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Zyklus und Psyche · 16 Minuten Lesezeit · Aktualisiert 13. Oktober 2026

PMDS: Symptome, Diagnose und was wirklich hilft

PMDS, die prämenstruelle dysphorische Störung, ist die schwere, vor allem psychische Form von PMS. In den Tagen vor der Periode kippt die Stimmung: Reizbarkeit, Wut, Traurigkeit oder Angst werden so stark, dass Arbeit, Familie oder Beziehungen leiden. Kurz nach Beginn der Blutung wird es wieder besser. Genau dieses An-und-aus-Muster ist das wichtigste Merkmal.

Kurz beantwortet

  • Was ist PMDS? Eine an den Zyklus gekoppelte psychische Störung. Laut IQWiG haben sie etwa 3 bis 8 von 100 Frauen.
  • Symptome: vor allem Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit und Angst, dazu zum Beispiel Erschöpfung, Heißhunger, Schlafprobleme oder Brustspannen.
  • Am schlimmsten: meist am Tag vor der Periode oder am ersten Blutungstag. In der Woche nach der Periode ist kaum noch etwas da.
  • Diagnose: zwei Zyklen lang täglich notieren. Ein Online-Test gibt nur einen Hinweis. Eine Tagebuch-Vorlage findest du unten.
  • Was hilft: Am meisten erforscht sind SSRI, daneben Pillen mit Drospirenon, fast immer „off-label“. Bei Suizidgedanken sofort Hilfe holen: TelefonSeelsorge 0800 111 0 111, im Notfall 112.

Geschrieben von neurodivergenten Erwachsenen. Diese Seite stellt keine Diagnose und ersetzt keine Behandlung. Sie soll dir helfen, deine Beschwerden zu verstehen und gut vorbereitet in die Praxis zu gehen.

1. PMDS: Was ist das?

PMDS ist eine psychische Störung, die sich nach dem Zyklus richtet. Der lange Name lautet prämenstruelle dysphorische Störung. In englischen Texten heißt sie PMDD. „Dysphorisch“ meint eine missmutige, gereizte, gedrückte Stimmung. Und „prämenstruell“ sagt, wann sie kommt: in der Zeit vor der Monatsblutung.

Das Gesundheitsinstitut IQWiG beschreibt es so: Fast alle Mädchen und Frauen spüren ab und zu leichte Beschwerden vor der Periode. Wird das sehr stark und trifft vor allem die Psyche, etwa mit Depressivität und Angstgefühlen, sprechen Fachleute von einer PMDS. Sie ist also kein „Etwas-mehr-PMS“, das man mit Willenskraft wegdrückt. Sie ist eine eigene Diagnose. Die WHO führt sie in ihrer aktuellen Klassifikation ICD-11 mit einem eigenen Code.

Viele Frauen mit PMDS kennen ein zweites Problem: Sie werden nicht ernst genommen. Das IQWiG berichtet, dass manche Frauen fürchten, dann als „hormongesteuert“ abgestempelt zu werden, oder dass echte Konflikte nur noch auf den Zyklus geschoben werden. Beides ist ein guter Grund, die eigenen Beschwerden sauber aufzuschreiben. Mit Daten in der Hand lässt sich leichter über das Thema reden.

Wir schreiben auf dieser Seite meist „Frauen“, weil die Studien so formuliert sind. Gemeint sind alle Menschen, die einen Menstruationszyklus haben.

2. PMDS-Symptome: woran du sie erkennst

PMDS zeigt sich vor allem an Gefühlen, die in wenigen Tagen völlig anders sind als sonst. Die genauesten Kriterien stehen im US-Diagnosehandbuch DSM-5. Sie teilen die Symptome in zwei Gruppen.

Gruppe 1: Gefühle (mindestens eines muss dabei sein)

Gruppe 2: Denken, Energie und Körper

Wann daraus eine Diagnose wird

Für eine PMDS nach DSM-5 müssen mindestens fünf dieser Symptome zusammenkommen, mindestens eines aus Gruppe 1. Das Muster muss in den meisten Zyklen auftreten. Es muss dich deutlich belasten oder im Alltag einschränken, zum Beispiel bei der Arbeit oder in Beziehungen. Und es darf nicht einfach eine andere Erkrankung sein, die vor der Periode stärker wird, etwa eine Depression.

