1. Menopause und Postmenopause: die Begriffe
Im Alltag werden Wechseljahre, Menopause und Postmenopause oft durcheinandergeworfen. In der Medizin sind sie klar getrennt:
- Menopause ist ein einzelner Moment, nämlich die letzte Monatsblutung. Man erkennt sie erst im Rückblick. Laut Entwurf der S3-Leitlinie ist eine Postmenopause wahrscheinlich, wenn eine Frau über 45 mit bisher beobachtbarer Periode zwölf Monate lang keine Blutung mehr hatte (Statement 1.3).
- Postmenopause ist alles danach. Estradiol, die wichtigste Form des Östrogens, und Progesteron bleiben dauerhaft niedrig. Das Auf und Ab der Übergangsjahre hört auf, die Spiegel bleiben aber unten.
- Wechseljahre ist das Alltagswort für die ganze Umstellung, von den ersten Zyklusveränderungen bis in die ersten Jahre nach der letzten Periode.
In Studien lag das Alter bei der letzten Periode im Mittel zwischen 50 und 53 Jahren, mit einer Streuung von zwei bis drei Jahren.
Wenn sich die Periode nicht beobachten lässt. Mit einer Hormonspirale, nach einer Verödung der Gebärmutterschleimhaut oder nach Entfernung der Gebärmutter bei erhaltenen Eierstöcken fehlt das Blutungsmuster als Zeichen. Dann können Blutwerte wie FSH oder AMH helfen, im Zweifel auch Estradiol (1.6). Werden die Gebärmutter und beide Eierstöcke entfernt, beginnt die Postmenopause sofort. Viele Frauen bekommen dann innerhalb der ersten drei Monate Beschwerden.
Hitzewallungen enden nicht mit der letzten Periode. Der Entwurf zitiert Studien, nach denen sie bei Frauen, deren Hitzewallungen schon vor oder früh im Übergang begannen, nach der letzten Periode im Median noch 9,4 Jahre anhielten. Begannen sie erst in der Postmenopause, dauerten sie im Median 3,4 Jahre. Scheidentrockenheit und sexuelle Veränderungen nehmen nach der Menopause dagegen eher zu.
2. Wie geht es mit ADHS nach der Menopause weiter?
Die ehrliche Antwort lautet: Das weiß bisher niemand genau. Die Forschungslage in drei Sätzen:
- Eine systematische Übersicht fand bis Januar 2025 keine einzige Studie, die ADHS während der Menopause untersucht hat.
- Eine europäische Expertengruppe schreibt 2025, dass keine Studie verfolgt hat, wie sich Planen, Steuern und Arbeitsgedächtnis bei Frauen mit ADHS über die Wechseljahre verändern.
- Über ADHS-Medikamente bei Frauen nach der Menopause ist laut einer Übersicht von 2026 wenig bekannt.
Was es gibt, sind Momentaufnahmen. Sie zeigen kein einheitliches Bild:
- In einer isländischen Bevölkerungsstudie hatten Frauen mit ADHS zwischen 60 und 65 Jahren ähnlich hohe Werte auf einer Skala für Wechseljahresbeschwerden wie jüngere Frauen mit ADHS (17,2 Punkte, ohne ADHS 11,1). Die Skala erfasst also wohl auch Beschwerden, die mit der ADHS selbst oder mit anderen Belastungen zusammenhängen.
- In einer Londoner Studie mit 656 Frauen zwischen 45 und 60 gaben Frauen in der Postmenopause im Schnitt bessere Werte bei Gedächtnis und Konzentration an als Frauen in der Perimenopause. Das galt für die ganze Gruppe, mit und ohne ADHS. Es ist ein Vergleich verschiedener Frauen, kein Verlauf bei denselben Frauen.
- Laut Leitlinienentwurf ist gedrückte Stimmung in der späten Perimenopause und in der frühen Postmenopause am stärksten.
Die Aussage „Nach der Menopause wird es für die meisten leichter“ lässt sich für ADHS also nicht belegen. Manche Frauen erleben die Jahre danach als ruhiger, andere nicht. Wenn es dir nach der letzten Periode nicht besser geht, hast du nichts falsch gemacht. Es ist ein Grund, die Behandlung neu anzuschauen.
3. Gedächtnis, Konzentration und Demenz
Viele Frauen nach der Menopause haben das Gefühl, ihr Gedächtnis lasse nach. Das beschreibt auch die europäische Expertengruppe. Mit ADHS liegt die Sorge nahe, dass beides zusammenkommt. Was ist bekannt?
