Skip to content
Neurodiverge App

Selbsttest · 14 Minuten Lesezeit · Aktualisiert 25. September 2026

Autismus-Test für Erwachsene: kostenloser Selbsttest

Hier machst du einen kostenlosen Autismus-Test für Erwachsene: 20 Aussagen, etwa fünf Minuten, das Ergebnis siehst du sofort. Der Test zählt, wie viele typische autistische Erfahrungen zu deinem Leben passen. Eine Diagnose ist das nicht – die stellen in Deutschland Fachärzt:innen oder approbierte Psychotherapeut:innen nach einer ausführlichen Untersuchung.

Unter dem Test liest du, was dein Ergebnis bedeutet, wie er sich von bekannten Fragebögen wie AQ und RADS-R unterscheidet und wie der Weg zu einer Diagnose in Deutschland aussieht – mit Wartezeiten, Kosten und Quellen.

Kurz beantwortet

  • Der Test: 20 Aussagen, du wählst „Trifft zu“ oder „Bin ich nicht“. Kostenlos und ohne Anmeldung. Deine Antworten bleiben in deinem Browser.
  • Das Ergebnis: die Zahl deiner Treffer, eingeteilt in vier Bereiche (0–4, 5–9, 10–14, 15–20). Ein Anhaltspunkt, kein klinischer Wert.
  • Geprüfte Fragebögen: Auf Deutsch gibt es unter anderem den AQ, seine Kurzform AQ-k und die RADS-R. Laut S3-Leitlinie kann aber kein Fragebogen allein Autismus feststellen oder ausschließen.
  • Diagnose: meist über Fachärzt:innen an eine spezialisierte Stelle. In anerkannten Kliniken und Zentren zahlt die Krankenkasse. Erwachsene müssen mit Wartezeiten von zwei Jahren und mehr rechnen.

Der Autismus-Test: 20 Aussagen

Lies jede Aussage und frag dich: Passt das zu mir – nicht nur an schlechten Tagen, sondern über viele Jahre? Wenn ja, wähle „Trifft zu“. Wenn nein, wähle „Bin ich nicht“. Bist du unsicher, lass die Aussage aus. Ausgelassene Aussagen zählen nicht als Treffer.

Denk dabei auch an früher. Viele Menschen haben sich über die Jahre Wege zurechtgelegt, die nach außen gut funktionieren. Die Frage ist nicht, ob du etwas „hinbekommst“, sondern wie viel Kraft es dich kostet.

Keine Diagnose — ein edukativer Selbsttest. Du kannst jede Frage überspringen.

0 / 20 beantwortet · 0 Treffer bisher

Markiere die Punkte, die durchgehend zu deinem Erleben passen — über dein ganzes Leben hinweg, nicht nur Dinge, die gelegentlich oder unter Stress vorkommen. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten, und das hier ist ein Selbst-Check zum Nachdenken, keine Diagnose. Viele autistische Erwachsene erkennen sich hier wieder, lange bevor es eine formale Abklärung gibt.

  1. 1.

    Gespräche sind für dich oft Arbeit: Du überlegst bewusst, was du sagst, wann du antwortest und wie das Gespräch weiterläuft

  2. 2.

    Andeutungen oder das, was jemand „eigentlich“ meint, entgehen dir oft. Dir ist es lieber, wenn Menschen direkt sagen, was sie wollen

  3. 3.

    Bestimmte Geräusche, Lichter, Stoffe auf der Haut, Gerüche oder Geschmäcker empfindest du viel stärker als die meisten Menschen um dich herum

  4. 4.

    Du brauchst feste Abläufe. Wenn sich Pläne unerwartet ändern, wirft dich das richtig aus der Bahn – nicht nur ein bisschen

  5. 5.

    Du hast ein oder mehrere Interessen, in die du ganz tief eintauchst. Darüber könntest du stundenlang lesen oder reden

  6. 6.

    Du wippst, zappelst, läufst auf und ab oder wiederholst Bewegungen oder Geräusche, um dich zu beruhigen, zu konzentrieren oder etwas auszudrücken (Stimming) – manchmal, ohne es zu merken

  7. 7.

    Treffen mit anderen kosten dich viel Kraft. Danach brauchst du Zeit für dich allein, um dich zu erholen – auch wenn es schön war

  8. 8.

    Du passt dich an, um nicht aufzufallen und dazuzugehören: Du übst Sätze vorher, ahmst Mimik nach oder hältst deine spontanen Reaktionen zurück (Masking)

  9. 9.

