Skip to content
Neurodiverge App

Ratgeber · 15 Minuten Lesezeit · Aktualisiert 17. Oktober 2026

AuDHD-Symptome: Wie äußert sich Autismus mit ADHS?

AuDHS- oder AuDHD-Symptome sind keine eigene Diagnose. Gemeint sind die Merkmale von Autismus und ADHS, wenn beides bei einem Menschen zusammenkommt. Typisch ist weniger ein neues Symptom als das Zusammenspiel: Die beiden Seiten können sich verstärken, ausbremsen oder gegenseitig verdecken. Viele beschreiben einen Alltag zwischen Routine und Lust auf Neues, zwischen zu vielen Reizen und Hunger nach Anregung. Hier findest du die Anzeichen nach Lebensbereichen – und bei jedem Punkt, was Studien zeigen und was Erfahrungsberichte sind.

Kurz beantwortet

  • Keine eigene Diagnose: „AuDHD“ – auf Deutsch oft „AuDHS“ – ist ein Wort aus der Community. Fachleute stellen zwei Diagnosen: Autismus und ADHS.
  • Häufige Kombination: Je nach Meta-Analyse haben etwa 28 % (Lai u. a. 2019) bis 40 % (Rong u. a. 2021) der autistischen Menschen auch ADHS.
  • Wie es sich zeigt: Merkmale beider Seiten, die sich reiben (Routine gegen Abwechslung) oder überdecken. ADHS kann autistische Merkmale weniger sichtbar machen.
  • Was du tun kannst: Beispiele aus Kindheit und Alltag sammeln und eine Abklärung suchen. Ein Online-Test ersetzt keine Diagnose.

Was der Begriff genau bedeutet, wie häufig die Kombination ist und was in Deutschland für die Diagnose gilt, erklärt der Grundlagentext AuDHD: Autismus und ADHS gleichzeitig. Diese Seite geht tiefer in die einzelnen Anzeichen.

1. Was mit AuDHS-Symptomen gemeint ist

„AuDHD“ setzt sich aus dem englischen „autism“ und „ADHD“ zusammen. Im Deutschen schreiben viele „AuDHS“, weil ADHD hier ADHS heißt. Beide Wörter meinen dasselbe: Ein Mensch ist autistisch und hat ADHS. Eine eigene Kategorie in den Diagnosesystemen gibt es dafür nicht. Die Forscherin Emma Craddock beschreibt AuDHD deshalb als eine Art Restkategorie, die es offiziell nicht gibt, die aber das Leben vieler Menschen prägt.

Seit dem DSM-5 von 2013 dürfen Autismus und ADHS zusammen diagnostiziert werden. In der in Deutschland gültigen ICD-10-GM steht bei ADHS noch ein Ausschluss für tief greifende Entwicklungsstörungen, zu denen Autismus gehört. Die ICD-11, die beides erlaubt, gilt in Deutschland noch nicht. Was das in der Praxis bedeutet, steht im Grundlagentext zu AuDHD.

Für die Symptome heißt das: Es gibt keine Liste mit „AuDHS-Kriterien“. Es gibt die Merkmale von Autismus, die Merkmale von ADHS – und die Frage, wie beides zusammenspielt. Ein festes, eigenes AuDHS-Bild ist in Studien nicht belegt. Wie sich die Kombination zeigt, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden.

2. Welche Symptome treten bei AuDHD auf? Die Merkmale nach Bereichen

Bei AuDHD treten Merkmale aus beiden Bereichen auf: autistische Merkmale wie das Bedürfnis nach Routinen und Unterschiede im sozialen Verstehen, dazu ADHS-Merkmale wie Sprunghaftigkeit, Unruhe und Desorganisation. Wie man sie auseinanderhält, zeigt eine Tabelle aus der Berliner Spezialambulanz für Autismus-Diagnostik bei Erwachsenen (Küpper, Bartels und Dziobek, 2025). Wir haben sie gekürzt und in einfache Worte gebracht.

BereichEher autistischEher ADHS
AufmerksamkeitAblenkbar vor allem durch Reize und bei sozialer Überforderung; wenig Stresstoleranz; Blick fürs DetailSprunghaft im Denken und Handeln; Details gehen eher unter
VerhaltenBraucht Routinen und Gleichbleibendes; Veränderungen machen StressDesorganisation; braucht Anregung und Abwechslung; keine starren Abläufe (außer als erlernte Hilfe im Erwachsenenalter)
InteressenSpezialinteressen, mit denen man sich intensiv beschäftigtOft starke, aber schnell nachlassende Interessen; Hyperfokus bei Interesse möglich
SozialesMühe, die Sicht anderer einzunehmen und unausgesprochene Regeln zu verstehenSchwierigkeiten eher durch Sprunghaftigkeit und Impulsivität

Vereinfacht nach Küpper, Bartels und Dziobek (2025), Tabelle 2. Beiden gemeinsam: Die Merkmale bestehen seit früher Kindheit.

