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ADHS bei Frauen · 16 Minuten Lesezeit · Aktualisiert 17. Oktober 2026

ADHS und Perimenopause: wenn die Wechseljahre beginnen

Die Perimenopause sind die Jahre vor der letzten Periode, in denen die Hormone unruhig werden. Viele Frauen mit ADHS merken in dieser Zeit, dass Konzentration, Gedächtnis, Schlaf und Stimmung nachlassen. Ob das an der ADHS liegt, an den Wechseljahren oder an beidem, lässt sich oft nicht sauber trennen. Die Forschung ist jung: Die Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, und kontrollierte Studien zur Behandlung gibt es noch nicht.

Kurz beantwortet

  • Wann: Laut Entwurf der deutschen S3-Leitlinie beginnt die Perimenopause meist mit Zyklen, die immer wieder um sieben Tage oder mehr schwanken, im Mittel mit etwa 47 Jahren. Die letzte Periode kommt bei den meisten zwischen 47 und 54.
  • Mehr Beschwerden mit ADHS? Eine isländische Bevölkerungsstudie und zwei kleinere Studien sagen ja, eine Londoner Studie sagt nein. Die Frage ist offen.
  • Früher? Eine Studie deutet es an. Derselbe Fragebogen zeigte aber schon bei 25- bis 30-Jährigen mit ADHS hohe Werte. Belegt ist ein früherer Beginn nicht.
  • Was du tun kannst: Zyklus und Beschwerden über mehrere Monate notieren. Der Gynäkologie von der ADHS erzählen, der ADHS-Behandlung von den Wechseljahren. Eine Hormontherapie ist für Wechseljahresbeschwerden gedacht, nicht als ADHS-Behandlung.

Hier liest du, woran du den Beginn der Perimenopause erkennst, welche Beschwerden typisch sind und wie du ADHS und Wechseljahre auseinanderhältst. Wir zeigen, was die Studien gefunden haben, auch da, wo sie sich widersprechen. Außerdem: was es heißt, wenn ADHS erst mit Mitte 40 auffällt, was über Medikamente bekannt ist und wie du dich auf Termine vorbereitest. Um die Zeit nach der letzten Periode und die Hormontherapie mit ihren Risiken geht es im Ratgeber ADHS und Menopause. Wir schreiben von Frauen, weil die Studien so zählen. Gemeint sind alle Menschen, deren Eierstöcke diese Umstellung durchlaufen.

1. Was ist die Perimenopause?

Perimenopause heißt wörtlich „um die Menopause herum“. Gemeint ist die Übergangszeit, in der die Eierstöcke ihre Arbeit langsam einstellen. Umgangssprachlich sagen wir Wechseljahre, in der Medizin heißt diese Zeit auch Klimakterium. Die Menopause selbst ist nur ein Zeitpunkt: die letzte Periode. Sicher weißt du das erst, wenn danach zwölf Monate lang keine Blutung mehr kam.

Die deutsche S3-Leitlinie „Peri- und Postmenopause“ wird gerade überarbeitet. Ihr Entwurf vom Mai 2026 teilt die Perimenopause in zwei Abschnitte:

Die meisten Frauen haben ihre letzte Periode zwischen 47 und 54 Jahren. In Deutschland waren 2024 rund 4,1 Millionen Frauen in genau diesem Alter, so der Entwurf. Wie lange die Übergangszeit dauert, ist von Frau zu Frau sehr verschieden.

Was im Körper passiert. Anfangs steigt das Hormon FSH. In manchen Zyklen reifen dann mehrere Eibläschen, und der Östrogenspiegel liegt sogar höher als früher. Das kann Brustspannen, Wassereinlagerungen und stärkere Blutungen erklären. Später bleiben die Eisprünge immer öfter aus. Im letzten Jahr vor der letzten Periode gibt es laut Entwurf nur noch in etwa 5 % der Zyklen einen Eisprung. Die Hormone sinken also nicht gleichmäßig, sie schwanken stark.

Bringt ein Hormontest Klarheit? Meist nicht. Ein einzelner Hormonwert sagt in dieser Phase laut Entwurf nur etwas über die nächsten zwei bis vier Wochen aus. Speicheltests sind für die Diagnose nicht zugelassen. In der Regel reicht dein Blutungsmuster. Nur wenn es sich nicht beobachten lässt, etwa mit einer Hormonspirale oder nach Entfernung der Gebärmutter, können FSH- und AMH-Werte helfen.