Hormontherapie und Denken. Eine Metaanalyse von 34 randomisierten Studien mit zusammen über 27.000 Frauen fand insgesamt keine Wirkung der Hormontherapie auf die geprüften Denkbereiche, auch nicht auf Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis. Nur in Teilgruppen gab es Unterschiede. Östrogen, das nahe am Beginn der Menopause begonnen wurde, ging mit einem etwas besseren sprachlichen Gedächtnis einher. Eine kombinierte Therapie, in den Studien meist erst im höheren Alter begonnen, ging dagegen mit schlechteren Werten im Mini-Mental-Status-Test einher, einem kurzen Test der geistigen Leistungsfähigkeit.
Hormontherapie und Demenz. Der Leitlinienentwurf empfiehlt ausdrücklich keine Hormontherapie, um Demenz vorzubeugen (starke Empfehlung dagegen, 8.1). Der Entwurf zitiert eine große US-Studie, in der Demenz häufiger auftrat, wenn eine kombinierte Hormontherapie erst mit 65 Jahren oder später begann. Für Frauen in der Perimenopause fand die Leitliniengruppe zu dieser Frage keine Studien.
Wenn es nicht besser wird. Bessern sich Gedächtnis und Konzentration unter einer Hormontherapie nicht, soll die Praxis laut Entwurf die Diagnose Postmenopause und andere Ursachen prüfen, zum Beispiel die Schilddrüse, eine Depression oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachten (3.10). ADHS steht nicht auf dieser Liste. Aus unserer Sicht gehört sie dazu, wenn die Schwierigkeiten dich schon seit der Kindheit begleiten.
4. Hormontherapie: was der Leitlinienentwurf empfiehlt
Welche Fassung gilt? Die deutsche S3-Leitlinie „Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen“ (AWMF 015-062) von 2020 war bis zum 31.12.2024 gültig. Eine grundlegend überarbeitete Fassung liegt seit Mai 2026 als Konsultationsfassung vor (Version 3.0, Stand 25.05.2026). Das ist ein Entwurf zur öffentlichen Kommentierung, die Endfassung kann abweichen. Wir geben hier den Entwurf wieder, mit den Nummern seiner Empfehlungen.
Die wichtigsten Punkte für die Zeit nach der letzten Periode:
- Bei Hitzewallungen: Frauen in der Postmenopause soll eine Hormontherapie angeboten werden, wenn nichts dagegen spricht und sie über kurzfristigen (bis zu fünf Jahre) und langfristigen Nutzen und Risiken aufgeklärt wurden (starke Empfehlung, 3.9).
- Mit oder ohne Gebärmutter: Wer eine Gebärmutter hat, bekommt Östrogen zusammen mit einem Gestagen, das die Gebärmutterschleimhaut schützt. Östrogen allein kommt nur nach einer Entfernung der Gebärmutter in Frage (3.9, 10.4).
- Knochen: Die Knochendichte nimmt im Übergang und danach ab (7.1). Für den Schutz vor Knochenbrüchen gibt es laut Entwurf die besten Daten für Östrogene und Gestagene (7.3). Darüber soll aufgeklärt werden, wenn eine Hormontherapie besprochen wird (7.2).
- Nicht zur Vorbeugung: weder gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen (6.4) noch gegen Demenz (8.1).
- Wenn sie nicht hilft: Diagnose und andere Ursachen prüfen, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachten (3.10, 4.1).
Über eine Hormontherapie entscheidest du gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, zum Beispiel in der gynäkologischen Praxis. Einen Termin dort vermittelt dir die 116117 auch ohne Überweisung.
5. Risiken: Thrombose, Brustkrebs, Herz
Thrombose und Schlaganfall. Frauen sollen erfahren, dass das Risiko für Thrombosen und Schlaganfall bei Östrogen als Tablette deutlich höher ist als bei Anwendung über die Haut, etwa als Pflaster oder Gel. Das Risiko hängt von der Dosis ab und ist in der frühen Postmenopause vermutlich niedriger als später (6.3).
Herz und Kreislauf. Vor einer Östrogentherapie sollen Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und starkes Übergewicht abgeklärt und, wenn nötig, behandelt werden (6.1). Nach einer Thrombose oder einem Herz-Kreislauf-Ereignis wie einem Herzinfarkt ist eine Östrogentherapie kontraindiziert, kommt also nicht in Frage (6.4).