Bei Menschen mit AuDHS können Merkmale aus beiden Spalten vorkommen. Drei Dinge machen das Auseinanderhalten trotzdem schwer:

3. Wie äußert sich Autismus mit ADHS? Wo sich die beiden Seiten reiben

Am häufigsten beschreiben Menschen mit beiden Diagnosen einen Zug in zwei Richtungen: Die autistische Seite will Ordnung, Wiederholung und Vorhersehbarkeit. Die ADHS-Seite sucht Neues und Abwechslung. Was das im Alltag bedeutet, zeigen zwei Studien mit Erfahrungsberichten.

Routine und Abwechslung zugleich

Craddock (2026) hat sechs Frauen befragt, die als Erwachsene beide Diagnosen bekamen. Eine Teilnehmerin beschrieb, dass ihr Autismus Ordnung, Struktur, Routinen und Alleinsein braucht. Ihre ADHS bringe genau das immer wieder durcheinander – mit dem Drang nach Neuem und Abwechslung. Eine andere erlebte die beiden Seiten mal als Konflikt, mal als Ausgleich: Je nach Lebensphase wirke sie eher autistisch, dann wieder übernehme die ADHS die Führung. Manche Merkmale heben sich nach ihren Worten sogar gegenseitig auf.

Ähnliches fand ein Forschungsteam in 501 Reddit-Beiträgen über autistische Trägheit (Ward und Kolleg:innen, 2026). Wer sich dort als AuDHD beschrieb, erlebte das Bedürfnis nach Neuem als Widerspruch zum autistischen Bedürfnis nach Routine. Zu viel Routine machte den Tag reizarm, und der Start fiel schwerer. Zu wenig Struktur führte zu Überforderung und manchmal zum Shutdown. Die Diagnosen der Schreibenden wurden nicht geprüft; es sind Selbstauskünfte.

Ganz drin – oder gar nicht anfangen

Viele kennen beides: stundenlang in einer Sache versinken und an anderen Tagen eine kleine Aufgabe nicht beginnen können. Für die autistische Seite gibt es dafür einen Begriff aus der Forschung mit autistischen Erwachsenen: Trägheit. In Fokusgruppen mit 32 autistischen Erwachsenen beschrieben die Teilnehmenden, dass ihnen Anfangen, Aufhören und Wechseln schwerfällt – und dass sie das nicht willentlich steuern können (Buckle und Kolleg:innen, 2021). Anstöße von außen halfen. Stress und psychische Belastung machten es schlimmer.

Auf der ADHS-Seite spricht man eher von Problemen mit den Exekutivfunktionen, also mit Planen, Starten und Dranbleiben. Mehr dazu im Ratgeber exekutive Dysfunktion.

Hyperfokus ist dabei kein sicheres Zeichen. Er steht in keinem Diagnosekriterium. In einer Studie mit 78 Erwachsenen mit ADHS berichteten diese nicht häufiger oder länger über Hyperfokus als passende Vergleichspersonen (Groen und Kolleg:innen, 2020). Für die autistische Seite gibt es die Theorie des Monotropismus: Die Aufmerksamkeit bündelt sich auf wenige Dinge zugleich (Murray, Lesser und Lawson, 2005). Das ist ein Erklärungsansatz, kein Befund.

Manche Menschen mit AuDHS beschreiben einen starken inneren Widerstand gegen Anforderungen. Dafür kursiert der Begriff „PDA“. Eine Übersicht aus der Marburger Kinder- und Jugendpsychiatrie kommt aber zu dem Schluss: PDA ist weder eine Diagnose noch eine Unterform von Autismus, sondern ein Verhaltensmuster, dessen Einordnung umstritten ist (Kamp-Becker und Kolleg:innen, 2023).

4. Planen, Organisieren und Zeitgefühl

Beim Planen und Organisieren ähnelte AuDHS in Tests mit Kindern und Jugendlichen eher der ADHS als dem Autismus allein. Das zeigt eine Meta-Analyse mit 36 Studien (Ceruti und Kolleg:innen, 2024). Die Gruppe mit beiden Diagnosen unterschied sich kaum von der Gruppe mit ADHS allein, hatte aber mehr Schwierigkeiten als die Gruppe mit Autismus allein.

Zwei Einschränkungen: Nur 11 der Studien hatten überhaupt eine Gruppe mit beiden Diagnosen. Und Labortests messen etwas anderes als Fragebögen über den Alltag. Für Erwachsene fehlen solche Vergleiche.