    Du verstehst Gesagtes eher wörtlich. Ironie, Sarkasmus oder Redewendungen verwirren dich manchmal

  10. 10.

    Smalltalk kommt dir sinnlos oder rätselhaft vor. Ihn anzufangen oder in Gang zu halten, fällt dir schwer

  11. 11.

    Wenn dich etwas fesselt, konzentrierst du dich so stark darauf, dass du Zeit, Hunger oder alles um dich herum vergisst

  12. 12.

    Blickkontakt ist dir unangenehm, zu intensiv oder lenkt dich ab. Du vermeidest ihn oder musst dich dazu zwingen

  13. 13.

    Dir fallen Muster, Details, Systeme oder Ungereimtheiten auf, die andere offenbar gar nicht bemerken

  14. 14.

    Es fällt dir schwer zu erkennen oder zu benennen, was du fühlst. Manchmal merkst du erst viel später, dass du aufgewühlt, hungrig oder müde warst

  15. 15.

    Freundschaften zu pflegen kostet dich bewusste Mühe. Dich melden, antworten, in Kontakt bleiben – das passiert bei dir nicht von selbst

  16. 16.

    Volle, laute oder unruhige Orte (Feiern, Großraumbüros, Supermärkte) überfordern dich schnell – bis hin zu Shutdown oder Meltdown

  17. 17.

    Dein Gerechtigkeitssinn ist sehr stark. Ungerechtigkeit oder gebrochene Regeln regen dich richtig auf und lassen dich lange nicht los

  18. 18.

    Man hat dir oft gesagt, du seist „zu empfindlich“, „zu intensiv“, „zu viel“ oder würdest alles zerdenken

  19. 19.

    Ein Gespräch zu zweit ist dir viel lieber als eine Gruppe. In Gruppen wirst du eher still oder fühlst dich verloren

  20. 20.

    Wenn du zurückblickst, hast du dich schon als Kind anders gefühlt als die anderen – irgendwie am Rand, als würden alle Regeln kennen, die dir nie jemand erklärt hat

20 Punkte übrig. Du kannst jederzeit absenden, sobald du mindestens 8 beantwortet hast.

Deine Antworten bleiben in deinem Browser. Wir speichern sie nicht und geben sie nicht weiter.

So liest du dein Ergebnis

Dein Ergebnis ist einfach die Anzahl der Punkte, die du als zutreffend markierst. Das bedeuten die Bereiche — ein Anhaltspunkt, keine Diagnose.

Wenige autistische Merkmale0–4 von 20
Nur wenige Punkte passen. Jeder Mensch teilt manchmal einige dieser Erfahrungen — dieses Muster deutet nicht stark auf Autismus hin, auch wenn dein Erleben immer gültig ist.
Einige autistische Merkmale5–9 von 20
Mehrere Merkmale finden bei dir Widerhall. Das heißt nicht, dass du autistisch bist, aber es kann sich lohnen, mehr darüber zu erfahren, wie sich Autismus bei Erwachsenen zeigt — besonders, wenn diese Merkmale deinen Alltag beeinflussen.
Viele autistische Merkmale — einen Blick wert10–14 von 20
Viele dieser Erfahrungen passen zu deinen. Autismus weiter zu erkunden und eine formale Abklärung in Betracht zu ziehen, kann dir helfen, dich selbst zu verstehen und passende Unterstützung zu finden.
Starke Übereinstimmung mit autistischem Erleben15–20 von 20
Deine Antworten decken sich eng mit dem, wie viele autistische Erwachsene ihr Leben beschreiben. Das ist keine Diagnose, aber ein deutliches Signal — mehr über Autismus zu lesen und eine fachliche Abklärung zu suchen, könnte sich wirklich lohnen.

Wichtig: Das hier ist ein Selbst-Check zum Nachdenken, keine Diagnose. Nur eine qualifizierte Fachperson kann Autismus diagnostizieren. Ein hoher Wert ist kein Urteil — er ist ein Grund, mehr zu erfahren und, wenn es dir hilft, eine formale Abklärung zu suchen.