2. Typische Beschwerden in den Übergangsjahren

Für den Entwurf wurde die Studienlage zu den Beschwerden systematisch ausgewertet. Das Ergebnis:

Ein Satz im Entwurf ist für Frauen mit ADHS besonders wichtig: Psychische und kognitive Beschwerden erfordern eine gründliche Beurteilung, damit andere Ursachen nicht übersehen werden. Genannt werden unter anderem Schilddrüsenerkrankungen, Depression und Herz-Kreislauf-Risiken. ADHS kommt in der Leitlinie an keiner Stelle vor.

3. ADHS oder Wechseljahre? So hältst du beides auseinander

Vergesslichkeit, Konzentrationsprobleme, innere Unruhe, schlechter Schlaf, schnelle Gereiztheit: Diese Liste passt auf ADHS und auf die Wechseljahre. Das macht die Einordnung schwer, für dich und für jede Praxis. Eine Übersichtsarbeit von 2026 zur Behandlung von ADHS in den Wechseljahren nennt drei Anhaltspunkte:

Eine Londoner Forschungsgruppe hat noch etwas beobachtet. Bei Frauen ohne ADHS hingen ADHS-ähnliche Anzeichen eng mit Wechseljahresbeschwerden zusammen, bei Frauen mit ADHS weniger eng. Die Forscherinnen vermuten, dass Frauen mit ADHS Probleme mit Gedächtnis und Konzentration eher ihrer ADHS zuschreiben als den Wechseljahren. Das ist eine Vermutung, keine gesicherte Erklärung. Für dich heißt es: Nicht alles, was jetzt schwerer fällt, muss an der ADHS liegen.

Wie typische ADHS-Anzeichen bei Frauen aussehen, zeigt unsere Checkliste ADHS-Symptome bei Frauen. Sie ersetzt keine Diagnose, hilft aber, deine Beobachtungen zu ordnen.

4. Haben Frauen mit ADHS stärkere Beschwerden?

Kurz gesagt: Die Studien widersprechen sich. Hier die vier wichtigsten, von der größten zur kleinsten.

Warum die Ergebnisse auseinandergehen. Drei Gründe liegen nahe:

  1. Die Skalen messen nicht nur Wechseljahre. Die isländische Gruppe fand auch bei Frauen mit ADHS zwischen 25 und 30 Jahren fast dieselben Werte wie bei den 35- bis 55-Jährigen (18,0 Punkte, ohne ADHS 12,4). Die Autorinnen schreiben selbst, dass die Skala wohl auch allgemeine psychische und körperliche Beschwerden erfasst.
  2. Frauen mit ADHS haben häufiger weitere Belastungen. In der isländischen Studie hatten 42,1 % der Frauen mit ADHS schon einmal eine PTBS-Diagnose, ohne ADHS 10,3 %. Ohne PTBS wurde der Unterschied bei den Beschwerden kleiner, er blieb aber bestehen.
  3. Wer über einen Verband oder online teilnimmt, ist nicht unbedingt typisch für alle Frauen mit ADHS.

Eine australische Online-Befragung von 600 Frauen mit ADHS zeigt die Lücke zwischen Erleben und Messen besonders deutlich. Laut Zusammenfassung nahmen 97,5 % eine Verschlechterung ihrer ADHS in den Wechseljahren wahr. Die gemessenen ADHS-Werte waren im Vergleich der Lebensphasen aber ähnlich hoch. Den vollständigen Artikel konnten wir nicht lesen; wie viele Befragte in den Wechseljahren waren, steht in der Zusammenfassung nicht.

In ausführlichen Interviews mit 19 Frauen mit ADHS in Irland beschrieben viele den Beginn der Perimenopause als plötzlichen Einschnitt bei Stimmung und Denken. Einige sahen aber auch etwas Gutes darin: mehr Mitgefühl mit sich selbst und mehr Verständnis für die eigene ADHS.

Was folgt daraus? Deine Erfahrung zählt, auch wenn die Studien sie nicht eindeutig bestätigen. Und es lohnt sich, genau hinzuschauen, was sich verändert hat, statt alles einer einzigen Ursache zuzuschreiben.

