1. Was ist PMDS? Symptome und Code
PMDS ist die Abkürzung für prämenstruelle dysphorische Störung. Im Englischen heißt sie PMDD. „Prämenstruell“ bedeutet: vor der Menstruation. „Dysphorisch“ beschreibt eine gereizte, gedrückte Stimmung. Die Beschwerden kommen in der Zeit vor der Periode und gehen danach wieder. Das wiederholt sich Monat für Monat. Die Grundlagen ohne ADHS-Bezug, mit Tagebuch-Vorlage zum Ausdrucken, findest du im Ratgeber PMDS: Symptome, Diagnose und was hilft.
Die genauesten Kriterien stehen im US-Handbuch DSM-5. Danach beginnen die Beschwerden in der letzten Woche vor der Periode. Wenige Tage nach Beginn der Blutung bessern sie sich. In der Woche danach sind sie kaum noch oder gar nicht da. Dieses Muster muss in den meisten Zyklen auftreten.
PMDS-Symptome nach DSM-5
Für die Diagnose braucht es mindestens fünf Symptome. Mindestens eines davon muss aus dieser ersten Gruppe kommen:
- starke Stimmungsschwankungen: plötzlich traurig oder den Tränen nahe, oder deutlich empfindlicher bei Zurückweisung
- starke Reizbarkeit oder Wut, mehr Streit mit anderen Menschen
- gedrückte Stimmung, Hoffnungslosigkeit oder Gedanken, nichts wert zu sein
- starke Angst oder Anspannung, das Gefühl, unter Strom zu stehen
Dazu kommen Beschwerden aus dieser zweiten Gruppe:
- weniger Interesse an Arbeit, Freundschaften oder Hobbys
- Konzentrationsprobleme
- Müdigkeit, schnelle Erschöpfung, kaum Energie
- mehr Hunger oder Heißhunger auf bestimmte Dinge
- viel mehr oder viel weniger Schlaf
- das Gefühl, überfordert zu sein oder die Kontrolle zu verlieren
- körperliche Beschwerden: Brustspannen, Gelenk- oder Muskelschmerzen, Blähgefühl, Gewichtszunahme
Die Beschwerden müssen deutlich belasten oder den Alltag stören. Sie dürfen außerdem nicht nur das zyklische Aufflammen einer anderen Erkrankung sein, etwa einer Depression.
Zwei Punkte der Liste kennen viele Menschen mit ADHS auch sonst: Konzentrationsprobleme und die Kränkbarkeit bei Zurückweisung. Der Unterschied liegt im Zeitmuster. Mehr dazu in Abschnitt 5. Was zur Empfindlichkeit bei Zurückweisung bekannt ist, liest du in unserem Ratgeber zu Rejection Sensitive Dysphoria (RSD).
Ein Code für zwei Diagnosen: N94.3
In deutschen Praxen wird mit der ICD-10-GM kodiert. In der aktuellen Version 2026 gibt es für Beschwerden vor der Periode nur einen Code: N94.3 „Prämenstruelle Beschwerden“. Er steht im Kapitel für die weiblichen Geschlechtsorgane. Einen eigenen Code für die PMDS gibt es dort nicht. Auf deinem Befund kann also N94.3 stehen, egal ob die Praxis PMS oder PMDS meint.
Die neuere ICD-11 der WHO trennt beides: GA34.40 für das prämenstruelle Spannungssyndrom und GA34.41 für die PMDS. Laut BfArM bleibt in Deutschland aber die ICD-10-GM gültig, bis die ICD-11 eingeführt ist. Das wird noch mehrere Jahre dauern.
2. PMS oder PMDS? Der Unterschied
Die meisten Mädchen und Frauen spüren ab und zu leichte Beschwerden vor der Periode. Das IQWiG, das Patienteninformationen für Deutschland erstellt, nennt grobe Größenordnungen: Etwa 20 bis 40 von 100 Mädchen und Frauen haben mehrere stärkere PMS-Beschwerden, die sie im Alltag belasten. Bei etwa 3 bis 8 von 100 sind vor allem die psychischen Beschwerden so stark, dass sie das Leben deutlich stören. Dann sprechen Fachleute von PMDS.