Was dein Ergebnis bedeutet

Dein Ergebnis ist die Zahl der Aussagen, bei denen du „Trifft zu“ gewählt hast. Direkt im Test siehst du die vier Bereiche: 0–4 Treffer (wenige autistische Merkmale), 5–9 (einige), 10–14 (viele – einen Blick wert) und 15–20 (starke Übereinstimmung mit autistischem Erleben). So kannst du mit deinem Bereich weitermachen:

Was der Wert nicht kann

Die Grenzen zwischen den Bereichen sind eine grobe Orientierung. Wir haben sie nicht an einer Gruppe diagnostizierter Menschen geprüft. Deshalb können wir auch nicht sagen, wie oft der Test richtig- oder danebenliegt. Dein Wert lässt sich nicht mit Punkten aus dem AQ oder der RADS-R vergleichen.

Ein hoher Wert kann andere Gründe haben. Einige Merkmale sehen bei chronischer Depression, sozialer Angst, einer Zwangsstörung, ADHS oder Persönlichkeitsstörungen ähnlich aus. Das sind die Diagnosen, die Fachleute bei einer Autismus-Abklärung am häufigsten abgrenzen müssen (Küpper u. a., 2025). Eine Diagnostik trennt, was von außen gleich wirkt.

Ein niedriger Wert schließt Autismus nicht aus. Die S3-Leitlinie beschreibt, dass Menschen ohne Intelligenzminderung oft eigene Strategien entwickeln, die autistische Merkmale verdecken und die Diagnostik schwerer machen. Wer sich lange angepasst hat, erkennt sich in manchen Aussagen vielleicht nicht sofort wieder.

Was der Test abfragt

Die 20 Aussagen sind unsere eigenen Formulierungen in Alltagssprache. Sie decken die beiden Kernbereiche ab, auf die Fachleute bei Autismus schauen: sozialer Austausch und Kommunikation sowie feste Muster, Spezialinteressen und Reizempfinden. Dazu kommen Aussagen zu Anpassung, Erholung und Gefühlswahrnehmung. Sie helfen, Merkmale zu erkennen, die bei Erwachsenen hinter einer angepassten Fassade liegen.

Warum die Kindheit? Laut S3-Leitlinie bestehen die Kernmerkmale von frühester Kindheit an und bleiben ein Leben lang. Eine Diagnostik fragt deshalb immer auch nach deiner Entwicklung, nicht nur nach heute. Die neuere Klassifikation ICD-11 nennt Besonderheiten beim Reizempfinden übrigens ausdrücklich als Teil des Autismus-Spektrums (Küpper u. a., 2025).

Autismus-Tests im Vergleich: AQ, AQ-k, AQ-10 und RADS-R

Wer nach einem Autismus-Test sucht, landet meist bei einigen wenigen Fragebögen aus der Forschung – im Original oder in abgewandelter Form. Das sind die wichtigsten für Erwachsene im deutschsprachigen Raum:

AQ – Autismus-Spektrum-Quotient (50 Aussagen)

Der AQ stammt von einer Forschungsgruppe in Cambridge und ist für Erwachsene ab 16 Jahren gedacht (Baron-Cohen u. a., 2001). In der ersten Studie erreichten 80 % der autistischen Erwachsenen 32 oder mehr Punkte, in der Vergleichsgruppe nur 2 %. Das klingt eindeutig. Verglichen wurde aber mit zufällig ausgewählten Menschen, nicht mit Menschen, die wegen ähnlicher Schwierigkeiten Hilfe suchen.

Genau das hat eine spätere Studie getan: 100 Erwachsene, die zur Autismus-Abklärung überwiesen worden waren (Woodbury-Smith u. a., 2005). Bei der Grenze von 32 Punkten wurden dort nur 74 % der Personen ohne Autismus richtig als „nicht autistisch“ eingestuft – so die Auswertung in der S3-Leitlinie. Die Autor:innen empfahlen für diese Gruppe eine niedrigere Grenze von 26 Punkten.

AQ-k – die deutsche Kurzform (33 Aussagen)

Für den deutschsprachigen Raum hat ein Team um Christine Freitag den AQ geprüft und auf die 33 Aussagen gekürzt, die ausreichend gut trennen (Freitag u. a., 2007). Ab 17 Punkten gilt das Ergebnis als auffällig. In der Studie erkannte der AQ-k 89 % der autistischen Personen und stufte 92 % der Vergleichspersonen richtig ein. Auch hier bestand die Vergleichsgruppe nicht aus Menschen mit ähnlichen Schwierigkeiten, sondern aus gesunden und forensisch begutachteten Personen.