5. Beginnt die Perimenopause bei ADHS früher?

Diese Frage wird oft gesucht, und eine Studie scheint sie zu bejahen. In der isländischen Bevölkerungsstudie hatten Frauen mit ADHS die höchsten Werte für Wechseljahresbeschwerden schon mit 35 bis 39 Jahren. Frauen ohne ADHS erreichten ihre höchsten Werte erst mit 45 bis 49. Die Autorinnen schließen daraus, dass die Perimenopause bei ADHS früher beginnen könnte.

Drei Punkte sprechen dafür, vorsichtig zu bleiben:

  1. Die Studie hat keine Hormone gemessen und das Alter bei der letzten Periode nicht ausgewertet. Sie hat Beschwerden mit einem Fragebogen erfasst.
  2. Derselbe Fragebogen zeigte schon bei 25- bis 30-Jährigen mit ADHS ähnlich hohe Werte. In diesem Alter steckt kaum jemand in der Perimenopause.
  3. Frauen mit ADHS gaben sogar seltener an, schon in der Perimenopause zu sein (47,1 % gegenüber 55,0 %). Sie waren allerdings im Schnitt zwei Jahre jünger.

Die Autorinnen verweisen außerdem auf eine große genetische Studie. In deren Haupttext haben wir dazu keine Angabe gefunden. Ein früherer Beginn bei ADHS ist also möglich, aber nicht belegt.

Wann du nachfragen solltest. Wenn sich dein Zyklus schon vor 40 deutlich verändert oder die Periode ausbleibt, lass das gynäkologisch abklären. Vor 40 spricht man von einer vorzeitigen Ovarialinsuffizienz (POI). Laut Leitlinienentwurf wird sie anhand von Zyklusstörungen über mindestens vier Monate und einem erhöhten FSH-Wert festgestellt, bei Unsicherheit mit einer zweiten Blutabnahme einige Wochen später. Auch neu auftretende starke oder schmerzhafte Blutungen bei jüngeren Frauen sollen abgeklärt werden. Was bei einer frühen Menopause empfohlen wird, steht im Ratgeber ADHS und Menopause.

6. Östrogen und Dopamin: eine Hypothese

Oft liest du diese Erklärung: Östrogen steigert Dopamin, ADHS hat mit Dopamin zu tun, also macht der Östrogenabfall die ADHS schlimmer. Das klingt schlüssig. Beim Menschen belegt ist es nicht.

Eine systematische Übersicht von 2025 fasst den Stand so zusammen: In präklinischen Studien, also vor allem an Tieren und im Labor, fördert Östrogen die Bildung von Dopamin und bremst seinen Abbau. Progesteron wirkt je nach Hirnregion unterschiedlich. Dass das die Schwankungen der ADHS bei Frauen erklärt, ist eine Theorie. Studien zu ADHS während der Menopause fand die Übersicht bis Januar 2025 überhaupt keine.

Auch die Übersicht von 2026 hält fest: Keine Studie hat bisher direkt gezeigt, dass schwankende Geschlechtshormone die Wirkung von ADHS-Medikamenten im Körper verändern. Es gibt nur indirekte Hinweise und theoretische Überlegungen.

Für dich heißt das: Wenn es dir in dieser Zeit schlechter geht, ist das ernst zu nehmen. Dafür brauchst du keine bewiesene Hirnchemie.

7. ADHS fällt erst mit Mitte 40 auf

Manche Frauen fragen sich in der Perimenopause zum ersten Mal, ob sie ADHS haben. Das ist nachvollziehbar. Wenn Schlaf, Stimmung und Konzentration gleichzeitig wackeln, reichen die alten Tricks oft nicht mehr, und Schwierigkeiten, die vorher überdeckt waren, werden sichtbar.

Eine Regel der Diagnostik bleibt dabei bestehen: ADHS beginnt in der Kindheit. In den Wechseljahren kann sie auffallen, entstehen kann sie dort nicht. Die Übersicht von 2026 empfiehlt bei einer ersten Abklärung in dieser Lebensphase deshalb eine genaue Kindheitsgeschichte, wenn möglich Angaben von Angehörigen und ein strukturiertes Interview wie das DIVA-5. Geführt werden soll es von Fachleuten, die sich mit ADHS und mit den Wechseljahren auskennen.