Der Unterschied ist also vor allem die Stärke und der Schwerpunkt. Bei PMS stehen oft körperliche Beschwerden im Vordergrund. Bei PMDS ist es die Stimmung, und sie trifft Arbeit, Familie oder Beziehungen.
| PMS | PMDS | ADHS | |
|---|---|---|---|
| Wann? | vor der Periode, danach weg | letzte Woche vor der Periode, in der Woche danach kaum noch da | den ganzen Monat, seit der Kindheit |
| Schwerpunkt | oft körperlich, auch Stimmung | Stimmung: Reizbarkeit, Traurigkeit, Angst, Schwankungen | Aufmerksamkeit, Unruhe, Impulsivität |
| Alltag | belastend, meist zu bewältigen | deutlich gestört | je nach Person und Umfeld |
| Code in Deutschland | N94.3 | N94.3 | F90.– oder F98.80 |
Wie häufig ist PMDS wirklich?
Das hängt stark davon ab, wie man misst. Eine Übersichtsarbeit von 2024 hat 44 Studien mit über 50.000 Teilnehmerinnen ausgewertet. Mit bestätigter Diagnose, also nach zwei Zyklen Tagebuch, lag die Häufigkeit bei 3,2 %. Nur mit Fragebogen waren es 7,7 %. In Bevölkerungsstichproben mit bestätigter Diagnose waren es 1,6 %. Die Autor:innen schreiben, dass reine Fragebogen-Studien die Häufigkeit vermutlich zu hoch einschätzen.
Eine der wenigen deutschen Datenquellen ist eine Münchner Langzeitstudie mit knapp 1.500 jungen Frauen zwischen 14 und 24 Jahren. Dort erfüllten 5,8 % innerhalb eines Jahres die PMDS-Kriterien. Ein Tagebuch gab es in dieser Studie nicht. Die PMDS blieb bei den meisten über die vier Jahre bestehen und ging oft mit Angst- und Stimmungsstörungen einher.
3. Haben Frauen mit ADHS häufiger PMDS?
Ja, darauf deuten Studien aus mehreren Ländern hin. Sie messen unterschiedlich und haben jeweils eigene Schwächen. Zusammen ergeben sie aber ein recht klares Bild.
- Großbritannien (2025): 715 Frauen zwischen 18 und 34 Jahren füllten online Fragebögen aus. Von denen mit einer ADHS-Diagnose hatten 31,4 % Hinweise auf eine PMDS. Ohne ADHS waren es 9,8 %. Bei Frauen mit hohen Werten im ADHS-Fragebogen waren es 41,1 %. Am höchsten lag das Risiko, wenn zusätzlich eine Depression oder Angststörung diagnostiziert war.
- Schweden (2026): Registerdaten von 3,6 Millionen Frauen aus den Jahren 2001 bis 2022. Knapp 105.000 hatten eine ärztliche Diagnose einer prämenstruellen Störung (PMS oder PMDS). Sie hatten vorher etwa doppelt so oft eine ADHS-Diagnose wie Vergleichsfrauen. Nach der Diagnose war das Risiko, erstmals eine ADHS-Diagnose zu bekommen, rund 3,5-mal so hoch. Im Vergleich mit den eigenen Schwestern wurden die Zusammenhänge insgesamt kleiner, blieben aber bestehen.
- Taiwan (2024): 58 Frauen mit PMDS und 50 ohne. ADHS kam in der PMDS-Gruppe häufiger vor. Frauen mit PMDS hatten über den ganzen Zyklus mehr Aufmerksamkeitsprobleme und vor der Periode mehr Impulsivität.
- Japan (2026): 2.000 berufstätige Frauen ohne hormonelle Verhütung. Wer deutliche ADHS-Merkmale hatte, hatte ein deutlich höheres Risiko für PMDS. Für autistische Merkmale fand die Studie keinen solchen Zusammenhang.
