: Die Typen sind eine praktische Kurzbeschreibung des aktuellen Bildes. Getrennte Formen der Störung sind sie nicht.

Für dich heißt das: Dein Typ ist eine Momentaufnahme. Er sagt etwas darüber, wo du gerade die meisten Schwierigkeiten hast. Er sagt nichts darüber, wer du bist oder wie dein Leben verlaufen wird.

5. ADHS-Typen bei Erwachsenen, Frauen und Männern

Erwachsene

In der US-Klinikstudie mit 107 Erwachsenen berichteten über 90 % von Symptomen der Unaufmerksamkeit. Die Forschenden rieten deshalb, bei Erwachsenen genau nach diesen Symptomen zu fragen. Die Mannheimer Studie fand eine Gruppe, die zwischen den Typen liegt: heute vorwiegend unaufmerksam, früher kombiniert. Diese Menschen hatten mehr hyperaktive und impulsive Symptome als die übrigen vorwiegend Unaufmerksamen. Die Forschenden sahen darin einen ersten Hinweis auf eine eigene Untergruppe. Bestätigt ist das nicht.

In beiden Studien unterschieden sich die Typen auch bei begleitenden Erkrankungen. In der US-Studie hatten Erwachsene mit kombiniertem Typ insgesamt mehr psychische Begleiterkrankungen. In Mannheim war die Gesamtzahl ähnlich. Die Gruppen mit kombiniertem oder früher kombiniertem Typ hatten dort aber häufiger im Leben eine Suchterkrankung. Alle Typen hatten im Schnitt weniger Bildung, waren häufiger arbeitslos und hatten mehr psychische Erkrankungen als die Vergleichsgruppe ohne ADHS. Kein Typ ist also die „leichte“ Variante.

Frauen und Männer

Bei Kindern ist der Befund recht klar. Zwei Metaanalysen zeigen: Mädchen mit ADHS sind im Schnitt weniger hyperaktiv als Jungen mit ADHS. Die WHO schreibt, dass Frauen eher unaufmerksame und Männer eher hyperaktiv-impulsive Symptome zeigen, vor allem in jüngeren Jahren.

Bei Erwachsenen ist das Bild weniger klar. In der US-Klinikstudie zeigten Frauen und Männer ADHS auf ähnliche Weise. In der Mannheimer Studie unterschieden sich die Typ-Gruppen nicht im Geschlecht. Die Aussage „Frauen haben fast immer den unaufmerksamen Typ“ ist also zu pauschal. Sicher ist: In Deutschland bekamen Frauen lange seltener eine ADHS-Diagnose als Männer. Bei Erwachsenen lag die Rate neuer Diagnosen bei Männern 2015 noch 1,65-mal so hoch wie bei Frauen, 2019 sogar 1,83-mal. 2024 war sie mit 1,08 fast gleich. Mehr dazu im Ratgeber ADHS bei Frauen.

6. Bestimmt der Typ die Behandlung?

Nein, nicht direkt. Die deutsche S3-Leitlinie nennt Punkte, nach denen ein Medikament ausgewählt werden soll. Der ADHS-Typ ist nicht dabei. Wichtig sind laut Leitlinie:

Das passt zur Forschung. Die Übersichtsarbeit von 2012 fand kaum Belege dafür, dass unaufmerksamer und kombinierter Typ unterschiedlich auf Behandlung ansprechen. Eigene Medikamente je Typ sieht die Leitlinie deshalb nicht vor.

Für Erwachsene sieht die Leitlinie Psychoedukation für alle vor, also gründliche Aufklärung über die eigene ADHS. Medikamente gelten bei Erwachsenen als eine Hauptoption, auch bei leichter oder mittlerer Ausprägung, wenn du das möchtest. Welche weitere Hilfe passt, hängt von deinen konkreten Schwierigkeiten ab. Wer viel vergisst, braucht andere Hilfen als jemand, der vor allem impulsiv Geld ausgibt. Dafür ist der Typ ein grober Hinweis. Das genaue Bild deiner Schwierigkeiten ist wichtiger. Welche Mittel für Erwachsene zugelassen sind, steht im Ratgeber ADHS-Medikamente.

7. Gibt es 7 ADHS-Typen? Und 5 oder 6?

„7 ADHS-Typen“ wird in Deutschland oft gesucht. Die Zahl stammt aus den Büchern und Kliniken des US-Psychiaters und Selbsthilfe-Autors Daniel Amen. Die Amen-Kliniken stellen Diagnosen mit Hilfe von SPECT-Hirnscans. Auf ihrer Website nennen sie heute sieben Typen: „Classic“, „Inattentive“, „Overfocused“, „Temporal Lobe“, „Limbic“, „Ring of Fire“ und „Anxious ADD“. Sie stellen sie neben die drei offiziellen Typen und berufen sich auf ihre Hirnscans.