In der isländischen Studie berichteten auch rund 8 % der 35- bis 44-jährigen Frauen ohne ADHS-Diagnose von starken ADHS-Anzeichen. Ob diese Frauen schon als Kind Anzeichen hatten, konnte die Studie nicht klären.

Wenn du dich lebenslang wiedererkennst, ist eine Abklärung sinnvoll. Wie sie in Deutschland abläuft und wer ADHS bei Erwachsenen diagnostiziert, erklären unsere Ratgeber ADHS bei Frauen und Späte ADHS-Diagnose.

8. ADHS-Medikamente in den Übergangsjahren

Viele Frauen berichten, dass ihr ADHS-Medikament in dieser Zeit schwächer zu wirken scheint. Die Übersicht von 2026 bestätigt, dass Frauen das oft schildern. Zum Stand der Forschung hält sie fest:

Die Autorinnen raten, eine gut eingestellte Behandlung weiterzuführen und zu beobachten. Änderungen sollen sich nach deinem Befinden und der Verträglichkeit richten, und zwar eine nach der anderen, damit klar bleibt, was wirkt. Mit dem Alter werden außerdem Blutdruck, Puls und Gewicht wichtiger; sie gehören regelmäßig kontrolliert.

Ändere Dosis oder Einnahmezeit nicht auf eigene Faust. Bring deine Notizen zum Termin mit (siehe Abschnitt 11). Welche Wirkstoffe es in Deutschland gibt und wie sie verordnet werden, steht im Ratgeber ADHS-Medikamente.

9. Hormontherapie: wofür sie gedacht ist

Eine menopausale Hormontherapie (MHT, früher meist HRT genannt) ersetzt einen Teil der Hormone, die die Eierstöcke nicht mehr bilden. Der Leitlinienentwurf sieht sie in der Perimenopause vor allem hier vor:

Für ADHS sieht es anders aus. Wir haben keine kontrollierte Studie gefunden, die prüft, ob eine Hormontherapie ADHS-Anzeichen lindert. Eine europäische Expertengruppe schreibt 2025, dass Forschung zu medikamentösen Behandlungen hier fehlt, und fordert solche Studien erst ein. Die Übersicht von 2026 stellt fest, dass die Wirkung einer Hormontherapie auf die ADHS-Behandlung nicht formal untersucht ist.

In der irischen Befragung nahmen Frauen mit ADHS fast dreimal so oft eine Hormontherapie wie Frauen ohne ADHS (48,6 % gegenüber 17,1 %). In der ADHS-Gruppe hatten die Frauen mit Hormontherapie aber nicht weniger Beschwerden als die ohne. Das ist eine Momentaufnahme, kein Beweis in die eine oder andere Richtung.

Die Autorinnen der Übersicht von 2026 halten einen Umweg für möglich: Wenn eine Hormontherapie Hitzewallungen, Schlaf und Stimmung bessert, kann das indirekt auch den Alltag erleichtern. Ob du eine Hormontherapie brauchst, entscheidest du mit deiner gynäkologischen Praxis, anhand deiner Wechseljahresbeschwerden und deiner Risiken. Thrombose, Brustkrebs, Tablette oder Pflaster: Das erklären wir ausführlich im Ratgeber ADHS und Menopause.

10. Was sonst helfen kann

Der Leitlinienentwurf nennt für die Perimenopause auch Wege ohne Hormone. Einige davon passen gut zu ADHS, weil sie Struktur geben:

Und aus dem ADHS-Alltag: Was dir schon immer geholfen hat, hilft jetzt oft noch mehr. Feste Abläufe, Erinnerungen außerhalb des Kopfes, weniger gleichzeitige Verpflichtungen in schlechten Wochen. Das ist keine Studienaussage, sondern Erfahrung. Nimm, was zu dir passt. Wenn die Stimmung länger unten bleibt, lies auch ADHS und Depression.

11. Zyklus und Beschwerden notieren

Notizen helfen doppelt. Du siehst Muster, die dir im Alltag entgehen, und die Praxis bekommt etwas Konkretes in die Hand. Führ sie über mehrere Zyklen. Diese Punkte sind nützlich:

Wenn deine Beschwerden vor allem in den Tagen vor der Periode kommen, lies auch PMDS und ADHS.