Zeitgefühl. Menschen mit ADHS schätzen Zeitspannen im Schnitt deutlich ungenauer ein. Eine Meta-Analyse mit 824 Effektstärken fand diesen Unterschied über alle Altersgruppen (Metcalfe und Kolleg:innen, 2024). Labortests sind aber nicht dasselbe wie das Gefühl, dass Termine lange weit weg und plötzlich da sind. Für AuDHS gibt es dazu keine eigenen Daten.

Tagesrhythmus. Eine Übersicht über 62 Studien mit 4.462 Menschen mit ADHS fand durchgehend einen späteren Chronotyp: eher Abendmensch, späteres Einschlafen (Coogan und McGowan, 2017). Bei autistischen Menschen kommen Schlaf-Wach-Störungen bei etwa 13 % vor (Lai und Kolleg:innen, 2019). Einen typischen „AuDHS-Tagesverlauf“, der für alle gilt, gibt es nicht.

5. Reize: zu viel und zu wenig zugleich

Viele Menschen mit AuDHS beschreiben beides: Geräusche, Licht oder Stoffe werden schnell zu viel – und gleichzeitig suchen sie Bewegung, Musik oder etwas Neues, um wach zu bleiben. Beide Seiten sind gut belegt, aber die einfache Aufteilung „Autismus meidet Reize, ADHS sucht sie“ stimmt so nicht.

Über- oder Unterempfindlichkeit für Reize gehört zur Beschreibung von Autismus im DSM-5 und in der ICD-11. Die WHO nennt zum Beispiel Geräusche, Licht, Texturen von Kleidung und Essen, Gerüche, Geschmack, Hitze, Kälte und Schmerz. Auf der ADHS-Seite nennt die Berliner Tabelle das Bedürfnis nach Anregung, im Fachjargon „Sensation Seeking“.

Doch auch viele Erwachsene mit ADHS sind reizempfindlich. In einer niederländischen Studie mit 116 Erwachsenen mit ADHS berichteten diese mehr Über- und Unterempfindlichkeit als die Norm. Das hing mit ihren ADHS-Merkmalen zusammen, nicht mit autistischen. Bei 43 % der Frauen und 22 % der Männer war die Reizverarbeitung auffällig (Bijlenga und Kolleg:innen, 2017). Eine große Studie mit 495 autistischen Menschen und 461 Menschen mit ADHS fand in beiden Gruppen dieselben fünf Sinnesprofile (Scheerer und Kolleg:innen, 2024). Die Diagnose allein sagt also wenig darüber, wie jemand Reize erlebt.

Was bei zu vielen Reizen passiert und was hilft, erklärt der Ratgeber Reizüberflutung.

6. Gefühle, Kränkbarkeit und Körpersignale

Starke, schnell wechselnde Gefühle ordnen Studien eher der ADHS-Seite zu. In einer griechischen Studie mit 300 Erwachsenen berichteten die Gruppen mit ADHS (174 Personen) und mit ADHS plus Autismus (58 Personen) mehr Stimmungsschwankungen als die Gruppe mit Autismus allein (Pehlivanidis und Kolleg:innen, 2025). Die deutsche ADHS-Leitlinie schreibt, dass Probleme mit der Gefühlsregulation bei Erwachsenen häufig sind. Ein Diagnosekriterium sind sie nicht.

Gefühle erkennen und benennen. Wer Gefühle schwer einordnen kann, hat womöglich Alexithymie. In Studien betrifft das etwa die Hälfte der autistischen Menschen, in Vergleichsgruppen etwa 5 % (Kinnaird und Kolleg:innen, 2019). Bei 73 Erwachsenen mit ADHS aus Deutschland lag der Anteil bei etwa 22 % (Edel und Kolleg:innen, 2010). Eine eigene Zahl für AuDHS gibt es nicht.

Körpersignale. Viele beschreiben, dass sie Hunger, Durst oder Müdigkeit spät bemerken. Ob autistische Menschen Körpersignale wirklich schlechter wahrnehmen, ist unklar. In einer Meta-Analyse unterschied sich nur ein einziger Test, das Zählen des eigenen Herzschlags (Williams und Kolleg:innen, 2023). Eine Studie mit zwei Experimenten fand, dass Unterschiede eher mit Alexithymie zusammenhängen als mit Autismus selbst (Shah und Kolleg:innen, 2016).

Kränkbarkeit. Starke Gefühle bei Kritik oder Zurückweisung werden oft „RSD“ genannt. Der Begriff steht weder in der deutschen ADHS-Leitlinie noch in der ICD-11. Beschrieben ist das Erleben trotzdem: von fünf Studierenden mit ADHS (Rowney-Smith und Kolleg:innen, 2026) und von 19 autistischen Erwachsenen (van Asselt und Kolleg:innen, 2025). Daten zu AuDHS und geprüfte Behandlungen dafür gibt es nicht.