Was sagt die Forschung? 2012 erschien dazu eine Übersicht im Ethik-Journal der American Medical Association. Damals beschrieben die Kliniken noch sechs Typen. Die Verfasser hielten fest: Das System entspricht nicht den üblichen Diagnosekategorien. Mit den vielen Scans der Kliniken ließe sich prüfen, ob es funktioniert. Solche Studien waren aber nicht veröffentlicht. Wegen der fehlenden Bestätigung halten laut der Übersicht viele Fachleute die Scan-Diagnostik für verfrüht und unbewiesen.

Die deutsche S3-Leitlinie ist hier eindeutig. Es gibt keinen spezifischen biologischen Marker für ADHS. Die Diagnose wird deshalb ausschließlich im Gespräch und durch die fachliche Beurteilung der Symptome gestellt. Ein Hirnscan kann also weder eine ADHS noch einen ADHS-Typ feststellen.

Und die anderen Zählungen?

Im deutschen Buchhandel gibt es zum Beispiel den Elternratgeber „Feuerkind – Wasserkind“ (2014, aus dem Englischen). Er beschreibt fünf ADHS-Typen nach einem eigenen Modell. Im Netz kursieren noch weitere Zahlen. Solche Modelle können helfen, über Unterschiede zu sprechen. Sie stehen aber in keinem Diagnosesystem. Eine Fachpraxis wird dir keinen dieser Typen bescheinigen.

Biotypen aus der Hirnforschung

Seriöse Forschung zu Untergruppen gibt es trotzdem. 2026 erschien im Fachjournal JAMA Psychiatry eine Studie mit MRT-Daten von 446 Kindern mit ADHS und 708 Kindern ohne ADHS. Die Forschenden fanden drei Muster im Gehirn, die sie „Biotypen“ nennen: ein schweres kombiniertes Bild mit emotionaler Dysregulation, ein vorwiegend hyperaktiv-impulsives und ein vorwiegend unaufmerksames. In einer zweiten Gruppe mit 554 Kindern mit ADHS ließen sich die Kernergebnisse wiederholen. Das ist Grundlagenforschung an Kindern. Ein Test, mit dem eine Praxis deinen Typ per Scan bestimmen kann, folgt daraus nicht.

8. Kein eigener Typ: stilles ADHS, CDS, Gefühle, Sinne

Manche Begriffe klingen nach einem eigenen ADHS-Typ, sind aber keiner. Sie beschreiben Merkmale, die quer zu den drei Typen liegen.

„Stilles ADHS“

Kein Fachbegriff. Meist ist das vorwiegend unaufmerksame Bild gemeint. Still ist es nur nach außen. Laut S3-Leitlinie zeigt sich Hyperaktivität ab der Jugend oft als innere Unruhe statt als sichtbare Bewegung.

CDS, früher „verlangsamtes kognitives Tempo“

Die WHO beschreibt eine Untergruppe, vor allem bei Kindern, ganz ohne Hyperaktivität: viel Tagträumen, gedankliches Abschweifen, wenig Fokus. Dafür gab es den Namen „sluggish cognitive tempo“. Eine internationale Arbeitsgruppe hat 2023 den neuen Namen „Cognitive Disengagement Syndrome“ (CDS) vorgeschlagen. Ob CDS ein eigenes Störungsbild ist oder ein Zusatzmerkmal, ist noch offen. Mehr dazu unter CDS (verlangsamtes kognitives Tempo).

Starke Gefühle

Laut S3-Leitlinie sind Symptome der emotionalen Dysregulation bei Erwachsenen mit ADHS häufig. Auch die WHO nennt sie als häufiges Begleitmerkmal. Zu den Diagnosekriterien gehören sie nicht. Die Forschung diskutiert drei Sichtweisen: zwei verwandte, aber getrennte Bereiche; ein Kernmerkmal der ADHS; oder eine eigene Form, wenn beides zusammenkommt. Entschieden ist das nicht. Der Begriff RSD kommt weder in der S3-Leitlinie noch im ADHS-Kapitel der WHO vor. Mehr dazu unter Emotionale Dysregulation bei ADHS und RSD.

Sinne und Hochsensibilität

Eine niederländische Studie mit 116 Erwachsenen mit ADHS fand mehr Über- und Unterempfindlichkeit der Sinne als in der Vergleichsnorm. Das hing mit der Stärke der ADHS zusammen, nicht mit autistischen Merkmalen. 43 % der Frauen und 22 % der Männer berichteten davon. Ein „sensorischer ADHS-Typ“ ist das trotzdem nicht. Auch Hochsensibilität ist kein ADHS-Typ, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal ohne Diagnosecode. Siehe Reizüberflutung und Hochsensibilität.