AQ-10 – die Version mit 10 Fragen

Der AQ-10 ist die kürzeste Fassung. In Großbritannien legt die Leitlinie des NICE ihn für Erwachsene nahe: Bei mehr als 6 Punkten soll dort an eine spezialisierte Stelle überwiesen werden. Für Deutschland sieht es anders aus. Die S3-Leitlinie fand für die deutsche Fassung des AQ-10 keine ausreichende Validierungsstudie und empfiehlt ihren Einsatz deshalb nicht. Einige deutschsprachige Online-Tests nutzen den AQ-10 trotzdem.

RAADS-R und die deutsche RADS-R (80 Aussagen)

Die RAADS-R wurde in den USA als Hilfe bei der Diagnostik autistischer Erwachsener entwickelt (Ritvo u. a., 2011). In der Originalstudie begleitete eine Fachperson die Teilnehmenden durch den Fragebogen. 2024 hat ein Forschungsteam der Unikliniken Freiburg und Köln eine deutsche Fassung geprüft, die RADS-R – diesmal als reinen Selbstbeurteilungsbogen, ohne Fachperson daneben (Rausch u. a., 2024).

In die Auswertung gingen 293 Personen ein: 106 autistische Erwachsene, 63 Menschen mit anderen psychischen Erkrankungen und 124 Personen ohne Diagnose. Die beste Grenze lag bei 81 Punkten. Damit erkannte die RADS-R 92,5 % der autistischen Personen und stufte 93,6 % der übrigen richtig ein. Das ist ein gutes Ergebnis für einen Fragebogen – es stammt aber aus einer einzelnen Studie, und auch die RADS-R ersetzt keine Diagnostik.

Was die S3-Leitlinie zu Fragebögen sagt

Die deutsche S3-Leitlinie zur Autismus-Diagnostik (AWMF-Register 028-018, Textstand 2016) ist hier deutlich. Kein Screening-Fragebogen ist Pflicht. Eine Diagnose lässt sich allein mit Fragebögen weder stellen noch ausschließen. Der AQ und die Erwachsenenfassung der SRS können bei Erwachsenen ohne Intelligenzminderung eingesetzt werden. Ihre Spezifität ist laut Leitlinie aber „sehr niedrig“. Das heißt: Auch viele Menschen ohne Autismus kommen dort auf hohe Werte.

Die Leitlinie spricht auch Online-Selbsttests direkt an. Sie rät davon ab, nicht geprüfte, meist aus dem Englischen übersetzte Fragebögen zu nutzen – auch, weil Erwachsene ihre Ergebnisse häufig in die Praxis mitbringen. Die Gültigkeit der Leitlinie ist 2021 abgelaufen, eine Überarbeitung läuft. Aktuelle Fachartikel beziehen sich aber weiter auf sie (Küpper u. a., 2025).

Und unser Test?

Unser Test ist kein geprüftes Instrument, und wir behaupten das auch nicht. Er besteht aus eigenen Formulierungen, hat keine Normwerte und keine gemessene Trefferquote. Wofür er gut ist: Er zeigt dir in Ruhe und in verständlicher Sprache, welche autistischen Erfahrungen du bei dir wiedererkennst – auch Masking, Erholungsbedarf und Reizempfinden, die in kurzen Fragebögen oft wenig Platz bekommen.

Wenn du einen Wert brauchst, den eine Praxis einordnen kann, frag dort nach einem geprüften Fragebogen wie dem AQ-k oder der RADS-R. Wie unsere Tests entstehen und wo ihre Grenzen liegen, steht in unserer Methodik.

Wie Autismus bei Erwachsenen aussehen kann

Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation war 2021 weltweit etwa 1 von 127 Menschen autistisch (WHO, 2025). Autismus beginnt nicht im Erwachsenenalter. Trotzdem suchen heute viele Menschen erst als Erwachsene eine Diagnostik – die Anfragezahlen weiter unten zeigen das. Ein Grund ist die Anpassung: Wer früh lernt, nicht aufzufallen, wirkt nach außen oft unauffällig – im Job, im Gespräch, im Freundeskreis. Innen kann das viel Kraft kosten. Wie das aussieht, beschreibt der Ratgeber zu Autismus-Anzeichen bei Erwachsenen.