Meltdown und Shutdown. Auch das sind keine Fachbegriffe aus den Diagnosesystemen. 32 autistische Erwachsene beschrieben einen Meltdown als Überwältigung durch Informationen, Reize und soziale oder emotionale Belastung – mit sehr starken Gefühlen und Mühe beim Denken (Lewis und Stevens, 2023).

7. Masking: Anpassung kostet Kraft – „doppeltes Masking“ ist umstritten

Masking heißt: Du überspielst Merkmale, um nicht aufzufallen. Das IQWiG schreibt, dass viele autistische Menschen das bewusst oder unbewusst tun und dass es viel Anstrengung erfordern kann. Die WHO ergänzt, dass eine solche dauerhafte Anstrengung der psychischen Gesundheit schaden kann.

Oft liest man, Menschen mit AuDHS trügen zwei Masken: eine für autistische und eine für ADHS-Merkmale. Belegt ist das nicht. In einer niederländischen Studie gaben Erwachsene mit ADHS zwar mehr Tarnung an als Vergleichspersonen, aber weniger als autistische Erwachsene. Die Tarnung hing mit autistischen Merkmalen zusammen, nicht mit ADHS-Merkmalen (van der Putten und Kolleg:innen, 2024). Ein Fachkommentar von 2026 hält das Konzept für ADHS für ungeprüft: Die bisherigen Fragebögen seien für ADHS nicht ausreichend geprüft (Adamou, 2026).

Dazu kommt: Masking wird bisher nur per Selbstauskunft erfasst, und es ist nicht typisch nur für Autismus. In der Berliner Spezialambulanz berichten auch viele Menschen ohne Autismus-Diagnose davon. Mehr über Formen, Kosten und Ablegen der Maske im Ratgeber Masking bei Autismus.

8. Warum eine Seite die andere verdecken kann

ADHS-Merkmale können so im Vordergrund stehen, dass autistische Merkmale weniger auffallen. Das schreibt die WHO in ihren Diagnosebeschreibungen zur ICD-11. Die Berliner Spezialambulanz beschreibt dasselbe aus der Praxis und rät deshalb, die Kindheit genau zu erfragen und, wenn möglich, Menschen einzubeziehen, die dich früher kannten.

Wie sich das auswirkt, zeigt eine niederländische Studie: Kinder und Jugendliche, bei denen zuerst ADHS erkannt wurde, bekamen ihre Autismus-Diagnose im Schnitt 1,8 Jahre später als Kinder ohne ADHS-Diagnose – Jungen 1,5 Jahre, Mädchen 2,6 Jahre später (Kentrou und Kolleg:innen, 2019). Für Erwachsene war das Ergebnis weniger klar.

Dazu kommt, was manche Frauen in Craddocks Interviews beschreiben: Merkmale können sich gegenseitig aufheben, und je nach Lebensphase tritt mal die eine, mal die andere Seite in den Vordergrund. Wie eine Abklärung abläuft, die beides im Blick hat, steht im Ratgeber AuDHD-Diagnose bei Erwachsenen.

9. Wie sind Menschen mit AuDHS? Belastung und Stärken

Menschen mit AuDHS sind so verschieden wie andere Menschen auch. Im Schnitt zeigen Studien aber mehr Belastung als bei einer Diagnose allein. Das ist wichtig, weil es oft unterschätzt wird.

Das ist aber nicht das ganze Bild. In Craddocks Interviews beschrieben mehrere Frauen, dass sich die Seiten auch ergänzen. Eine Teilnehmerin sagte sinngemäß: Ihr Autismus allein würde sie bestimmte Situationen meiden lassen, ihre ADHS bringe sie trotzdem hinein – und sie habe dann Freude daran. Eine andere sah in der ADHS mehr Flexibilität und Selbstvertrauen. Die Autorin folgert, dass beides zusammen auch Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft stärken kann. Es sind sechs Frauen; verallgemeinern lässt sich das nicht.

10. Was oft dazukommt: Erschöpfung, Angst, Depression, Essen

Weitere psychische Belastungen sind häufig, aber nicht die Regel. Bei autistischen Menschen fand eine große Meta-Analyse Angststörungen bei etwa 20 % und depressive Störungen bei etwa 11 % (Lai und Kolleg:innen, 2019). In einer griechischen Klinik hatten 72,4 % der 28 neu diagnostizierten Erwachsenen mit Autismus und ADHS mindestens eine weitere psychische Störung, am häufigsten eine Depression (Pehlivanidis und Kolleg:innen, 2020). Allerdings waren auch Menschen, die ohne eine der beiden Diagnosen aus der Abklärung kamen, ähnlich oft betroffen.