Ein Hinweis aus dem Leitlinienentwurf: Wer für solche Notizen eine App nutzt, soll auf das Risiko hingewiesen werden, dass andere die Daten verwenden (13.1). Papier oder eine Tabelle auf deinem eigenen Gerät sind eine Alternative.

12. Autistisch und ADHS: AuDHD

Je nach Metaanalyse haben etwa 28 % (Lai u. a. 2019) bis 40 % (Rong u. a. 2021) der autistischen Menschen auch ADHS. Zu den Wechseljahren autistischer Frauen gibt es kaum Forschung. Eine kleine niederländische Studie mit 65 Frauen ab 40 fand bei den 30 autistischen Frauen mehr psychische und körperliche Wechseljahresbeschwerden als in der Vergleichsgruppe. Die Autorinnen halten es für möglich, dass eine stärkere Reizempfindlichkeit dazu beiträgt. Geprüft haben sie das nicht. Bei den nicht-autistischen Frauen hingen die Beschwerden unter anderem mit ADHS-Merkmalen zusammen.

Wenn beides auf dich zutrifft, erklärt unser Ratgeber AuDHD mehr über das Zusammenspiel von Autismus und ADHS.

13. Wohin zuerst? Praxen und Termine

In Deutschland kannst du dir unter den Kassenpraxen frei aussuchen, wo du hingehst (§ 76 SGB V). Für die Wechseljahre ist die gynäkologische Praxis die erste Adresse. Einen Termin dort vermittelt dir die 116117 auch ohne Überweisung. Für einen über die 116117 vermittelten Termin in der Psychiatrie brauchst du dagegen eine Überweisung mit Vermittlungscode. Für eine psychotherapeutische Sprechstunde brauchst du keine Überweisung.

Viele Frauen wünschen sich, dass jemand ADHS und Wechseljahre zusammen betrachtet. Du kannst das selbst anstoßen:

14. Häufige Fragen

Wird ADHS in den Wechseljahren schlimmer?

Viele Frauen erleben es so. In einer australischen Online-Befragung von Frauen mit ADHS gaben 97,5 % an, ihre ADHS sei in den Wechseljahren schlimmer geworden. Gemessen ist das aber nicht eindeutig: Eine isländische Bevölkerungsstudie fand bei Frauen mit ADHS stärkere Wechseljahresbeschwerden, eine Londoner Studie fand keinen Unterschied. Eine Studie, die ADHS-Anzeichen über die Wechseljahre hinweg verfolgt, gibt es bisher nicht. Deine eigene Erfahrung ist trotzdem ein guter Grund, das ärztlich anzusprechen.

Beginnt die Perimenopause bei ADHS früher?

Möglich, aber nicht belegt. In einer isländischen Studie hatten Frauen mit ADHS die höchsten Werte für Wechseljahresbeschwerden schon mit 35 bis 39 Jahren, Frauen ohne ADHS erst mit 45 bis 49. Derselbe Fragebogen zeigte aber schon bei 25- bis 30-Jährigen mit ADHS ähnlich hohe Werte. Die Forscherinnen schreiben selbst, dass er wohl auch allgemeine Beschwerden erfasst. Hormone oder das Alter bei der letzten Periode hat die Studie nicht gemessen.

Ist es ADHS oder der Brain Fog der Wechseljahre?

Oft ist beides im Spiel. Ein Hinweis ist der Zeitpunkt: ADHS-Anzeichen gibt es seit der Kindheit, Wechseljahresbeschwerden beginnen in der Lebensmitte. Außerdem machen Hitzewallungen, schlechter Schlaf und gedrückte Stimmung die Aufmerksamkeit bei allen Frauen schlechter. Der Entwurf der deutschen S3-Leitlinie verlangt, kognitive Beschwerden gründlich abzuklären, weil auch Schilddrüse, Depression oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen dahinterstecken können.

Hilft eine Hormontherapie in der Perimenopause gegen ADHS?

Das ist nicht untersucht. Wir haben keine kontrollierte Studie gefunden, die prüft, ob eine Hormontherapie ADHS-Anzeichen lindert. Eine europäische Expertengruppe schreibt 2025, dass hier Forschung zu medikamentösen Behandlungen fehlt. Eine Hormontherapie ist für Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen gedacht. Ob sie für dich in Frage kommt, entscheidest du mit deiner gynäkologischen Praxis.