Spannend ist, welche Symptome am häufigsten sind. Laut einer Fachübersicht zu den DSM-5-Kriterien berichten Frauen mit starken prämenstruellen Beschwerden vor allem von Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit, weniger von Traurigkeit oder Interessenverlust. Das unterscheidet die PMDS von einer typischen Depression.

3. Wann ist PMDS am schlimmsten?

Meist ganz kurz vor der Periode und am ersten Blutungstag. Das zeigen Daten, in denen Frauen ihre Beschwerden jeden Tag notiert haben. Eine Fachübersicht von 2012 hat sie zusammengestellt. In einer klinischen Stichprobe mit 193 Frauen waren fast alle Symptome am Tag vor der Blutung am stärksten. In einer Stichprobe aus der Bevölkerung mit 846 Frauen lag der Höhepunkt am ersten Tag der Blutung. In der klinischen Gruppe war der Abstand zum Rest des Zyklus im Fenster von vier Tagen vor bis zwei Tage nach Beginn der Blutung am größten.

So sieht der typische Ablauf nach DSM-5 aus:

Das IQWiG beschreibt das Zeitfenster für PMS etwas breiter: Die Beschwerden kommen in der zweiten Zyklushälfte nach dem Eisprung, manchmal schon bis zu zwei Wochen vor der Periode. Spätestens mit dem Ende der Blutung sind sie weg. Wichtig ist auch: Nicht jeder Zyklus ist gleich. Manche Frauen haben in einigen Zyklen Beschwerden und in anderen nicht, und die Stärke kann sich über die Jahre ändern.

Weil Zyklen nicht immer gleich lang sind, hilft starres Rechnen ab dem Kalender wenig. Zähle lieber von der nächsten Periode rückwärts. Dein Tagebuch zeigt dir nach zwei, drei Monaten, wo deine schweren Tage liegen.

4. PMS und PMDS: der Unterschied

Der Unterschied liegt in der Stärke und im Schwerpunkt. PMS kann körperlich und psychisch sein und ist meist zu bewältigen. Bei der PMDS stehen die psychischen Beschwerden im Vordergrund, und sie stören das Leben deutlich. Nach den Zahlen des IQWiG spürt fast jede Frau ab und zu leichte PMS-Symptome. Etwa 20 bis 40 von 100 haben mehrere stärkere Beschwerden. Eine PMDS haben ungefähr 3 bis 8 von 100.

PMSPMDS
Wie viele?stärkere Beschwerden bei 20 bis 40 von 100etwa 3 bis 8 von 100
Was steht vorne?körperliche und/oder psychische BeschwerdenGefühle: Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Angst, Niedergeschlagenheit
Folgenlästig bis belastendArbeit, Familie, Freundschaften leiden deutlich
Tagebuch?hilfreich, laut IQWiG über 2 bis 3 Monatenötig: mindestens zwei Zyklen, mindestens fünf Symptome (DSM-5)
Abrechnung in Deutschlandbeide unter N94.3 „Prämenstruelle Beschwerden“ (ICD-10-GM)

Drei Fragen, die dir die Richtung zeigen

  1. Sind es vor allem Gefühle? Wenn Wut, Verzweiflung oder Angst das Problem sind und nicht Bauchweh oder Brustspannen, spricht das eher für PMDS.
  2. Was macht es mit deinem Leben? Sagst du Termine ab, gibt es jeden Monat Streit, fehlst du bei der Arbeit? Dann ist es mehr als lästig.
  3. Gibt es gute Wochen? Bei PMDS geht es dir nach der Periode deutlich besser. Fehlen diese guten Wochen, steckt vielleicht etwas anderes dahinter, das vor der Periode nur stärker wird, zum Beispiel eine Depression.

5. Ursachen: was man über PMDS weiß

Die genaue Ursache kennt niemand. So steht es auch beim IQWiG. Klar ist nur, dass die Hormonschwankungen im Zyklus eine Rolle spielen. Überraschend für viele: Frauen mit PMS haben nicht unbedingt andere Hormonwerte als andere Frauen. Sie reagieren aber vermutlich besonders empfindlich auf Abbauprodukte des Hormons Progesteron. Der Körper bildet es vor allem in der zweiten Zyklushälfte. Vermutet wird außerdem ein Zusammenspiel mit Botenstoffen im Gehirn, besonders mit Serotonin.