- Niederländische ADHS-Ambulanz (2021): Bei 209 Frauen mit ADHS waren PMDS-Beschwerden häufiger als in der Allgemeinbevölkerung.
Eine weitere Studie mit 199 Frauen fand erhöhte PMDS-Raten sowohl bei Frauen mit ADHS als auch bei autistischen Frauen, ohne Unterschied zwischen beiden Gruppen. Mehr zu Autismus und Zyklus findest du im Ratgeber PMDS und Autismus.
Was die Zahlen nicht sagen
Die meisten dieser Studien erfassen PMDS nur per Fragebogen. Das ergibt eine „vorläufige“ Diagnose, und solche Zahlen fallen meist höher aus als bestätigte. Die britische Befragung beruht außerdem auf selbst berichteten Diagnosen. Die schwedischen Daten fassen PMS und PMDS zusammen. Und: Ein gemeinsames Auftreten heißt nicht, dass das eine das andere verursacht. Es kann auch sein, dass Menschen mit einer Diagnose eher noch eine zweite bekommen, weil sie ohnehin in Behandlung sind.
Für dich heißt das: Wenn du ADHS hast und die Woche vor der Periode regelmäßig sehr schwer ist, bist du damit nicht allein. Es lohnt sich, das genauer anzuschauen. Wie, steht in Abschnitt 6.
4. Warum wird ADHS vor der Periode schlimmer?
Viele Frauen mit ADHS erleben, dass Konzentration, Planung und Gefühle zu bestimmten Zeiten im Zyklus schwerer fallen. Die Forschung dazu ist aber dünn. Die wenigen Studien sind klein und kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. In einer Studie mit 32 jungen Frauen stiegen ADHS-Merkmale am Anfang des Zyklus und kurz nach dem Eisprung. In einer anderen mit 30 Frauen, die Stimulanzien nahmen, waren sie während der Periode am stärksten. Eine Übersichtsarbeit fand Einbußen bei Aufmerksamkeit und Impulskontrolle vor allem in der zweiten Zyklushälfte und vor der Periode. Eine feste „schlechteste Woche“, die für alle gilt, gibt es also nicht. Die Studien im Detail stellen wir im Ratgeber ADHS bei Frauen vor.
Was über die Ursachen bekannt ist
Laut IQWiG sind die Ursachen von PMS und PMDS nicht abschließend geklärt. Frauen mit PMS haben nicht unbedingt andere Hormonwerte als andere Frauen. Sie reagieren aber vermutlich empfindlicher auf Abbauprodukte des Hormons Progesteron, das in der zweiten Zyklushälfte gebildet wird. Auch der Botenstoff Serotonin spielt wohl eine Rolle. Forschende einer großen nordischen Genstudie sprechen ebenfalls von einer ungewöhnlichen Empfindlichkeit für ganz normale Hormonschwankungen.
Für ADHS werden ähnliche Ideen diskutiert: eine Empfindlichkeit für Allopregnanolon, ein Abbauprodukt von Progesteron, und der Abfall von Östrogen vor der Periode. Das sind Hypothesen. Oft hört man auch, ADHS bedeute „zu wenig Dopamin“ und der Östrogenabfall verschärfe das. So einfach ist es nicht: Bildgebungsstudien fanden bei ADHS im Mittel sogar mehr Dopamin-Transporter im Gehirn, vor allem bei Menschen, die schon Medikamente genommen hatten. Mehr dazu im Ratgeber ADHS und Dopamin.
Spielen die Gene eine Rolle?
Wahrscheinlich teilweise. In einer Genstudie mit über 17.000 Frauen mit PMS-Beschwerden war ein kleiner Teil der Veranlagung durch gemessene Genvarianten erklärbar. Am stärksten hing diese Veranlagung genetisch mit Depression zusammen. Bei Frauen mit bipolarer Störung hing das genetische ADHS-Risiko mit der Schwere der PMDS-Beschwerden zusammen. Das sind erste Hinweise. Eine Familienstudie, die ADHS und PMDS gemeinsam untersucht, haben wir nicht gefunden.