Die deutsche ADHS-Leitlinie sagt klar: Angst, Depression und andere begleitende Störungen sollen abgeklärt und nach ihrer eigenen Leitlinie behandelt werden. Man soll sie also nicht als bloße Folge abtun. Entlastung im Alltag und Behandlung laufen parallel.

Burnout. „AuDHD-Burnout“ ist keine Diagnose und als solcher nicht erforscht. Beschrieben ist autistischer Burnout: lange Erschöpfung, meist drei Monate oder länger, Verlust von Fähigkeiten und weniger Toleranz für Reize (Raymaker und Kolleg:innen, 2020). Der stärkste Stressfaktor war in dieser Studie das Masking. Viele erlebten ihren ersten Burnout um den Übergang ins Erwachsenenalter. Was bei Erschöpfung mit beiden Seiten hilft, steht im Ratgeber AuDHD-Burnout.

Essen. Essstörungen hängen sowohl mit Autismus als auch mit ADHS zusammen. Eine Übersicht aus Freiburg fand im Schnitt bei 4,7 % der Menschen mit Magersucht, Bulimie oder Binge-Eating eine Autismus-Diagnose. Bei Frauen mit ADHS reichten die Angaben bis zu einem Lebenszeit-Risiko von 21,8 % für eine Essstörung (Nickel und Kolleg:innen, 2019). Auch die ICD-10-GM nennt bei frühkindlichem Autismus Schlaf- und Essstörungen als häufige Begleitprobleme. Wenn Essen schwierig ist, gehört das abgeklärt – auch wenn es sensorische Gründe haben kann.

11. AuDHS-Symptome bei Erwachsenen, Frauen und Kindern

Erwachsene

Bei Erwachsenen sind viele Merkmale weniger sichtbar. Die deutsche ADHS-Leitlinie beschreibt, dass sich Hyperaktivität ab dem Jugendalter oft nicht mehr als Bewegungsdrang zeigt, sondern als innere Unruhe. Etwa 50 bis 80 % der Kinder mit ADHS haben auch als Erwachsene noch Symptome. Autistische Merkmale bestehen von Geburt an, können sich laut IQWiG aber mit der Zeit verändern. Die WHO schreibt, dass sie sich manchmal erst zeigen, wenn die sozialen Anforderungen größer werden als die eigenen Möglichkeiten – etwa im Studium, im Beruf oder mit Kindern.

Frauen

Laut WHO werden Männer etwa viermal so oft mit Autismus diagnostiziert. Weniger auffällige Formen bei Frauen bleiben womöglich unentdeckt. In der mittleren Kindheit reagieren Jungen eher nach außen, Mädchen ziehen sich eher zurück. Bei Mädchen dauerte es nach einer ADHS-Diagnose länger bis zur Autismus-Diagnose als bei Jungen (siehe Abschnitt 8). In Craddocks Interviewstudie von 2024 war die (Peri-)Menopause für mehrere der sechs Frauen der Anlass, endlich eine Diagnose zu suchen. Mehr dazu im Ratgeber AuDHD bei Frauen.

Kinder

Bei manchen Kindern wird zuerst die ADHS erkannt und der Autismus erst später (siehe Abschnitt 8). Wenn ein Kind mit ADHS zusätzlich große Mühe mit Veränderungen hat, sehr spezielle Interessen zeigt oder stark auf Reize reagiert, lohnt es sich, auch an Autismus zu denken. Was Eltern dann tun können, steht im Grundlagentext zu AuDHD im Abschnitt über Kinder.

12. Habe ich AuDHS? Was du jetzt tun kannst

Wenn du dich in Merkmalen beider Seiten wiedererkennst, ist das ein guter Grund, genauer hinzuschauen – aber noch kein Befund. In der Berliner Spezialambulanz bestätigt sich Autismus nur bei etwa 40 % der Erwachsenen, die zur Abklärung kommen. Ähnliche Merkmale können auch andere Gründe haben; die Berliner Fachleute grenzen Autismus zum Beispiel ausführlich von sozialen Ängsten ab.

13. Häufige Fragen

Welche Symptome treten bei AuDHD auf?

Bei AuDHD (auf Deutsch oft AuDHS) treten Merkmale von Autismus und von ADHS bei einem Menschen gemeinsam auf. Eine eigene Symptomliste gibt es nicht, weil AuDHD keine eigene Diagnose ist. Typisch ist das Zusammenspiel: Bedürfnis nach Routine neben Lust auf Abwechslung, Reizempfindlichkeit neben Reizsuche, Mühe beim Anfangen neben langen Phasen tiefer Vertiefung. Die Merkmale können sich auch gegenseitig verdecken.

Wie äußert sich Autismus mit ADHS?