Brustkrebs. Frauen, die eine Hormontherapie erwägen, sollen darüber aufgeklärt werden, dass sie das Brustkrebsrisiko gering erhöhen kann (10.1). Im Hintergrundtext heißt es: Bei der Kombination aus Östrogen und Gestagen ist ein höheres Risiko belegt, das mit der Dauer der Anwendung zunimmt. Für Östrogen allein sind die Ergebnisse weniger einheitlich. Die Empfehlung 10.1 bekam im Entwurf 75 % Zustimmung, und eine beteiligte Fachgesellschaft hat ein Sondervotum angekündigt. Nach Brustkrebs soll keine Hormontherapie für den ganzen Körper erfolgen. Nur im Einzelfall kann sie erwogen werden, wenn andere Mittel versagt haben und die Lebensqualität stark eingeschränkt ist (10.2).
Eierstockkrebs. Pro 1.000 Frauen mit Hormontherapie wurde über fünf Jahre ein zusätzlicher Fall beobachtet (Statement 10.8).
Wie groß dein persönliches Risiko ist, hängt von Alter, Vorerkrankungen, Familie, Art der Hormone und Dauer ab. Das gehört in das ärztliche Gespräch, nicht in eine Faustregel.
6. Hormontherapie und ADHS: was belegt ist
Oft liest du, eine Hormontherapie bringe die ADHS „wieder ins Lot“, weil Östrogen das Dopamin stütze. Diese Idee stammt aus Tier- und Laborstudien. Beim Menschen ist sie nicht belegt, mehr dazu im Ratgeber ADHS und Perimenopause. Der Stand der Forschung:
- Keine kontrollierte Studie hat geprüft, ob eine Hormontherapie ADHS-Anzeichen lindert. Die europäische Expertengruppe zitiert Umfragen, in denen Frauen mit ADHS genau das als offene Frage nennen: welche Hormontherapie für sie am besten passt. Sie fordert Studien zu hormonellen Behandlungen erst ein.
- Laut der Übersicht von 2026 ist die Wirkung einer Hormontherapie auf die ADHS-Behandlung nicht formal untersucht.
- In einer irischen Befragung unterschieden sich Frauen mit ADHS mit und ohne Hormontherapie nicht in ihren Wechseljahresbeschwerden.
Wie gehen erfahrene Fachleute trotzdem vor? Die Autorinnen der Übersicht von 2026 beschreiben ihr Vorgehen so: Ist eine Frau mit ADHS gut eingestellt und hat trotzdem Wechseljahresbeschwerden, ergänzen sie eine Hormontherapie, wo sie medizinisch angezeigt ist. Das ADHS-Medikament ändern sie nicht vorsorglich. Die Hormontherapie zielt dabei auf Hitzewallungen, Schlaf und Stimmung, nicht auf die ADHS. Das ist Praxiserfahrung aus einer Klinik, keine Studie.
7. Ohne Hormone: weitere Möglichkeiten
Nicht jede Frau will oder darf eine Hormontherapie. Der Leitlinienentwurf nennt für die Postmenopause auch andere Wege:
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): kann bei Hitzewallungen eingesetzt werden (3.2) und bei Schlafstörungen und für die Lebensqualität angeboten werden (3.3). Für eine psychotherapeutische Sprechstunde brauchst du keine Überweisung.
- Yoga und Qi Gong: können bei Hitzewallungen, psychischen Beschwerden und für die Lebensqualität eingesetzt werden (3.1).
- Fezolinetant und Elinzanetant: zwei Wirkstoffe ohne Hormone gegen Hitzewallungen. Sie können angeboten werden, unter den Bedingungen ihrer Fachinformation (3.6). Bei akuter Lebererkrankung mit deutlich erhöhten Leberwerten sind laut Entwurf sowohl eine Hormontherapie als auch diese Gruppe von Wirkstoffen kontraindiziert (12.2).
- Isoflavone: können bei Hitzewallungen und Schlafstörungen angeboten werden (3.4). Bei depressiven Beschwerden in der Postmenopause sollen sie nicht eingesetzt werden (9.22).
- Gabapentin: soll gegen Hitzewallungen, Schlafstörungen oder für die Lebensqualität nicht angeboten werden (3.5).
- Scheidentrockenheit: Eine örtliche Östrogenbehandlung sollte angeboten werden (5.1). Niedrig dosiert hebt sie die Hormonspiegel im Blut laut Entwurf kaum an.
Welche Option zu dir passt, hängt von deinen Beschwerden, deinen anderen Medikamenten und deinen Vorerkrankungen ab. Mengen und Einnahme klärst du mit der Praxis.