Frauen und Mädchen werden häufiger übersehen. Eine Meta-Analyse mit Daten aus 54 Studien kam zu dem Schluss, dass unter Kindern, die die Kriterien erfüllen, das Verhältnis von Jungen zu Mädchen eher bei 3:1 liegt als bei den oft genannten 4:1. Mädchen bekommen demnach überproportional oft keine Diagnose (Loomes u. a., 2017). Fachleute raten deshalb bei weiblich sozialisierten Personen zu besonderer Aufmerksamkeit, weil sie sich oft früh an soziale Normen anpassen (Küpper u. a., 2025). Mehr dazu im Ratgeber Autismus bei Frauen.

Weitere Diagnosen sind häufig. Ein aktueller Fachartikel beschreibt, dass rund 70 % der autistischen Erwachsenen die Kriterien für mindestens eine weitere psychische Störung erfüllen, knapp 50 % für mindestens zwei (Küpper u. a., 2025). Wenn du schon eine Diagnose wie Depression oder soziale Angst hast, schließt das Autismus also nicht aus.

Autismus und ADHS können zusammen vorkommen. Die ICD-10 hat das noch ausgeschlossen, die ICD-11 erlaubt beide Diagnosen nebeneinander (Küpper u. a., 2025). Wenn dir beides bekannt vorkommt, probier den AuDHD-Test. Und wenn du erst spät auf das Thema stößt: Der Ratgeber zur späten Autismus-Diagnose erklärt, was eine Erkenntnis mit 30, 40 oder 50 verändern kann.

Nach dem Test: So kommst du in Deutschland zu einer Diagnose

Ein Online-Test ist oft der erste Schritt. Der Weg zur Diagnose ist länger. So sieht er für Erwachsene mit gesetzlicher Krankenversicherung meistens aus. Ausführlicher beschreibt ihn der Ratgeber Autismus-Diagnose bei Erwachsenen.

1. Notizen und Unterlagen sammeln

Schreib auf, welche Aussagen aus dem Test auf dich passen – mit Beispielen von heute und aus deiner Kindheit. Die S3-Leitlinie empfiehlt, mindestens eine Person einzubeziehen, die dich seit der Kindheit kennt, etwa ein Elternteil oder Geschwister. Hilfreich sind auch alte Zeugnisse, Berichte aus Kindergarten oder Schule und frühere Arztbriefe. Gibt es niemanden mehr, der dich als Kind kannte, ist eine Diagnose trotzdem möglich.

2. Der erste Termin

Laut dem Bundesverband Autismus Deutschland führt der Weg für Erwachsene meist über Fachärzt:innen, die dann an spezialisierte Stellen weiterleiten. Für diese Stellen brauchst du in der Regel eine Überweisung von einer Fachärztin oder einem Facharzt.

Ein Einstieg ist die Hausarztpraxis. Sie kann dich zu einer Fachärztin oder einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie überweisen. Steht auf der Überweisung ein Dringlichkeitscode, vermittelt dir der Terminservice 116117 einen Facharzttermin innerhalb von vier Wochen – allerdings nicht in einer bestimmten Wunschpraxis (Verbraucherzentrale, 2024).

Ein zweiter Einstieg ist die psychotherapeutische Sprechstunde. Sie kannst du über die 116117 auch ohne Überweisung buchen. Approbierte Psychotherapeut:innen dürfen Autismus diagnostizieren (Küpper u. a., 2025). Nicht alle haben damit aber Erfahrung. Frag vorher, ob die Praxis Autismus-Diagnostik bei Erwachsenen anbietet.

3. Die ausführliche Diagnostik

Die S3-Leitlinie empfiehlt, die ausführliche Diagnostik an einer darauf spezialisierten Stelle zu machen. Bei Erwachsenen soll eine Fachärztin oder ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (oder für Nervenheilkunde) beteiligt sein. Spezialisierte Stellen können psychiatrische Kliniken und Institutsambulanzen sein, Praxen für Psychiatrie und Psychotherapie, Praxisverbünde oder medizinische Versorgungszentren (Autismus Deutschland).

Zu einer guten Diagnostik gehören laut Leitlinie unter anderem:

Manche Stellen nutzen standardisierte Verfahren wie das Beobachtungsverfahren ADOS-2 oder das Interview ADI-R. Pflicht ist keines davon. Für Erwachsene empfiehlt die Leitlinie derzeit kein bestimmtes Interview-Verfahren.

Am Ende steht nicht automatisch „Autismus“. Manchmal zeigt sich eine andere Erklärung oder gar keine Diagnose (Autismus Deutschland). Auch das ist eine Antwort, mit der du weiterarbeiten kannst.