Muss ich meine ADHS-Medikamente in der Perimenopause anpassen?

Nicht automatisch. Viele Frauen berichten, dass ihr Medikament schwächer zu wirken scheint. Eine Übersichtsarbeit von 2026 hält aber fest, dass es keine randomisierten Studien zu ADHS-Medikamenten in dieser Lebensphase gibt und dass nichts belegt, dass die Dosis routinemäßig geändert werden muss. Ob etwas geändert wird, entscheidet deine behandelnde Ärztin oder dein Arzt, am besten anhand deiner Notizen.

Kann ADHS erst in den Wechseljahren entstehen?

Nein. ADHS beginnt in der Kindheit. In den Wechseljahren kann sie aber zum ersten Mal auffallen, wenn Schlaf, Stimmung und Konzentration gleichzeitig nachlassen und die gewohnten Strategien nicht mehr reichen. Für eine Diagnose braucht es Hinweise, dass die Anzeichen schon früh da waren, zum Beispiel aus der eigenen Erinnerung, von Angehörigen oder aus alten Zeugnissen.

Woran merke ich, dass die Perimenopause beginnt?

Meist am Zyklus. Laut Entwurf der S3-Leitlinie kann eine Zykluslänge, die immer wieder um sieben Tage oder mehr vom Gewohnten abweicht, auf den Beginn hinweisen. Liegen mehr als 60 Tage zwischen zwei Blutungen, spricht das für eine fortgeschrittene Perimenopause. Dazu kommen oft Hitzewallungen, zuerst rund um die Periode, sowie Schlafprobleme und Stimmungsschwankungen.

Wohin gehe ich zuerst: Gynäkologie oder Psychiatrie?

Für die Wechseljahre ist die gynäkologische Praxis die erste Adresse. Einen Termin dort vermittelt die 116117 auch ohne Überweisung. Für einen über die 116117 vermittelten Termin in der Psychiatrie brauchst du eine Überweisung mit Vermittlungscode. Eine psychotherapeutische Sprechstunde geht ohne Überweisung. Sag beiden Seiten, was die andere weiß: der Gynäkologie von deiner ADHS, der ADHS-Behandlung von den Wechseljahren.

Quellen und Stand

Wir haben jede Zahl auf dieser Seite an der jeweiligen Quelle geprüft. Wo wir nur die Zusammenfassung lesen konnten, steht das dabei. Die S3-Leitlinie zitieren wir als Entwurf, weil die überarbeitete Fassung noch nicht verabschiedet ist.

Leitlinie und Versorgung in Deutschland

  1. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) u. a.: S3-Leitlinie „Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen“, AWMF-Registernummer 015-062, Konsultationsfassung Version 3.0, Stand 25.05.2026 (Entwurf zur Kommentierung, noch nicht verabschiedet). Kapitel 1 und 11; Statements 1.1–1.2; Empfehlungen 1.5, 2.1, 2.6–2.11, 2.14, 3.10, 9.1, 9.10, 11.1, 13.1 (gelesen: Volltext). ADHS wird darin nicht erwähnt. register.awmf.org
  2. DGGG u. a.: dieselbe Leitlinie, Fassung 2020, Langversion. Gültig vom 01.01.2020 bis 31.12.2024 (gelesen: Volltext, Abschnitt Gültigkeitsdauer). register.awmf.org
  3. Sozialgesetzbuch V, § 76 Freie Arztwahl. gesetze-im-internet.de
  4. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Terminvermittlung (Überweisung mit Vermittlungscode; Ausnahmen u. a. für Gynäkologie und psychotherapeutische Sprechstunde). kbv.de
  5. Patientenservice 116117: Psychotherapie (keine Überweisung nötig). 116117.de