Das hat eine praktische Folge. Die alte Idee, PMS komme von „zu wenig Progesteron“, gilt laut IQWiG als überholt. In Studien ging es Frauen mit Progesteron-Tabletten nicht besser als mit einem Scheinmedikament. Und: Ein auffälliger Hormonwert ist nicht der Maßstab für die Diagnose. Entscheidend ist das Muster deiner Beschwerden über mehrere Zyklen.

Auch die Familie spielt wohl mit. Zwillingsstudien schätzen, dass prämenstruelle Beschwerden zu einem großen Teil erblich sind. Die Schätzungen reichen von 30 bis 80 Prozent, beruhen aber auf Rückblicken statt auf Tagebüchern. Laut IQWiG wirken dazu Umweltfaktoren mit. Schuld bist also nicht du, und mit „sich zusammenreißen“ hat das nichts zu tun.

6. PMDS-Diagnose: wer, wie, welcher Test

Eine PMDS stellen Ärztinnen und Ärzte fest, zum Beispiel in der Frauenarztpraxis oder in der Psychiatrie. Sie fragen nach deinen Beschwerden und vor allem danach, wann sie auftreten. Ein Tagebuch ist dabei das wichtigste Hilfsmittel. Das IQWiG empfiehlt, es mindestens zwei bis drei Monate zu führen. Nach DSM-5 soll die Diagnose durch tägliche Notizen über mindestens zwei Zyklen mit Beschwerden bestätigt werden.

Wohin in Deutschland?

Was ausgeschlossen werden sollte

Laut IQWiG geht es auch darum, Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen: Depressionen, Schilddrüsenerkrankungen und das Reizdarmsyndrom. Das DSM-5 nennt außerdem bipolare Störung, anhaltende depressive Verstimmung, Borderline-Persönlichkeitsstörung und starke Regelschmerzen als wichtige Unterscheidungen. Eine solche Erkrankung kann vor der Periode schlimmer werden, ohne dass es eine PMDS ist. Beides gleichzeitig ist aber auch möglich.

Gibt es einen PMDS-Test?

Ja, aber nur als Suchtest. Ein bekannter Fragebogen heißt PSST. Er wurde 2003 in einer Hausarzt-Einrichtung mit 519 Frauen erprobt. Die Autor:innen beschreiben ihn als schnellen Einstieg für die weitere Abklärung. Mit einem Fragebogen allein spricht man von einer „vorläufigen“ PMDS.

Wie viel das ausmacht, zeigt eine große Übersicht von 2024 über 44 Studien: Mit Fragebogen hatten im Schnitt 7,7 % eine PMDS, mit bestätigter Diagnose 3,2 %. Die Autor:innen warnen, dass reine Fragebogen-Studien die Zahl künstlich nach oben treiben. Für dich heißt das: Ein auffälliges Testergebnis ist ein guter Grund für ein Tagebuch, aber noch keine Diagnose.

Für das Tagebuch gibt es ein erprobtes Forschungsformular, die DRSP („Daily Record of Severity of Problems“). Sie fragt täglich 21 Punkte ab, die zu den Kriterien passen. Die Vorlage im nächsten Abschnitt ist einfacher und für den Alltag gedacht.

7. PMDS-Tagebuch: Vorlage zum Ausdrucken

Ein Zyklustagebuch ist der wichtigste Schritt zur Diagnose. Im Rückblick verschwimmen Wochen leicht. Tägliche Notizen zeigen dagegen, ob deine Beschwerden wirklich an den Zyklus gebunden sind. Die Vorlage unten kannst du über die Druckfunktion deines Browsers ausdrucken oder in ein Heft abschreiben. Sie hat keine Auswertung und gibt kein Ergebnis aus. Sie ist dein Material für das Gespräch in der Praxis.