8. ADHS-Medikamente nach der Menopause
Für Frauen nach der Menopause gibt es keine randomisierten Studien zu ADHS-Medikamenten, weder zu Stimulanzien noch zu anderen Wirkstoffen. Die Übersicht von 2026 stützt sich deshalb auf Erfahrungen mit jüngeren Erwachsenen, kleine Beobachtungsstudien und Expertenmeinung.
Zwei Punkte hebt sie besonders hervor:
- Herz und Kreislauf. Das Risiko steigt mit dem Alter. ADHS selbst ist mit einem höheren Risiko für Bluthochdruck, Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden, auch ohne Medikamente. Deshalb raten die Autorinnen, Blutdruck, Puls, Gewicht, Schlaf und Stimmung regelmäßig zu prüfen.
- Wechselwirkungen. Ob sich Stimulanzien und Hormontherapie gegenseitig beeinflussen, ist eine offene Forschungsfrage. Sag deshalb jeder Praxis, was du nimmst.
Ändere nichts auf eigene Faust. Welche Wirkstoffe es in Deutschland gibt, steht im Ratgeber ADHS-Medikamente. Wie sich ADHS im späteren Leben zeigt, beschreibt ADHS im Ruhestand.
9. Stimmung und Depression
Nach der Menopause ist die Stimmung nicht automatisch stabil. Der Entwurf beschreibt die frühe Postmenopause als eine der Zeiten, in denen depressive Beschwerden am stärksten sind. Für diese Jahre nennt er:
- KVT bei depressiven Beschwerden kann angeboten werden (9.9).
- Bei depressiven Beschwerden unterhalb einer depressiven Episode können bestimmte Antidepressiva aus den Gruppen SSRI und SNRI angeboten werden (9.14). Gegen Angst allein, ohne depressive Episode, sollten sie nicht angeboten werden (9.15).
- Bei einer depressiven Episode gilt die Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression (9.13, 9.17).
Eine Hormontherapie gegen gedrückte Stimmung nennt der Entwurf in seinen Empfehlungen nur für den Beginn der Perimenopause, nicht für die Zeit danach. Depressionen und Ängste kommen bei Frauen mit ADHS häufiger vor, schreibt die isländische Forschungsgruppe. Mehr dazu in ADHS und Depression.
10. Vorzeitige Menopause vor 40
Hören die Eierstöcke vor dem 40. Geburtstag auf zu arbeiten, heißt das vorzeitige Ovarialinsuffizienz, kurz POI. Laut Leitlinienentwurf betrifft sie weltweit etwa 3,5 % der Frauen. In 70 bis 90 % der Fälle bleibt die Ursache unklar. Bekannte Ursachen sind Veränderungen der Erbanlagen, Autoimmunerkrankungen und Behandlungen wie Operationen an den Eierstöcken, Chemo- oder Strahlentherapie.
Was der Entwurf für Frauen mit POI empfiehlt:
- eine Hormontherapie bis zum durchschnittlichen Alter der natürlichen Menopause, also 50 bis 52 Jahre, wenn nichts dagegen spricht (11.11). Die Fachgesellschaft der Allgemeinmedizin (DEGAM) schlägt in einem Sondervotum vor, die Hormontherapie mindestens bis zum Alter von 45 Jahren zu empfehlen.
- Beratung zu Herz-Kreislauf-Risiken und zu Rauchen, Gewicht und Lebensstil (11.10)
- Information über die geringeren Chancen, schwanger zu werden (11.6)
- psychologische Unterstützung (11.14)
Hängt eine POI mit ADHS zusammen? Das ist nicht untersucht. Die europäische Expertengruppe hält einen Zusammenhang für möglich und fordert Studien. Ob Frauen mit ADHS insgesamt früher in die Menopause kommen, ist ebenfalls offen; die Studienlage dazu erklärt der Ratgeber ADHS und Perimenopause.
11. ADHS-Diagnose nach 50
Eine ADHS-Diagnose ist auch mit 55 oder 65 noch möglich. Voraussetzung bleibt, dass die Anzeichen schon in der Kindheit da waren. Die Londoner Forschungsgruppe weist darauf hin, dass sich ADHS und Wechseljahresbeschwerden auf Fragebögen stark überschneiden. Für die Diagnose ist das aus ihrer Sicht weniger ein Problem, weil sie sich nicht allein auf Fragebögen stützt, sondern vor allem auf ein ausführliches klinisches Gespräch.