Viele beschreiben einen Zug in zwei Richtungen. In einer Interviewstudie mit sechs spät diagnostizierten Frauen sagte eine Teilnehmerin, ihr Autismus brauche Ordnung, Struktur und Routinen – und ihre ADHS störe all das mit dem Drang nach Neuem. Andere erleben, dass sich die Merkmale je nach Lebensphase abwechseln oder ausgleichen. Das sind Erfahrungsberichte; ein festes Muster für alle gibt es nicht.

Wie sind Menschen mit AuDHS?

So verschieden wie andere Menschen auch. Studien zeigen im Schnitt mehr Belastung im Alltag: Autistische Erwachsene mit mehr ADHS-Merkmalen gaben in einer US-Befragung von 724 Personen weniger Selbstständigkeit und eine geringere Lebensqualität an. Manche Frauen mit beiden Diagnosen beschreiben aber auch, dass sich die Seiten ausgleichen – etwa wenn die ADHS-Seite sie in Situationen bringt, die sie sonst meiden würden, und die sie dann genießen.

Woran merke ich, dass ich AuDHS haben könnte?

Ein Hinweis ist, wenn du dich in Merkmalen beider Seiten wiedererkennst – und zwar seit der Kindheit und in mehreren Lebensbereichen. Wiedererkennen ist aber kein Befund: In einer Berliner Spezialambulanz bestätigte sich Autismus nur bei etwa 40 % der Erwachsenen, die zur Abklärung kamen. Klarheit bringt nur eine fachliche Diagnostik. Unser AuDHD-Selbsttest kann helfen, Beispiele zu sammeln; er ist kein geprüftes Messinstrument.

Kann ADHS autistische Merkmale verdecken?

Ja, das ist beschrieben. Laut WHO können ADHS-Symptome das Bild so prägen, dass manche autistische Merkmale weniger auffallen. Kinder, bei denen zuerst ADHS erkannt wurde, bekamen ihre Autismus-Diagnose in einer niederländischen Studie im Schnitt 1,8 Jahre später – Mädchen 2,6 Jahre, Jungen 1,5 Jahre. Fachleute fragen deshalb nach der Kindheit und sprechen, wenn möglich, mit Menschen, die dich früher kannten.

Welche AuDHS-Symptome zeigen sich bei Erwachsenen?

Bei Erwachsenen sieht man die Merkmale oft weniger von außen. Die Hyperaktivität der ADHS zeigt sich laut deutscher Leitlinie ab dem Jugendalter oft als innere Unruhe. Autistische Merkmale können sich mit der Zeit verändern, und viele Erwachsene haben gelernt, sie zu überspielen. Häufig kommen Erschöpfung, Angst oder Depression dazu – sie gehören eigens abgeklärt und behandelt.

Sind AuDHS-Symptome bei Frauen anders?

Die Merkmale sind dieselben, sie fallen aber oft später auf. Laut WHO werden Männer etwa viermal so oft mit Autismus diagnostiziert; weniger auffällige Formen bei Frauen bleiben womöglich unentdeckt. Mädchen ziehen sich in der mittleren Kindheit eher zurück, Jungen reagieren eher nach außen. In einer kleinen Interviewstudie war die (Peri-)Menopause für mehrere Frauen der Anlass, eine Diagnose zu suchen.

Gibt es bei AuDHS ein doppeltes Masking?

Das ist offen. Erwachsene mit ADHS gaben in einer niederländischen Studie mehr Tarnung an als Vergleichspersonen, aber weniger als autistische Erwachsene – und vorhergesagt wurde die Tarnung von autistischen, nicht von ADHS-Merkmalen. Ein Fachkommentar von 2026 hält das Konzept für ADHS für noch nicht geprüft. Sicher ist: Masking kann viel Kraft kosten.

Ist AuDHD-Burnout eine Diagnose?

Nein. Erforscht ist autistischer Burnout: lange Erschöpfung, meist drei Monate oder länger, Verlust von Fähigkeiten und weniger Toleranz für Reize. Eine Depression kann ähnlich aussehen und gleichzeitig bestehen. Sie gehört deshalb parallel abgeklärt und behandelt. Wenn du an Suizid denkst: TelefonSeelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenfrei, anonym, Tag und Nacht), bei Lebensgefahr 112.

Quellen und Stand

Wir haben jede Zahl auf dieser Seite am 16. Oktober 2026 an der jeweiligen Quelle geprüft. Bei Fachartikeln haben wir die Zusammenfassung gelesen, bei Craddock 2026, Raymaker 2020 und Ward 2026 auch den Volltext.