So füllst du sie aus

PMDS-Tagebuch (eine Zeile pro Tag, 0 = gar nicht · 1 = leicht · 2 = deutlich · 3 = stark)
DatumZyklustagBlutung (ja/nein)Stimmung schwanktReizbar, wütendTraurig, hoffnungslosAngst, AnspannungLustlos, zieht mich zurückKonzentrationErschöpftSchlafAppetit, HeißhungerKörper (Brust, Schmerz, Blähbauch)Alltag beeinträchtigtNotiz
               
               
               
               
               
               
               
               
               
               

Für zwei Zyklen brauchst du ungefähr 60 Zeilen, also die Tabelle mehrmals. Das IQWiG bietet auf gesundheitsinformation.de zusätzlich eine eigene PMS-Tagebuchvorlage als PDF an. Sie sieht anders aus, erfüllt aber denselben Zweck. Nimm, was dir leichter fällt.

Worauf du beim Lesen achtest

Du musst nichts ausrechnen. Lege die Wochen nebeneinander und schau dir zwei Zeitfenster an. In der Forschung vergleicht man die sieben Tage vor der Periode mit den Tagen 4 bis 10 nach Beginn der Blutung.

Wenn du alle vier Fragen mit Ja beantwortest, nimm das Tagebuch mit in die Praxis. Wenn die Zahlen den ganzen Monat hoch sind, ist das genauso wichtig. Dann sollte geprüft werden, ob etwas anderes dahintersteckt.

Lieber digital? Unser Tracker erfasst jeden Tag Energie, Stimmung, Schlaf und Fokus und hat ein Notizfeld. Ein eigenes Zyklus-Feld gibt es dort noch nicht. Trag den Zyklustag in die Notiz ein oder nutze eine Zyklus-App daneben.

8. Was hilft bei PMDS? Behandlung in Deutschland

Die meisten Studien gibt es zu SSRI, einer Gruppe von Antidepressiva. Daneben sind Pillen mit dem Gestagen Drospirenon untersucht. Für vieles andere gibt es laut IQWiG nur wenige aussagekräftige Studien. Dazu kommt eine deutsche Besonderheit: Fast keines der eingesetzten Medikamente ist zur Behandlung von PMS zugelassen. Man nennt das „Off-Label-Use“. Deine Ärztin oder dein Arzt muss dich dann darüber aufklären. Unter Umständen musst du das Mittel selbst bezahlen. Dosis und Einnahme klärst du in der Praxis; wir nennen hier bewusst keine.

SSRI (Antidepressiva)

SSRI erhöhen die Menge des Botenstoffs Serotonin im Gehirn. Laut IQWiG können sie die psychischen Beschwerden bei starkem PMS oder PMDS lindern und helfen, im Alltag besser zurechtzukommen. Eine Cochrane-Übersicht mit 31 Studien bestätigt: SSRI wirkten besser als ein Scheinmedikament. Nebenwirkungen sind aber häufig, zum Beispiel Übelkeit, Schlafstörungen oder weniger Lust auf Sex. Mit höherer Dosis nehmen sie zu. In den deutschen Beipackzetteln von Fluoxetin und Sertralin, die wir geprüft haben, steht die PMDS nicht als Anwendungsgebiet.

Welche Pille bei PMDS?

Am besten untersucht ist die Kombinationspille mit Drospirenon und wenig Östrogen. Eine Cochrane-Übersicht mit fünf Studien und 858 Frauen, die meisten mit PMDS, fand eine kleine bis mittlere Besserung. Die Studienqualität war aber niedrig. Und: Mehr Frauen brachen die Studie wegen Nebenwirkungen ab. Wo es mit Scheinmedikament 3 von 100 waren, wären es mit der Pille geschätzt 6 bis 16 von 100.

Hormonelle Verhütung erhöht außerdem das Risiko für Blutgerinnsel in den Venen. Laut IQWiG ist es insgesamt niedrig: Je nach Präparat bekommen 5 bis 12 von 10.000 Frauen pro Jahr eine Venenthrombose, ohne Pille etwa 2 von 10.000. Ob auch Spirale, Ring oder Pflaster bei PMS helfen, ist noch nicht ausreichend erforscht. Und die Drospirenon-Pille YAZ ist in Deutschland laut Beipackzettel nur zur Verhütung zugelassen. Wer schwanger werden möchte, für den kommt die Pille ohnehin nicht infrage.