Wie eine Abklärung im Erwachsenenalter in Deutschland abläuft, steht in Späte ADHS-Diagnose und ADHS bei Frauen.
12. Das Gespräch über eine Hormontherapie vorbereiten
Mit ADHS hilft es, die wichtigsten Punkte vorher aufzuschreiben. Im Gespräch selbst geht sonst leicht etwas unter.
- Ziel: Welche Beschwerde soll besser werden? Hitzewallungen, Schlaf, Scheidentrockenheit, Stimmung?
- Risiken: Thrombosen, Brustkrebs in der Familie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lebererkrankungen, Rauchen.
- Form: Tablette oder über die Haut? Frag, warum die Praxis das eine oder das andere vorschlägt.
- Dauer: Wann wird neu bewertet, ob die Therapie noch nötig ist?
- Erfolg: Woran merkt ihr, ob sie wirkt? Notiere die Beschwerden vorher, dann kannst du vergleichen.
- Medikamente: Nenn alle, auch deine ADHS-Medikamente, damit Wechselwirkungen geprüft werden können.
13. Häufige Fragen
Wird ADHS nach der Menopause besser?
Für ADHS weiß das niemand genau, denn keine Studie hat Frauen mit ADHS über die Menopause hinweg begleitet. In einer Londoner Studie berichteten Frauen nach der Menopause über bessere Werte bei Gedächtnis und Konzentration als Frauen in der Perimenopause, mit und ohne ADHS. Das war aber ein Vergleich verschiedener Frauen zu einem Zeitpunkt. Manche erleben die Jahre danach als ruhiger, andere nicht. Beides ist möglich.
Bessert eine Hormontherapie nach der Menopause ADHS-Anzeichen?
Das ist nicht in kontrollierten Studien geprüft. Eine Übersichtsarbeit von 2026 hält fest, dass die Wirkung einer Hormontherapie auf die ADHS-Behandlung nicht formal untersucht ist. Der Entwurf der deutschen S3-Leitlinie empfiehlt eine Hormontherapie bei Hitzewallungen, wenn nichts dagegen spricht. Auf Denkleistungen wie Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis fand eine Metaanalyse von 34 Studien insgesamt keine Wirkung.
Erhöht eine Hormontherapie das Brustkrebsrisiko?
Sie kann es gering erhöhen. So formuliert es der Entwurf der S3-Leitlinie, und Frauen sollen vor der Entscheidung darüber aufgeklärt werden. Das Risiko hängt von der Art der Hormone und der Dauer ab: Bei Östrogen plus Gestagen ist ein Anstieg belegt, der mit den Jahren der Anwendung zunimmt. Nach Brustkrebs soll keine Hormontherapie für den ganzen Körper erfolgen, außer in Einzelfällen.
Schützt eine Hormontherapie vor Demenz?
Nein. Der Entwurf der S3-Leitlinie rät ausdrücklich davon ab, eine Hormontherapie zur Vorbeugung von Demenz einzusetzen. In einer großen US-Studie, die der Entwurf zitiert, trat Demenz häufiger auf, wenn eine kombinierte Hormontherapie erst mit 65 Jahren oder später begann.
Wie lange dauern Hitzewallungen nach der letzten Periode?
Sehr unterschiedlich. Laut Leitlinienentwurf hielten sie bei Frauen, die sie schon vor oder früh im Übergang bekamen, nach der letzten Periode im Median noch 9,4 Jahre an. Bei Frauen, bei denen sie erst nach der Menopause begannen, waren es im Median 3,4 Jahre. Lange Hitzewallungen stören oft den Schlaf, und schlechter Schlaf macht vieles schwerer.
Darf ich ADHS-Medikamente und eine Hormontherapie gleichzeitig nehmen?
Mögliche Wechselwirkungen zwischen Stimulanzien und Hormontherapie nennt eine Übersichtsarbeit von 2026 als offene Forschungsfrage. Der Leitlinienentwurf empfiehlt, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu prüfen, wenn eine Hormontherapie nicht wirkt oder Nebenwirkungen macht. Sag also beiden Praxen, was du nimmst. Die Entscheidung trifft deine behandelnde Ärztin oder dein Arzt.
Kommen Frauen mit ADHS früher in die Menopause?
Das ist nicht belegt. Eine isländische Studie deutet an, dass Wechseljahresbeschwerden bei ADHS früher beginnen könnten, hat aber weder Hormone gemessen noch das Alter bei der letzten Periode ausgewertet. Eine Periode, die schon vor 40 ausbleibt, solltest du immer gynäkologisch abklären lassen.