Wenn du autistisch bist und ADHS hast, sprechen viele von AuDHD. Auch das ist kein ADHS-Typ, sondern das gemeinsame Auftreten von zwei Diagnosen. Mehr dazu unter Was ist AuDHD?

9. Welcher Typ bin ich?

Sicher klären lässt sich das nur in einer Diagnostik. Bei Erwachsenen sollen das laut S3-Leitlinie Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie oder psychosomatische Medizin übernehmen, oder ärztliche oder psychologische Psychotherapeut:innen. Bei einer psychologischen Psychotherapeutin kommt eine körperliche Untersuchung durch einen Arzt oder eine Ärztin dazu. Kern ist ein ausführliches Gespräch. Wenn möglich, werden Angaben von Menschen dazugenommen, die dich gut kennen. Den Weg zum Termin beschreibt der Ratgeber ADHS bei Erwachsenen.

Bis dahin kannst du dich selbst beobachten. Diese Fragen helfen beim Sortieren:

Schreib dir Beispiele auf. Sie sind im Gespräch mehr wert als ein Testergebnis.

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10. Häufige Fragen

Welche ADHS-Typen gibt es?

Offiziell gibt es drei Erscheinungsbilder: vorwiegend unaufmerksam, vorwiegend hyperaktiv-impulsiv und kombiniert. So steht es im amerikanischen DSM-5 und in der ICD-11 der WHO. In Deutschland wird nach der ICD-10-GM verschlüsselt. Dort heißt die Form mit Hyperaktivität meist F90.0 und die Form ohne Hyperaktivität F98.80, umgangssprachlich ADS.

Wie viele ADHS-Typen gibt es?

In den Diagnosesystemen sind es drei. Die ICD-11 hat dazu zwei Restcodes für Bilder, die in keine der drei passen. Zahlen wie fünf, sechs oder sieben Typen stammen aus Büchern und aus einer US-Klinikkette. Sie stehen in keinem Diagnosesystem.

Was ist stilles ADHS?

„Stilles ADHS“ ist kein Fachbegriff. Meist ist damit das vorwiegend unaufmerksame Bild gemeint: viel Abschweifen und Vergessen, aber kaum sichtbare Unruhe. Für die Form ganz ohne Hyperaktivität gibt es in Deutschland den Code F98.80. Still ist sie nur von außen. Innen kann viel Unruhe sein.

Gibt es 7 ADHS-Typen?

Nicht in der Medizin. Die sieben Typen stammen von den Amen-Kliniken in den USA, die mit Hirnscans (SPECT) arbeiten. Eine Übersicht in der Ethik-Zeitschrift der American Medical Association schrieb 2012, dass Studien fehlen, die das Typen-System der Kliniken bestätigen. Die deutsche S3-Leitlinie hält fest: Es gibt keinen biologischen Marker für ADHS.

Welcher ADHS-Typ ist am häufigsten?

Das hängt davon ab, wo man zählt. In der Bevölkerung ist laut einer großen Metaanalyse der unaufmerksame Typ am häufigsten. In Kliniken und Praxen kommen dagegen mehr Menschen mit dem kombinierten Typ an. Eine einzige Zahl für alle gibt es nicht.

Kann sich der ADHS-Typ im Leben ändern?

Ja, und das ist eher die Regel als die Ausnahme. Deshalb spricht das DSM-5 seit 2013 von Erscheinungsbildern statt von Typen. Oft lässt die sichtbare Hyperaktivität mit dem Alter nach, die Unaufmerksamkeit bleibt eher. Aus einem kombinierten Bild in der Kindheit kann so im Erwachsenenalter ein vorwiegend unaufmerksames werden.

Ist ADS ein eigener ADHS-Typ?

Im DSM-5 nicht. Dort entspricht das, was man ADS nennt, dem vorwiegend unaufmerksamen Erscheinungsbild der ADHS. In der deutschen ICD-10-GM hat die Form ohne Hyperaktivität aber einen eigenen Code: F98.80. Den gibt es seit 2019. Gemeint ist in beiden Fällen dasselbe Muster.

Haben Frauen eher den unaufmerksamen Typ?

Bei Kindern zeigen Mädchen mit ADHS im Schnitt weniger Hyperaktivität als Jungen. Die WHO schreibt, dass Frauen eher unaufmerksame Symptome zeigen, vor allem in jüngeren Jahren. In zwei Studien mit Erwachsenen mit ADHS unterschieden sich Frauen und Männer im Typ aber nicht. Für Erwachsene ist die Frage also offen.

Kann ich meinen ADHS-Typ mit einem Test bestimmen?

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Quellen und Stand

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Stand: 13. Oktober 2026