5. PMDS, ADHS oder beides? So grenzt du ab
Die wichtigste Frage ist das Zeitmuster. Gibt es nach der Periode eine Woche, in der es dir deutlich besser geht? Und kommen die Beschwerden danach immer wieder vor der nächsten Periode zurück?
- Eher PMDS: Die Beschwerden kommen in der Woche vor der Periode und sind in der Woche danach fast weg. Dazwischen geht es dir ganz anders.
- Eher ADHS: Konzentration, Unruhe oder Chaos im Alltag sind den ganzen Monat da, oft schon seit der Kindheit. Der Zyklus ändert daran wenig.
- Beides: Die ADHS-Merkmale sind immer da, aber vor der Periode kommen starke Stimmungsbeschwerden dazu, die danach wieder gehen.
- Etwas anderes, das vor der Periode stärker wird: Eine Depression, eine bipolare Störung oder eine Borderline-Persönlichkeitsstörung kann vor der Periode aufflammen. Das ist keine PMDS. Die DSM-5-Kriterien nennen diese Erkrankungen ausdrücklich als wichtige Unterscheidung.
Das IQWiG nennt außerdem Schilddrüsenerkrankungen und das Reizdarmsyndrom als Ursachen, die eine Praxis ausschließen sollte. Mehr zu den Überschneidungen findest du in den Ratgebern zu ADHS und Depression, ADHS und bipolare Störung und ADHS und Borderline. Wie sich ADHS bei Frauen von Angst, Depression oder Burnout unterscheidet, zeigt der Ratgeber ADHS-Symptome bei Frauen.
6. PMDS-Diagnose: Tagebuch, Test und Praxis
Das Zyklustagebuch ist der wichtigste Schritt
Laut DSM-5 sollte die Diagnose durch tägliche Aufzeichnungen über mindestens zwei Zyklen mit Beschwerden bestätigt werden. Das IQWiG rät, die Beschwerden über mindestens zwei bis drei Monate zu notieren. Der Grund: Die Erinnerung täuscht. In einer Studie sagte der Rückblick von Frauen auf ihre Beschwerden schlecht voraus, ob die täglichen Aufzeichnungen später eine PMDS bestätigten.
Was du jeden Abend kurz notieren kannst:
- Zyklustag (Tag 1 ist der erste Tag der Periode)
- Stimmung, Reizbarkeit, Angst, Traurigkeit, je auf einer Skala von 1 bis 6
- Kränkbarkeit und Streit mit anderen
- Konzentration, Planen, Vergessen
- Schlaf, Energie, Hunger
- körperliche Beschwerden
- Medikamente, die du genommen hast
- Wie sehr dich das heute im Alltag gestört hat
Rechne die Tage nicht starr nach einem 28-Tage-Zyklus. In einer Auswertung von über 600.000 Zyklen aus einer Zyklus-App dauerte ein Zyklus im Mittel 29,3 Tage. Die Zeit zwischen Eisprung und Periode lag im Mittel bei 12,4 Tagen, meist aber irgendwo zwischen 7 und 17 Tagen. Zähle deshalb lieber von der nächsten Periode rückwärts.
Unser Tracker erfasst jeden Tag Energie, Stimmung, Schlaf und Fokus und hat ein Notizfeld. Ein eigenes Feld für den Zyklus hat er noch nicht. Schreib den Zyklustag in die Notiz oder nutze eine Zyklus-App daneben.
Gibt es einen PMDS-Test?
Es gibt Fragebögen, die in Studien als Suchtest dienen, zum Beispiel den PSST. Sie geben einen Hinweis, ob eine PMDS infrage kommt. Das Ergebnis heißt dann „vorläufige PMDS“. Für eine Diagnose reicht das nicht. Ein Online-Test kann dir aber helfen zu entscheiden, ob du mit dem Tagebuch anfängst. Wenn du dich fragst, ob hinter deinen Beschwerden auch ADHS stecken könnte, ist unser kostenloser ADHS-Selbsttest ein erster Schritt. Er ist nicht wissenschaftlich geprüft und ersetzt keine Diagnose.