Regeln, Leitlinien und Gesundheitsinformation

  1. BfArM (2025): ICD-10-GM Version 2026, Block F90–F98 – F90 mit Ausschluss „Tief greifende Entwicklungsstörungen (F84.-)“, Stand 12.09.2025. klassifikationen.bfarm.de
  2. BfArM (2025): ICD-10-GM Version 2026, Block F80–F89 – F84.0 mit Schlaf- und Essstörungen als häufige unspezifische Probleme. klassifikationen.bfarm.de
  3. BfArM: „ICD-11“ – Einführung zur Morbiditätskodierung dauert „noch mehrere Jahre“; bis dahin gilt die ICD-10-GM. bfarm.de
  4. WHO (2024): Clinical descriptions and diagnostic requirements for ICD-11 mental, behavioural and neurodevelopmental disorders (CDDR) – 6A02 Autismus: Reizempfindlichkeit, Beginn, Kompensation, Geschlechtsunterschiede, Abgrenzung zu ADHS; 6A05 ADHS: Gefühlsregulation. iris.who.int
  5. DGKJP, DGPPN, DGSPJ (2017/2018): S3-Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, AWMF 028-045, Langfassung (Gültigkeit abgelaufen). Gelesen: Kap. 2.4 (innere Unruhe, 50–80 %), 2.14 (DSM-5), Differenzialdiagnosen, Empfehlung 1.1.10, S. 91 (Gefühlsregulation). Gelesen als Archivkopie vom 11.10.2026, weil der AWMF-Server eine Bot-Prüfung zeigte. register.awmf.org
  6. IQWiG (2024): „Was ist Autismus (eine Autismus-Spektrum-Störung)?“, erstellt 19.06.2024 – Merkmale können sich verändern; Masking. gesundheitsinformation.de
  7. Küpper C, Bartels H, Dziobek I (2025): Autismus-Diagnostik bei Erwachsenen. Herausforderungen und Empfehlungen. Psychotherapeutenjournal 4/2025 – Tabelle 2, Doppeldiagnose, Camouflaging, Anfragen und Bestätigungsrate. doi:10.61062/ptj202504.002
  8. TelefonSeelsorge Deutschland – 0800 111 0 111, 0800 111 0 222, kostenfrei, Tag und Nacht. telefonseelsorge.de