Wenn nichts davon reicht: GnRH-Analoga

Selten werden Medikamente eingesetzt, die die Hormonbildung in den Eierstöcken stark drosseln. Laut IQWiG sind Hitzewallungen und Schlafstörungen häufige Folgen. Auch depressive Verstimmungen können auftreten. Diese Mittel sollten nicht länger als sechs Monate genommen werden. Bei längerer Behandlung bekommen Frauen oft zusätzlich etwas Östrogen. Ob Frauen mit PMS von dieser Behandlung profitieren, ist laut IQWiG nicht ausreichend untersucht. Das ist ein Schritt für die Fachpraxis, nicht für den Anfang.

Mönchspfeffer, Kalzium, Vitamin B6

Mönchspfeffer gibt es in Deutschland als pflanzliches Arzneimittel. Ein Beipackzettel, den wir geprüft haben, nennt als Anwendungsgebiet ausdrücklich „prämenstruelle Beschwerden“. Laut IQWiG gibt es für eine Wirkung gegen PMS-Beschwerden aber nur schwache Hinweise. Der Beipackzettel verbietet die Einnahme in Schwangerschaft und Stillzeit. Er warnt außerdem vor möglichen Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten. Sag deiner Apotheke deshalb, was du sonst nimmst.

Für Kalzium und Vitamin B6 sieht das IQWiG ebenfalls schwache Hinweise. Zu Johanniskraut, Safran und Ginkgo ist noch keine sichere Aussage möglich. Studien zu Magnesium und Nachtkerzenöl widersprechen sich. Für homöopathische Mittel gibt es keinen Nachweis.

Bewegung, Ruhe und Verhaltenstherapie

Eine Auswertung mehrerer Studien deutet laut IQWiG darauf hin, dass regelmäßiger Sport PMS-Symptome lindern kann. Die meisten anderen Ratschläge, etwa Entspannung, weniger Alkohol und Koffein oder salzarmes Essen, sind kaum untersucht. Das heißt nicht, dass sie nicht helfen. Probier aus, was dir guttut, und schreib es in dein Tagebuch. Dann siehst du nach ein paar Zyklen, ob sich etwas ändert.

Ob eine kognitive Verhaltenstherapie die Beschwerden selbst lindert, ist laut IQWiG noch unklar. Sie kann aber ein Ziel haben, das viele brauchen: mit der schweren Woche so umzugehen, dass sie den Alltag möglichst wenig durcheinanderbringt.

Wenn du neben der PMDS eine Depression hast, braucht diese eine eigene Behandlung. Mehr dazu im Ratgeber ADHS und Depression.

9. Wann du sofort Hilfe brauchst

Sofort, wenn Gedanken an den Tod oder an Selbstverletzung auftauchen. PMDS ist kein harmloses Monatsproblem. Eine Übersichtsarbeit von 2021 hat zehn Studien zusammengefasst. Frauen mit PMDS hatten danach ein fast siebenfach höheres Risiko für einen Suizidversuch und fast viermal so oft Suizidgedanken wie Frauen ohne. Die Autor:innen raten Praxen, bei mittleren bis starken Beschwerden regelmäßig nach Suizidgedanken zu fragen.

Solche Gedanken sind auch dann ernst, wenn sie nur vor der Periode kommen. Warte nicht darauf, dass die Blutung einsetzt.

10. PMDS bei neurodivergenten Menschen

Neurodivergente Frauen haben in mehreren Studien häufiger Hinweise auf eine PMDS. In einer britischen Online-Befragung von 715 Frauen zwischen 18 und 34 Jahren traf das auf 31,4 % der Frauen mit ADHS-Diagnose zu. Ohne ADHS waren es 9,8 %. Eine weitere Studie von 2026 mit 199 Frauen ohne hormonelle Verhütung fand erhöhte Werte bei Frauen mit ADHS und bei autistischen Frauen. Einen Unterschied zwischen beiden Gruppen gab es nicht.

Beide Studien nutzen nur den Fragebogen PSST, also vorläufige Diagnosen. Die Autor:innen der Studie von 2026 schreiben selbst, dass solche Zahlen stark davon abhängen, wie Teilnehmerinnen gewonnen werden. Warum ADHS, Autismus und PMDS zusammenhängen könnten, ist offen.