Wer hilft in Deutschland?
- Frauenarztpraxis: meist die erste Anlaufstelle. Termine in der Gynäkologie kannst du über die 116117 buchen, ohne Überweisung mit Vermittlungscode. Als gesetzlich Versicherte darfst du die Praxis frei wählen.
- Psychiatrische Praxis: wichtig, wenn Stimmung, Angst oder Suizidgedanken im Vordergrund stehen oder ADHS abgeklärt werden soll. Psychiatrische Praxen müssen offene Sprechstunden ohne vorherige Terminvereinbarung anbieten. Wer einen psychiatrischen Termin über die 116117 buchen will, braucht eine Überweisung mit Vermittlungscode.
- Hausarztpraxis: kann Blutwerte wie die Schilddrüse prüfen und dich weiterleiten.
Die Nationale VersorgungsLeitlinie Depression zählt die PMDS zwar zu ihrem Thema, das Kapitel dazu ist aber noch in Arbeit. Wie eine ADHS-Diagnose bei Erwachsenen abläuft, erklärt der Ratgeber ADHS bei Erwachsenen.
7. Was hilft bei PMDS? Behandlung in Deutschland
Laut IQWiG gibt es zu vielen Behandlungen nur wenige aussagekräftige Studien. Viele Medikamente, die eingesetzt werden, sind nicht für diese Beschwerden zugelassen. Die folgenden Wege sind am besten untersucht. Dosis und Einnahme gehören in die Hand deiner Praxis; deshalb nennen wir hier keine.
SSRI (Antidepressiva)
SSRI sind eine Gruppe von Antidepressiva. Eine Cochrane-Übersicht mit 31 Studien fand, dass sie prämenstruelle Beschwerden besser lindern als ein Scheinmedikament. Nebenwirkungen waren aber häufig, vor allem Übelkeit und Energielosigkeit, und sie nahmen mit der Dosis zu. Die Beipackzettel von Fluoxetin und Sertralin, die wir geprüft haben, nennen die PMDS nicht als Anwendungsgebiet. Eine Verordnung dafür wäre also „off-label“, also außerhalb der Zulassung. Was das für dich bedeutet, auch bei den Kosten, klärst du am besten direkt in der Praxis.
Welche Pille bei PMDS?
Untersucht sind vor allem Pillen mit dem Gestagen Drospirenon. Eine Cochrane-Übersicht mit fünf Studien und 858 Frauen, die meisten mit PMDS, fand eine kleine bis mittlere Besserung. Auch das Scheinmedikament wirkte allerdings deutlich. Nebenwirkungen waren häufiger, und ob die Wirkung über drei Zyklen hinaus anhält, ist unklar. In Deutschland ist zum Beispiel YAZ laut Beipackzettel nur zur Verhütung zugelassen. Derselbe Beipackzettel warnt vor Blutgerinnseln und davor, dass manche Frauen unter hormoneller Verhütung depressiv werden. Bei PMDS ist das ein wichtiger Punkt für das Gespräch mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt.
Verhaltenstherapie
Hier sind sich die Fachleute nicht einig. Die britische Fachgesellschaft für Gynäkologie (RCOG) empfiehlt, eine kognitive Verhaltenstherapie bei schwerem PMS routinemäßig in Betracht zu ziehen. Das IQWiG schreibt dagegen, es sei unklar, ob sie hilft. Für Menschen mit ADHS kann eine Therapie aber ohnehin sinnvoll sein, etwa für Gefühle, Selbstwert oder Planung. Frag nach, ob sich beides verbinden lässt.