Studien

  1. Lai MC, Kassee C, Besney R u. a. (2019): Prevalence of co-occurring mental health diagnoses in the autism population: a systematic review and meta-analysis. Lancet Psychiatry 6:819–829 – ADHS 28 %, Angst 20 %, Schlaf-Wach 13 %, Depression 11 %. doi:10.1016/S2215-0366(19)30289-5
  2. Rong Y, Yang CJ, Jin Y, Wang Y (2021): Prevalence of attention-deficit/hyperactivity disorder in individuals with autism spectrum disorder: A meta-analysis. Res Autism Spectr Disord 83:101759 – 38,5 % aktuell, 40,2 % Lebenszeit. doi:10.1016/j.rasd.2021.101759
  3. Craddock E (2026): Navigating residual diagnostic categories: The lived experiences of women diagnosed with autism and ADHD in adulthood. Health (London) 30:235–257. doi:10.1177/13634593251336163
  4. Craddock E (2024): „Being a Woman Is 100% Significant to My Experiences of ADHD and Autism“. Qualitative Health Research 34:1442–1455. doi:10.1177/10497323241253412
  5. Ward T, Popazov S, Adams J u. a. (2026): Understanding phenomenological experiences of autistic inertia using online community discourse. Communications Psychology 4:18. doi:10.1038/s44271-025-00386-4
  6. Buckle KL, Leadbitter K, Poliakoff E, Gowen E (2021): „No Way Out Except From External Intervention“: First-Hand Accounts of Autistic Inertia. Frontiers in Psychology 12:631596. doi:10.3389/fpsyg.2021.631596
  7. Groen Y, Priegnitz U, Fuermaier ABM u. a. (2020): Testing the relation between ADHD and hyperfocus experiences. Research in Developmental Disabilities 107:103789. doi:10.1016/j.ridd.2020.103789
  8. Murray D, Lesser M, Lawson W (2005): Attention, monotropism and the diagnostic criteria for autism. Autism 9:139–156. doi:10.1177/1362361305051398
  9. Kamp-Becker I, Schu U, Stroth S (2023): Pathological Demand Avoidance – aktueller Forschungsstand und kritische Diskussion. Z Kinder Jugendpsychiatr Psychother 51:321–332. doi:10.1024/1422-4917/a000927
  10. Ceruti C, Mingozzi A, Scionti N, Marzocchi GM (2024): Comparing Executive Functions in Children and Adolescents with Autism and ADHD – A Systematic Review and Meta-Analysis. Children 11:473. doi:10.3390/children11040473
  11. Metcalfe KB, McFeaters CD, Voyer D (2024): Time-Perception Deficits in ADHD: A Systematic Review and Meta-Analysis. Developmental Neuropsychology 49:1–24. doi:10.1080/87565641.2023.2293712
  12. Coogan AN, McGowan NM (2017): A systematic review of circadian function, chronotype and chronotherapy in ADHD. ADHD Atten Def Hyp Disord 9:129–147. doi:10.1007/s12402-016-0214-5
  13. Bijlenga D, Tjon-Ka-Jie JYM, Schuijers F, Kooij JJS (2017): Atypical sensory profiles as core features of adult ADHD, irrespective of autistic symptoms. European Psychiatry 43:51–57. doi:10.1016/j.eurpsy.2017.02.481
  14. Scheerer NE, Pourtousi A, Yang C u. a. (2024): Transdiagnostic Patterns of Sensory Processing in Autism and ADHD. J Autism Dev Disord 54:280–292. doi:10.1007/s10803-022-05798-3
  15. Pehlivanidis A, Kouklari EC, Kalantzi E u. a. (2025): Self-reported symptoms of ADHD, ASD, and affective lability in discriminating adult ADHD, ASD and their co-occurrence. BMC Psychiatry 25:391. doi:10.1186/s12888-025-06841-0
  16. Kinnaird E, Stewart C, Tchanturia K (2019): Investigating alexithymia in autism: A systematic review and meta-analysis. European Psychiatry 55:80–89. doi:10.1016/j.eurpsy.2018.09.004
  17. Edel MA, Rudel A, Hubert C u. a. (2010): Alexithymia, emotion processing and social anxiety in adults with ADHD. Eur J Med Res 15:403–409. doi:10.1186/2047-783x-15-9-403
  18. Williams ZJ, Suzman E, Bordman SL u. a. (2023): Characterizing Interoceptive Differences in Autism: A Systematic Review and Meta-analysis of Case-control Studies. J Autism Dev Disord 53:947–962. doi:10.1007/s10803-022-05656-2
  19. Shah P, Hall R, Catmur C, Bird G (2016): Alexithymia, not autism, is associated with impaired interoception. Cortex 81:215–220. doi:10.1016/j.cortex.2016.03.021
  20. Rowney-Smith A, Sutton B, Quadt L, Eccles JA (2026): The lived experience of rejection sensitivity in ADHD – A qualitative exploration. PLoS One 21:e0314669. doi:10.1371/journal.pone.0314669
  21. van Asselt A, Roke Y, Begeer SM, Scheeren AM (2025): „Feeling constantly kicked down“: rejection sensitivity in autistic adults. Autism 29:2703–2714. doi:10.1177/13623613251376893
  22. Lewis LF, Stevens K (2023): The lived experience of meltdowns for autistic adults. Autism 27:1817–1825. doi:10.1177/13623613221145783
  23. van der Putten WJ, Mol AJJ, Groenman AP u. a. (2024): Is camouflaging unique for autism? A comparison of camouflaging between adults with autism and ADHD. Autism Research 17:812–823. doi:10.1002/aur.3099
  24. Adamou M (2026): Camouflaging in ADHD: the need for construct validation before clinical adoption. British Journal of Psychiatry. doi:10.1192/bjp.2026.10577
  25. Kentrou V, de Veld DM, Mataw KJ, Begeer S (2019): Delayed autism spectrum disorder recognition in children and adolescents previously diagnosed with ADHD. Autism 23:1065–1072. doi:10.1177/1362361318785171
  26. Yerys BE, McQuaid GA, Lee NR, Wallace GL (2022): Co-occurring ADHD symptoms in autistic adults are associated with less independence in daily living activities and lower subjective quality of life. Autism 26:2188–2195. doi:10.1177/13623613221112198
  27. Pehlivanidis A, Papanikolaou K, Mantas V u. a. (2020): Lifetime co-occurring psychiatric disorders in newly diagnosed adults with ADHD or/and ASD. BMC Psychiatry 20:423. doi:10.1186/s12888-020-02828-1
  28. Raymaker DM, Teo AR, Steckler NA u. a. (2020): Defining Autistic Burnout. Autism in Adulthood 2:132–143. doi:10.1089/aut.2019.0079
  29. Nickel K, Maier S, Endres D u. a. (2019): Systematic Review: Overlap Between Eating, Autism Spectrum, and Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder. Frontiers in Psychiatry 10:708. doi:10.3389/fpsyt.2019.00708

Stand: 17. Oktober 2026

Geschrieben von neurodivergenten Erwachsenen. Wir sind ein kleines unabhängiges Team, keine medizinische Einrichtung, und diese Seite wurde nicht fachärztlich geprüft. Sobald neue Leitlinien erscheinen, passen wir die Seite an.