4. Wartezeiten realistisch einplanen

Das ist der schwierigste Teil. Der Bundesverband Autismus Deutschland schreibt (Stand August 2026), dass Erwachsene mit erheblichen Wartezeiten von zwei Jahren und mehr rechnen müssen. Die Wartelisten seien nahezu überall geschlossen.

Wie groß der Andrang ist, zeigt ein Beispiel aus Berlin: Die Spezialambulanz an der Humboldt-Universität bekommt laut ihrem Team regelmäßig über 1.300 Diagnostik-Anfragen pro Quartal. Davon kann sie nur etwa 35 bis 40 annehmen und vollständig durchführen. Bestätigt wird die Diagnose dort in etwa 40 % der Fälle. Andere spezialisierte Zentren berichten von jahrelangen Wartelisten oder haben sie ganz geschlossen (Küpper u. a., 2025).

Was du tun kannst: dich früh um eine Überweisung kümmern, bei mehreren Stellen nach einem Platz fragen und die Wartezeit nutzen, um deine Notizen und alten Unterlagen zu ergänzen.

5. Kosten: Krankenkasse oder selbst zahlen?

Eine Diagnostik in gesetzlich anerkannten Kliniken und Zentren übernimmt die gesetzliche Krankenkasse (Autismus Deutschland). Es gibt auch Anbieter, bei denen du die Diagnostik selbst bezahlst. Hier lohnt ein genauer Blick: Laut Autismus Deutschland werden Angebote auf Selbstzahlerbasis „zunehmend nicht mehr offiziell anerkannt“. Frag deshalb vorher, wer den Befund unterschreibt, ob die Diagnostik den Empfehlungen der S3-Leitlinie folgt und was sie insgesamt kostet. Bist du privat versichert, hängt die Erstattung von deinem Tarif ab.

6. Wie die Diagnose verschlüsselt wird

Für die Abrechnung gilt in Deutschland weiter die ICD-10-GM (BfArM). Dort gibt es für Autismus vor allem drei Codes: F84.0 (frühkindlicher Autismus), F84.1 (atypischer Autismus) und F84.5 (Asperger-Syndrom). Die neuere ICD-11 fasst diese Formen zur „Autismus-Spektrum-Störung“ (6A02) zusammen. Wann Deutschland die ICD-11 für die Abrechnung einführt, steht noch nicht fest. Das BfArM rechnet mit mehreren Jahren. Manche Stellen schreiben deshalb beides in den Befund, etwa „Autismus-Spektrum-Störung (Asperger-Syndrom), F84.5“ (Küpper u. a., 2025).

Was eine Diagnose bringen kann

Eine Diagnose ist kein Muss. Sie kann dir aber eine Erklärung geben, die freundlicher ist als „zu empfindlich“ oder „zu kompliziert“. Und sie kann Türen öffnen: zu passender Therapie, zu Unterstützung in Studium oder Beruf und zu einem Antrag auf einen Grad der Behinderung (GdB).

Die Versorgungsmedizinischen Grundsätze sehen bei Autismus einen GdB je nach sozialen Anpassungsschwierigkeiten vor: 10 bis 20 ohne, 30 bis 40 bei leichten, 50 bis 70 bei mittleren und 80 bis 100 bei schweren Anpassungsschwierigkeiten. Ab einem GdB von 50 gilt man als schwerbehindert. Bei einem GdB von 30 bis 49 ist unter bestimmten Voraussetzungen eine Gleichstellung möglich (SGB IX, § 2).

Und wenn du keine Diagnose willst oder keinen Platz bekommst? Dann ist das Wissen über dich trotzdem nützlich. Du kannst Reize besser planen, Pausen fest einbauen und anderen erklären, was dir hilft – mit oder ohne Befund. Wir schreiben übrigens bewusst „autistische Menschen“ und nicht „Betroffene“: Autismus ist eine andere Art, wahrzunehmen und zu denken, keine Krankheit, die man heilen muss. Mehr zum ganzen Spektrum erklärt der Ratgeber Autismus-Spektrum.

Asperger-Test, „hochfunktionaler Autismus“ und Tests für Kinder

Asperger-Test: Viele suchen nach einem eigenen Test für das Asperger-Syndrom. In der ICD-10-GM gibt es die Diagnose noch (F84.5), in der ICD-11 geht sie im Autismus-Spektrum auf. Ein eigener Test ist deshalb nicht nötig: Die Aussagen oben decken dieselben Bereiche ab. Woher der Begriff kommt und warum er heute kritisch gesehen wird, steht im Ratgeber zum Asperger-Syndrom.