Wenn nichts davon hilft
Laut RCOG kommen bei sehr schweren Beschwerden Medikamente infrage, die den Zyklus vorübergehend stilllegen (GnRH-Analoga). Eine Operation, bei der Gebärmutter und Eierstöcke entfernt werden, sieht die Leitlinie nur als letzten Schritt vor, wenn Medikamente nicht geholfen haben. Für die Hormonspirale allein sieht sie keinen Beleg gegen PMS-Beschwerden. Die Leitlinie stammt von 2016 und wird gerade überarbeitet.
Pflanzliche Mittel und Lebensstil
Laut IQWiG probieren manche Frauen Mönchspfeffer, Johanniskraut, Kalzium oder Vitamin B6, dazu Bewegung, Entspannung oder weniger Alkohol und Kaffee. Ob das hilft, ist bei vielen dieser Mittel unklar. Zu Bewegung zählt die RCOG-Leitlinie nur vier kleine Studien mit zusammen 72 Frauen. Sag deiner Praxis trotzdem, was du alles nimmst, auch wenn es pflanzlich ist.
Wenn du neben der PMDS auch eine Depression hast, muss diese eigens behandelt werden, nicht erst „nach“ der PMDS. Mehr dazu im Ratgeber ADHS und Depression.
8. ADHS-Medikamente und der Zyklus
Manche Frauen haben den Eindruck, dass ihr ADHS-Medikament vor der Periode schwächer wirkt. Eine Übersichtsarbeit von 2025 beschreibt solche Berichte. Gut untersucht ist die Frage aber nicht.
Eine niederländische ADHS-Ambulanz hat bei neun Frauen die Stimulanzien-Behandlung in der Zeit vor der Periode angepasst. Alle neun berichteten, dass ADHS-Merkmale und Stimmung sich besserten. Das ist eine sehr kleine Fallserie ohne Vergleichsgruppe. Die Autor:innen fordern selbst mehr Forschung. Ein Standard ist das nicht.
Wenn du so ein Muster bei dir siehst, bring dein Zyklustagebuch in die verschreibende Praxis mit. Ändere die Dosis nicht selbst. Ob eine gute ADHS-Behandlung auch die PMDS lindert, ist nach unserer Recherche nicht untersucht. Welche ADHS-Medikamente es gibt und welche für Erwachsene zugelassen sind, steht im Ratgeber ADHS-Medikamente.
9. Die Woche vor der Periode planen
Die folgenden Punkte sind keine geprüfte Behandlung. Es sind Alltagsideen, die vielen Menschen mit ADHS das Leben mit einem schwierigen Zyklus leichter machen können. Nimm, was zu dir passt.
- Die Tage sichtbar machen. Wenn dein Tagebuch ein Muster zeigt, trag die wahrscheinlichen schweren Tage in deinen Kalender ein. Dann überrascht dich die Woche weniger.
- Große Dinge verschieben, wo es geht. Wichtige Gespräche, Fristen oder Umzüge lieber in die Wochen nach der Periode legen.
- Vorsorgen, solange es leicht geht. Essen vorkochen, Rechnungen erledigen, Termine bestätigen, bevor die schwere Woche beginnt.
- Nicht alles glauben, was du in dieser Woche denkst. Ein Zettel „Es ist die Woche vor der Periode. Entscheide das nächste Woche.“ kann vor schnellen Kündigungen oder Trennungen schützen.
- Menschen einweihen. Wer mit dir lebt oder arbeitet, kann besser reagieren, wenn er weiß, was los ist.
- Schlaf schützen. Tipps, die bei ADHS realistisch sind, findest du im Ratgeber ADHS und Schlaf.
Wenn vor allem Wut und heftige Gefühle schwer sind, helfen dir vielleicht die Ratgeber zu ADHS und Wut und emotionaler Dysregulation bei ADHS.
10. Wenn Suizidgedanken kommen
PMDS kann sehr dunkel werden. In zwei Übersichtsarbeiten hatten Frauen mit PMDS deutlich häufiger Suizidgedanken und Suizidversuche als Frauen ohne. Je nach Arbeit war das Risiko für einen Suizidversuch etwa doppelt bis knapp siebenmal so hoch. Auch in der Münchner Langzeitstudie gab es bei PMDS mehr Suizidversuche. Studien, die gezielt Hilfen gegen Suizidgedanken bei PMDS prüfen, gibt es laut einer Übersicht von 2026 noch nicht.