ADHS, Hormone und Wechseljahre

  1. Jakobsdóttir Smári, U., Valdimarsdóttir, U. A., Wynchank, D. u. a. (2025): Perimenopausal symptoms in women with and without ADHD: A population-based cohort study. European Psychiatry 68(1), e133 (gelesen: Volltext). doi.org/10.1192/j.eurpsy.2025.10101
  2. Chapman, L., Gupta, K., Hunter, M. S. & Dommett, E. J. (2025): Examining the Link Between ADHD Symptoms and Menopausal Experiences. Journal of Attention Disorders29(14), 1263–1277 (gelesen: Volltext). doi.org/10.1177/10870547251355006
  3. Boyd, C., Wrigley, M., Kilbride, K., Mulligan, A. & Bramham, J. (2026): ADHD and the female reproductive stages: menstruation, perinatal and menopause. Archives of Women’s Mental Health 29(3), 89 (gelesen: Volltext). doi.org/10.1007/s00737-026-01718-x
  4. Dorani, F., Bijlenga, D., Beekman, A. T. F., van Someren, E. J. W. & Kooij, J. J. S. (2021): Prevalence of hormone-related mood disorder symptoms in women with ADHD. Journal of Psychiatric Research133, 10–15 (gelesen: Zusammenfassung). doi.org/10.1016/j.jpsychires.2020.12.005
  5. Osianlis, E., Thomas, E. H. X., Li, Q. u. a. (2026): ADHD in females: Survey findings on symptoms across hormonal life stages. Journal of Psychiatric Research193, 208–215 (gelesen: Zusammenfassung; Volltext nicht frei zugänglich). doi.org/10.1016/j.jpsychires.2025.11.035
  6. Osianlis, E., Thomas, E. H. X., Jenkins, L. M. & Gurvich, C. (2025): ADHD and Sex Hormones in Females: A Systematic Review. Journal of Attention Disorders29(9), 706–723 (gelesen: Volltext). doi.org/10.1177/10870547251332319
  7. Kooij, J. J. S., de Jong, M., Agnew-Blais, J. u. a. (2025): Research advances and future directions in female ADHD: the lifelong interplay of hormonal fluctuations with mood, cognition, and disease. Frontiers in Global Women’s Health 6, 1613628. Übersicht der Eunethydis-Arbeitsgruppe zu ADHS bei Frauen (gelesen: Volltext). doi.org/10.3389/fgwh.2025.1613628
  8. Wynchank, D. & Kooij, S. (2026): Pharmacological Management of ADHD in Women Across Perimenopause, Menopause and Post-Menopause. Drugs & Aging43(5), 385–395 (gelesen: Volltext). Laut Artikel betreiben die Autorinnen eine Online-Lernplattform zu ADHS. doi.org/10.1007/s40266-026-01291-z
  9. Kini-Seery, C., Trevaskis, S., Kilbride, K., Wrigley, M. & Bramham, J. (2026): „Hormones rule me“: A qualitative exploration of the impact of perimenopause on women with ADHD. Women’s Health 22 (gelesen: Zusammenfassung). doi.org/10.1177/17455057261450178
  10. Demontis, D., Walters, R. K., Martin, J. u. a. (2019): Discovery of the first genome-wide significant risk loci for attention deficit/hyperactivity disorder. Nature Genetics51, 63–75 (gelesen: Haupttext; eine Angabe zum Menopausealter haben wir dort nicht gefunden). doi.org/10.1038/s41588-018-0269-7

Autismus und AuDHD

  1. Groenman, A. P., Torenvliet, C., Radhoe, T. A., Agelink van Rentergem, J. A. & Geurts, H. M. (2022): Menstruation and menopause in autistic adults: Periods of importance? Autism 26(6), 1563–1572 (gelesen: Volltext). doi.org/10.1177/13623613211059721
  2. Lai, M.-C. u. a. (2019): Prevalence of co-occurring mental health diagnoses in the autism population: a systematic review and meta-analysis. Lancet Psychiatry 6, 819–829. doi.org/10.1016/S2215-0366(19)30289-5
  3. Rong, Y., Yang, C.-J., Jin, Y. & Wang, Y. (2021): Prevalence of attention-deficit/hyperactivity disorder in individuals with autism spectrum disorder: A meta-analysis. Research in Autism Spectrum Disorders 83, 101759. doi.org/10.1016/j.rasd.2021.101759

Stand: 17. Oktober 2026

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Nur zur Information – keine medizinische Beratung und keine Diagnose. Entscheidungen über Hormontherapie und ADHS-Medikamente triffst du mit deiner behandelnden Ärztin oder deinem Arzt. Wenn dich suizidale Gedanken begleiten, erreichst du die TelefonSeelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Im Notfall wähl die 112.