„Hochfunktionaler Autismus“: Das ist keine Diagnose in der ICD-10-GM oder der ICD-11. Wir nutzen solche Etiketten nicht. Wer nach außen „gut funktioniert“, kann dafür innen einen hohen Preis zahlen. Und wer viel Unterstützung braucht, ist deshalb nicht „weniger“. Warum das Etikett wenig hilft, erklärt der Ratgeber zu „hochfunktionalem Autismus“.

Autismus-Test für Kinder: Dieser Test ist für Erwachsene. Bei Kindern führt der Weg über die Kinder- und Jugendarztpraxis oder die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Für Kleinkinder ab dem zweiten Lebensjahr nennt die S3-Leitlinie den Elternfragebogen M-CHAT – mit dem Hinweis, dass seine Spezifität sehr niedrig ist. Auch bei Kindern ersetzt kein Fragebogen die Untersuchung.

Autistisch oder hochsensibel? Beim Reizempfinden überschneiden sich beide Themen. Hochsensibilität ist aber keine Diagnose in der ICD. Die Unterschiede erklärt der Ratgeber zur Hochsensibilität.

Weitere kostenlose Selbsttests

Diese Tests helfen dir, über dich nachzudenken. Sie sind keine Diagnose – die kann nur eine Fachperson stellen.

Alle kostenlosen Selbsttests→

Häufige Fragen

Wie testet man, ob man autistisch ist?

In mehreren Stufen. Die S3-Leitlinie zur Autismus-Diagnostik beschreibt den Weg so: Zuerst fallen Merkmale auf, dann folgt ein kurzes Screening mit einem Fragebogen, und wenn sich der Verdacht erhärtet, eine ausführliche Diagnostik an einer spezialisierten Stelle. Dazu gehören Gespräche über deine Entwicklung seit der Kindheit, wenn möglich Angaben einer Person, die dich als Kind kannte, eine Beobachtung im Gespräch, eine körperliche Untersuchung und die Abklärung anderer Ursachen. Ein Fragebogen allein kann Autismus weder feststellen noch ausschließen.

Wie kann ich mich selbst auf Autismus testen?

Mit einem Selbsttest wie dem auf dieser Seite prüfst du, wie viele typische autistische Erfahrungen zu deinem Leben passen. Nimm dir Zeit, denk an verschiedene Lebensphasen und lass Aussagen aus, bei denen du unsicher bist. Geprüfte deutschsprachige Fragebögen für Erwachsene sind zum Beispiel der AQ-k mit 33 Aussagen und die RADS-R mit 80 Aussagen. Wenn du einen Wert möchtest, den Fachleute einordnen können, frag in der Praxis nach so einem Fragebogen. Eine Diagnose kann dir kein Selbsttest geben – für die Selbsterkenntnis kann er trotzdem ein guter erster Schritt sein.

Wie kann man bei Erwachsenen Autismus feststellen?

Durch eine Diagnostik bei einer Fachärztin oder einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, bei approbierten Psychotherapeut:innen oder – wie die S3-Leitlinie empfiehlt – an einer auf Autismus spezialisierten Stelle. Dazu gehören ein ausführliches Gespräch über deine heutigen Schwierigkeiten und deine Entwicklung von klein auf, wenn möglich ein Gespräch mit einer Person, die dich als Kind kannte, eine direkte Beobachtung, eine körperliche Untersuchung und die Abklärung anderer Diagnosen. Fehlen Angaben aus der Kindheit, ist eine Diagnose trotzdem möglich. In gesetzlich anerkannten Kliniken und Zentren zahlt die gesetzliche Krankenkasse.

Was ist typisch für autistische Erwachsene?

Typisch sind Unterschiede im sozialen Austausch und in der Kommunikation – etwa Mühe mit Andeutungen und Smalltalk oder Gespräche, die viel Kraft kosten. Dazu kommen feste Abläufe, tiefe Spezialinteressen und ein besonderes Reizempfinden. Laut S3-Leitlinie bestehen diese Merkmale von früher Kindheit an und bleiben ein Leben lang. Bei Erwachsenen ohne Intelligenzminderung können eigene Anpassungsstrategien sie verdecken. Das nennt man oft Masking.

Was sind die drei Hauptmerkmale von Autismus?