Manche merken, dass solche Gedanken mit der Periode nachlassen. Darauf verlassen kannst du dich nicht. Auch Gedanken, die kommen und gehen, brauchen jetzt Hilfe.
- Sprich jetzt mit jemandem. Die TelefonSeelsorge ist kostenlos, anonym und Tag und Nacht erreichbar: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Bei akuter Gefahr: 112.
- Mach einen Plan für die schwere Woche, solange es dir gut geht: Wen rufst du an? Was hilft dir, die nächsten Stunden zu überstehen? Welche Dinge gibst du in dieser Zeit lieber jemand anderem zur Aufbewahrung?
- Sag deiner Praxis, dass du Suizidgedanken hast. Das ist ein Grund für eine schnelle, ernsthafte Behandlung, kein Zeichen von Schwäche.
11. Häufige Fragen
Was ist PMDS?
PMDS steht für prämenstruelle dysphorische Störung, englisch PMDD. Gemeint sind starke psychische Beschwerden in der letzten Woche vor der Periode: zum Beispiel Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit, Angst oder schnelle Stimmungswechsel. Sie lassen nach Beginn der Blutung nach und sind in der Woche danach kaum noch da. Laut IQWiG betrifft das etwa 3 bis 8 von 100 Frauen.
Was ist der Unterschied zwischen PMS und PMDS?
Beides folgt dem gleichen Zeitmuster vor der Periode. PMDS ist die schwere Form: Die psychischen Beschwerden stehen im Vordergrund und stören den Alltag deutlich, etwa Arbeit oder Beziehungen. Laut IQWiG haben 20 bis 40 von 100 Frauen stärkere PMS-Beschwerden, aber nur etwa 3 bis 8 von 100 eine PMDS.
Haben Frauen mit ADHS häufiger PMDS?
Mehrere Studien sprechen dafür. In einer britischen Online-Befragung hatten 31,4 % der Frauen mit ADHS-Diagnose Hinweise auf eine PMDS, gegenüber 9,8 % ohne ADHS. In schwedischen Registerdaten hatten Frauen mit einer prämenstruellen Störung vorher etwa doppelt so oft eine ADHS-Diagnose. Die meisten Studien nutzen aber nur Fragebögen. Warum beides zusammen auftritt, ist nicht geklärt.
Warum ist meine ADHS vor der Periode schlimmer?
Viele Frauen mit ADHS berichten das. Die wenigen Studien dazu sind klein und finden die schwierigsten Tage in unterschiedlichen Zyklusphasen. Diskutiert wird, dass manche Menschen empfindlicher auf die normalen Hormonschwankungen reagieren. Bewiesen ist das nicht. Ein Zyklustagebuch zeigt dir, ob es bei dir ein festes Muster gibt.
Wie wird PMDS diagnostiziert? Gibt es einen PMDS-Test?
Für eine sichere Diagnose notierst du deine Beschwerden täglich über mindestens zwei Zyklen. So verlangen es die DSM-5-Kriterien. Online-Fragebögen können nur einen ersten Hinweis geben; Fachleute sprechen dann von einer „vorläufigen“ PMDS. Die Ärztin oder der Arzt schließt außerdem andere Ursachen aus, etwa eine Depression oder eine Schilddrüsenerkrankung.
Welcher ICD-10-Code gilt für PMDS?
In Deutschland wird mit der ICD-10-GM kodiert. Dort gibt es für PMS und PMDS nur einen gemeinsamen Code: N94.3 „Prämenstruelle Beschwerden“. Die neuere ICD-11 trennt beides (GA34.40 und GA34.41), wird in Deutschland aber noch nicht zur Kodierung von Diagnosen genutzt.
Welche Ärztin ist für PMDS zuständig?