Ein Punkt verdient Aufmerksamkeit: Zu den PMDS-Kriterien gehört eine stärkere Empfindlichkeit für Zurückweisung. Manche Menschen mit ADHS beschreiben so etwas als Rejection Sensitive Dysphoria – auch unabhängig vom Zyklus. Das Tagebuch hilft, beides auseinanderzuhalten.

Je nach Fragestellung geht es hier weiter:

11. Häufige Fragen

Was ist PMDS für eine Krankheit?

PMDS heißt prämenstruelle dysphorische Störung. Es ist eine psychische Störung, die an den Zyklus gekoppelt ist: In den Tagen vor der Periode kippt die Stimmung so stark, dass der Alltag leidet. Kurz nach Beginn der Blutung lässt das nach. Laut IQWiG haben etwa 3 bis 8 von 100 Frauen eine PMDS. Die WHO führt sie in der ICD-11 unter einem eigenen Code (GA34.41).

Was sind PMDS-Symptome?

Im Mittelpunkt stehen Gefühle: starke Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder Wut, Niedergeschlagenheit und Angst. Dazu kommen oft Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Heißhunger, Schlafprobleme, das Gefühl, alles wächst einem über den Kopf, und körperliche Beschwerden wie Brustspannen. Für die Diagnose braucht es mindestens fünf Symptome, mindestens eines davon aus dem Bereich Gefühle.

Wann ist PMDS am schlimmsten?

Meist ganz kurz vor und zu Beginn der Periode. In einer Auswertung täglicher Aufzeichnungen waren die meisten Symptome am Tag vor der Blutung am stärksten, in einer zweiten Stichprobe am ersten Blutungstag. Die Beschwerden beginnen in der Woche vor der Periode und sind in der Woche nach der Periode kaum noch da.

Was ist der Unterschied von PMS und PMDS?

PMS sind Beschwerden vor der Periode, die belasten, aber meist zu bewältigen sind. Bei der PMDS stehen psychische Beschwerden im Vordergrund und sie stören Arbeit, Familie oder Beziehungen deutlich. Laut IQWiG haben 20 bis 40 von 100 Frauen stärkere PMS-Beschwerden, aber nur etwa 3 bis 8 von 100 eine PMDS.

Was hilft wirklich gegen PMDS?

Die meisten Studien gibt es zu SSRI, einer Gruppe von Antidepressiva. Daneben sind Pillen mit dem Gestagen Drospirenon untersucht. Beide können Nebenwirkungen haben, und fast kein Mittel ist in Deutschland für diese Beschwerden zugelassen. Für Mönchspfeffer, Kalzium und Vitamin B6 gibt es laut IQWiG nur schwache Hinweise. Ob Verhaltenstherapie die Beschwerden lindert, ist unklar. Was zu dir passt, klärst du mit deiner Praxis.

Welche Pille hilft bei PMDS?

Untersucht sind vor allem Kombinationspillen mit Drospirenon. Eine Cochrane-Übersicht fand eine kleine bis mittlere Besserung, aber auch mehr Studienabbrüche wegen Nebenwirkungen. Welche anderen hormonellen Verhütungsmittel helfen, ist laut IQWiG noch nicht ausreichend erforscht. In Deutschland ist die geprüfte Drospirenon-Pille YAZ laut Beipackzettel nur zur Verhütung zugelassen.

Wer diagnostiziert PMDS?

Zum Beispiel die Frauenarztpraxis. Stehen Niedergeschlagenheit, Angst oder Suizidgedanken im Vordergrund, ist eine psychiatrische Praxis richtig. Die Hausarztpraxis kann andere Ursachen wie eine Schilddrüsenerkrankung abklären. Für die Diagnose zählt vor allem dein Zyklustagebuch über mindestens zwei Zyklen.

Gibt es einen PMDS-Test?

Es gibt Fragebögen wie den PSST, die einen ersten Hinweis geben. Fachleute sprechen dann von einer vorläufigen PMDS. Studien, die nur Fragebögen nutzen, finden deutlich mehr PMDS als Studien mit Tagebuch. Bestätigt wird die Diagnose erst durch tägliche Notizen über mindestens zwei Zyklen. Eine Vorlage dafür findest du auf dieser Seite.