Die ICD-10, nach der in Deutschland noch abgerechnet wird, beschreibt drei Bereiche: Besonderheiten in der sozialen Interaktion, in der Kommunikation und bei wiederholenden, gleichförmigen Verhaltensweisen und Interessen. Die neuere ICD-11 fasst die ersten beiden zusammen. Sie spricht von zwei Kernbereichen: sozialer Kommunikation und Interaktion sowie eingeschränkten, wiederholenden Mustern im Verhalten, bei Interessen oder Aktivitäten. Besonderheiten beim Reizempfinden nennt die ICD-11 ausdrücklich mit.

Was sind „leicht autistische Züge“?

Den Ausdruck hört man oft, ein Fachbegriff ist er aber nicht. Autistische Merkmale kommen in der Bevölkerung in unterschiedlicher Stärke vor – einzelne Aussagen aus diesem Test kennt fast jeder Mensch. Eine Diagnose kommt erst infrage, wenn die Merkmale seit der Kindheit bestehen, sich in verschiedenen Lebensbereichen zeigen und dein Leben spürbar beeinflussen. Von „leichtem“ oder „schwerem“ Autismus sprechen wir nicht. Wie viel Unterstützung jemand braucht, hängt auch von der Umgebung ab und kann sich im Lauf des Lebens ändern.

Wie genau sind Online-Autismus-Tests?

Das hängt vom Test ab. Geprüfte Fragebögen wie der AQ erkennen autistische Menschen im Vergleich mit einer gesunden Gruppe recht gut. Im Vergleich mit Menschen, die wegen ähnlicher Schwierigkeiten zur Abklärung kommen, trennt der AQ aber deutlich schlechter. Die S3-Leitlinie nennt seine Spezifität bei Erwachsenen deshalb „sehr niedrig“. Die deutsche RADS-R schnitt in ihrer Studie besser ab, auch mit Menschen mit anderen psychischen Erkrankungen in der Stichprobe. Viele Online-Tests sind gar nicht geprüft – unserer auch nicht. Nutze jedes Ergebnis als Anstoß, nicht als Urteil.

Wo kann man einen Autismus-Test machen – und was kostet er?

Einen Selbsttest kannst du hier kostenlos machen. Eine Diagnostik machen Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie, approbierte Psychotherapeut:innen und spezialisierte Stellen wie psychiatrische Kliniken, Institutsambulanzen, spezialisierte Praxen oder medizinische Versorgungszentren. Für spezialisierte Stellen brauchst du in der Regel eine Überweisung von einer Fachärztin oder einem Facharzt. In gesetzlich anerkannten Kliniken und Zentren zahlt die gesetzliche Krankenkasse. Private Angebote zahlst du selbst. Lass dir die Kosten vorher nennen und frag, ob der Befund später überall anerkannt wird.

Wie lange wartet man auf eine Autismus-Diagnostik?

Für Erwachsene oft lange. Der Bundesverband Autismus Deutschland nennt Wartezeiten von zwei Jahren und mehr und schreibt, dass die Wartelisten nahezu überall geschlossen sind (Stand August 2026). Eine Berliner Spezialambulanz bekommt nach eigenen Angaben regelmäßig über 1.300 Anfragen pro Quartal und kann davon etwa 35 bis 40 annehmen. Kümmere dich deshalb früh um eine Überweisung und nutze die Wartezeit, um Notizen und alte Unterlagen zu sammeln.

Mein Ergebnis ist niedrig, aber ich fühle mich trotzdem autistisch. Kann das sein?

Ja. Ein Selbsttest ist ein grobes Werkzeug. Wer sich jahrelang angepasst hat, erkennt manche Merkmale auch bei sich selbst nicht sofort – die S3-Leitlinie beschreibt, dass solche Strategien autistische Merkmale verdecken können. Auch ADHS, Angst oder Erschöpfung können deine Antworten prägen. Wenn dich das Thema nicht loslässt, lies weiter oder sprich mit einer Fachperson, die Erfahrung mit Autismus bei Erwachsenen hat.

Quellen und Stand

Stand: 25. September 2026. Wir sind ein kleines unabhängiges Team, keine medizinische Einrichtung, und diese Seite wurde nicht fachärztlich geprüft. Wenn eine Quelle sich ändert – etwa sobald die überarbeitete S3-Leitlinie erscheint –, passen wir die Seite an und ändern dieses Datum mit.