Erste Anlaufstelle ist meist die Frauenarztpraxis. Stehen Stimmung, Angst oder Suizidgedanken im Vordergrund, ist auch eine psychiatrische Praxis richtig. Termine in der Gynäkologie kannst du über die 116117 ohne Überweisung buchen. Psychiatrische Praxen bieten offene Sprechstunden ohne Termin an.
Was hilft bei PMDS?
In Studien helfen vor allem SSRI (eine Gruppe von Antidepressiva) und Pillen mit dem Gestagen Drospirenon. Beide haben häufig Nebenwirkungen. Die geprüften deutschen Beipackzettel von Fluoxetin, Sertralin und YAZ nennen die PMDS nicht als Anwendungsgebiet; die Behandlung wäre dann „off-label“. Die britische Fachgesellschaft RCOG empfiehlt auch Verhaltenstherapie, laut IQWiG ist deren Nutzen aber unklar. Was für dich passt, entscheidest du mit deiner Praxis.
Wirken ADHS-Medikamente vor der Periode schlechter?
Manche Frauen berichten das, und eine Übersichtsarbeit beschreibt solche Berichte. Gut untersucht ist es nicht. Eine Klinik hat bei neun Frauen die Stimulanzien-Behandlung vor der Periode angepasst; alle berichteten eine Besserung. Das ist eine sehr kleine Fallserie und kein Standard. Ändere deine Medikation nicht selbst, sondern sprich mit deiner verschreibenden Praxis.
Hört PMDS in den Wechseljahren auf?
Laut IQWiG verschwinden prämenstruelle Beschwerden spätestens mit der letzten Regelblutung. Wie sich ADHS in den Jahren davor, der Perimenopause, verändern kann, erklären wir im Ratgeber zu ADHS und Perimenopause.
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Verwandte Ratgeber
Quellen und Stand
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- Gebrauchsinformationen Fluoxetin HEXAL 20 mg (überarbeitet März 2025), Sertralin HEXAL 50 mg (überarbeitet September 2025) und YAZ 0,02 mg/3 mg (überarbeitet Oktober 2025). Fluoxetin · Sertralin · YAZ
- Royal College of Obstetricians and Gynaecologists (2016/2017). Management of Premenstrual Syndrome. Green-top Guideline No. 48. BJOG, 124, e73–e105; laut RCOG wird die Leitlinie überarbeitet. rcog.org.uk
- de Jong, M., Wynchank, D. S. M. R., van Andel, E., Beekman, A. T. F. & Kooij, J. J. S. (2023). Female-specific pharmacotherapy in ADHD: premenstrual adjustment of psychostimulant dosage. Frontiers in Psychiatry, 14, 1306194. doi.org/10.3389/fpsyt.2023.1306194
- Prasad, D., Wollenhaupt-Aguiar, B., Kidd, K. N., de Azevedo Cardoso, T. & Frey, B. N. (2021). Suicidal Risk in Women with Premenstrual Syndrome and Premenstrual Dysphoric Disorder: A Systematic Review and Meta-Analysis. Journal of Women’s Health, 30(12), 1693–1707. doi.org/10.1089/jwh.2021.0185
- Yan, H., Ding, Y. & Guo, W. (2021). Suicidality in patients with premenstrual dysphoric disorder – A systematic review and meta-analysis. Journal of Affective Disorders, 295, 339–346. doi.org/10.1016/j.jad.2021.08.082
- Zhitnik, E., Britt, T., Bertone-Johnson, E., Mackie, T. I. & Hartmann-Boyce, J. (2026). Prevalence, Risk Factors, and Treatments for Suicidality in People Living with Premenstrual Dysphoric Disorder (PMDD): A Systematic Review. Administration and Policy in Mental Health. doi.org/10.1007/s10488-026-01504-y
- Krisendienste: TelefonSeelsorge Deutschland (telefonseelsorge.de), Telefonseelsorge Österreich (telefonseelsorge.at), Die Dargebotene Hand (143.ch).
Stand: 13. Oktober 2026