Hilft Mönchspfeffer bei PMDS?

Vielleicht ein wenig. Laut IQWiG gibt es schwache Hinweise auf eine Wirkung gegen PMS-Beschwerden. In Deutschland gibt es Mönchspfeffer als pflanzliches Arzneimittel gegen prämenstruelle Beschwerden. Laut Beipackzettel darf es in Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden. Sag deiner Praxis oder Apotheke, welche anderen Medikamente du nimmst.

Wann hört PMDS auf?

Die Beschwerden können von Zyklus zu Zyklus und über die Jahre schwanken. Vorhersagen lässt sich der Verlauf laut IQWiG nicht. Sicher ist nur: Spätestens mit der letzten Regelblutung in den Wechseljahren verschwinden prämenstruelle Beschwerden.

Quellen und Stand

  1. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Überblick zum prämenstruellen Syndrom; Seite zur Behandlung; PMS-Tagebuch mit Vorlage (alle aktualisiert am 06.04.2022). Überblick · Behandlung · Tagebuch
  2. DSM-5-Kriterien der PMDS, zitiert nach Eisenlohr-Moul u. a., American Journal of Psychiatry 2017 (C-PASS, Tabellen 1–2; dort auch die Zeitfenster Tag −7 bis −1 und Tag 4 bis 10). doi.org/10.1176/appi.ajp.2016.15121510
  3. Epperson u. a., American Journal of Psychiatry2012, Tabelle 2 (Höhepunkt der Symptome nach Tagebuchdaten von Hartlage u. a.; häufigste Symptome; Zwillingsstudien zur Erblichkeit; vorläufige Diagnose). doi.org/10.1176/appi.ajp.2012.11081302
  4. WHO, ICD-11 MMS (Release 2026-01): GA34.41 Premenstrual dysphoric disorder, Kapitel 16. icd.who.int
  5. BfArM: ICD-10-GM 2026, N94.3; Stand der ICD-11-Einführung in Deutschland. ICD-10-GM · ICD-11
  6. Reilly u. a., Journal of Affective Disorders 2024: Metaanalyse zur Häufigkeit der PMDS (44 Studien). doi.org/10.1016/j.jad.2024.01.066
  7. Steiner, Macdougall & Brown, Archives of Women’s Mental Health 2003: der Fragebogen PSST. doi.org/10.1007/s00737-003-0018-4
  8. Endicott, Nee & Harrison, Archives of Women’s Mental Health 2006 (DRSP); Borenstein u. a., Obstetrics & Gynecology 2007 (21 Punkte). Endicott 2006 · Borenstein 2007
  9. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Terminvermittlung über die 116117 und offene Sprechstunden. kbv.de
  10. Cochrane-Review zu SSRI bei PMS (Marjoribanks u. a., 2013). doi.org/10.1002/14651858.CD001396.pub3
  11. Cochrane-Review zu Drospirenon-Pillen bei PMS (Ma & Song, 2023). doi.org/10.1002/14651858.CD006586.pub5
  12. Beipackzettel (patienteninfo-service.de): Fluoxetin HEXAL 20 mg (März 2025), Sertralin HEXAL 50 mg (September 2025), YAZ (Oktober 2025), Agnusfemina 4 mg Mönchspfeffer (Oktober 2024). Fluoxetin · Sertralin · YAZ · Agnusfemina
  13. Prasad u. a., Journal of Women’s Health 2021: Metaanalyse zu Suizidrisiko bei PMS und PMDS. doi.org/10.1089/jwh.2021.0185
  14. Broughton u. a., British Journal of Psychiatry 2025: britische Befragung zu ADHS und vorläufiger PMDS. doi.org/10.1192/bjp.2025.104
  15. Groenman, Welling & Pieters, Women’s Health 2026: prämenstruelle Beschwerden bei ADHS und Autismus. doi.org/10.1177/17455057261476912
  16. Krisendienste: TelefonSeelsorge Deutschland (telefonseelsorge.de), Telefonseelsorge Österreich (telefonseelsorge.at), Die Dargebotene Hand (143.ch).

Stand: 13. Oktober 2026