Was ist der Unterschied zwischen Menopause und Postmenopause?
Die Menopause ist ein einzelner Zeitpunkt: die letzte Periode. Man erkennt sie im Rückblick, wenn zwölf Monate lang keine Blutung mehr kam. Die Postmenopause ist die ganze Zeit danach. In ihr bleiben Östrogen und Progesteron dauerhaft niedrig.
Verwandte Ratgeber
Quellen und Stand
Wir haben jede Zahl auf dieser Seite an der jeweiligen Quelle geprüft. Wo wir nur die Zusammenfassung lesen konnten, steht das dabei. Zahlen, die der Leitlinienentwurf aus anderen Arbeiten übernimmt, geben wir als Angabe des Entwurfs wieder.
Leitlinie und Versorgung in Deutschland
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) u. a.: S3-Leitlinie „Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen“, AWMF-Registernummer 015-062, Konsultationsfassung Version 3.0, Stand 25.05.2026 (Entwurf zur Kommentierung, noch nicht verabschiedet). Kapitel 1, 8, 10.1–10.2 und 11; Statements 1.3, 7.1, 7.3, 10.8; Empfehlungen 1.6, 3.1–3.6, 3.9, 3.10, 4.1, 5.1, 6.1, 6.3, 6.4, 7.2, 8.1, 9.9, 9.13–9.15, 9.17, 9.22, 10.1, 10.2, 10.4, 11.6, 11.10, 11.11 mit Sondervotum, 11.14, 12.2 (gelesen: Volltext). register.awmf.org · Leitlinienreport zur Konsultation: register.awmf.org
- DGGG u. a.: dieselbe Leitlinie, Fassung 2020, Langversion. Gültig vom 01.01.2020 bis 31.12.2024 (gelesen: Volltext, Abschnitt Gültigkeitsdauer). register.awmf.org
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Terminvermittlung (Termine bei Gynäkologen und die psychotherapeutische Sprechstunde ohne Überweisung mit Vermittlungscode). kbv.de
- Patientenservice 116117: Psychotherapie (keine Überweisung nötig). 116117.de
ADHS, Hormone und Menopause
- Osianlis, E., Thomas, E. H. X., Jenkins, L. M. & Gurvich, C. (2025): ADHD and Sex Hormones in Females: A Systematic Review. Journal of Attention Disorders29(9), 706–723 (gelesen: Volltext). doi.org/10.1177/10870547251332319
- Kooij, J. J. S., de Jong, M., Agnew-Blais, J. u. a. (2025): Research advances and future directions in female ADHD: the lifelong interplay of hormonal fluctuations with mood, cognition, and disease. Frontiers in Global Women’s Health 6, 1613628. Übersicht der Eunethydis-Arbeitsgruppe zu ADHS bei Frauen (gelesen: Volltext). doi.org/10.3389/fgwh.2025.1613628
- Wynchank, D. & Kooij, S. (2026): Pharmacological Management of ADHD in Women Across Perimenopause, Menopause and Post-Menopause. Drugs & Aging43(5), 385–395 (gelesen: Volltext). Laut Artikel betreiben die Autorinnen eine Online-Lernplattform zu ADHS. doi.org/10.1007/s40266-026-01291-z
- Chapman, L., Gupta, K., Hunter, M. S. & Dommett, E. J. (2025): Examining the Link Between ADHD Symptoms and Menopausal Experiences. Journal of Attention Disorders29(14), 1263–1277 (gelesen: Volltext). doi.org/10.1177/10870547251355006
- Jakobsdóttir Smári, U., Valdimarsdóttir, U. A., Wynchank, D. u. a. (2025): Perimenopausal symptoms in women with and without ADHD: A population-based cohort study. European Psychiatry 68(1), e133 (gelesen: Volltext). doi.org/10.1192/j.eurpsy.2025.10101
- Boyd, C., Wrigley, M., Kilbride, K., Mulligan, A. & Bramham, J. (2026): ADHD and the female reproductive stages: menstruation, perinatal and menopause. Archives of Women’s Mental Health 29(3), 89 (gelesen: Volltext). doi.org/10.1007/s00737-026-01718-x
- Andy, C., Nerattini, M., Jett, S. u. a. (2024): Systematic review and meta-analysis of the effects of menopause hormone therapy on cognition. Frontiers in Endocrinology 15, 1350318 (gelesen: Zusammenfassung). doi.org/10.3389/fendo.2024.1350318
Stand: 26. September 2026
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