Die vier Medikamente im Überblick
| Elvanse | Ritalin | Medikinet | Concerta | |
|---|---|---|---|---|
| Wirkstoff | Lisdexamfetamin | Methylphenidat | Methylphenidat | Methylphenidat |
| Klasse | Amphetamin (Prodrug) | Methylphenidat — dasselbe Molekül, andere Freisetzung | ||
| Wirkdauer (ca.) | 10–13 h | 3–4 h (unretardiert), 6–8 h (Adult) | 3–4 h (unretardiert), 6–8 h (adult) | 10–12 h |
| Verlauf | langsames Anfluten, gleichmäßig | schneller Beginn; retardiert mit zwei Spitzen | gestuft über den Tag | |
| Stärken für Erwachsene | 20–70 mg | Adult: 10–40 mg | adult: 5–60 mg | 18–54 mg |
| Rezept | alle: BtM-Rezept; Kassenverordnung bei Erwachsenen durch bestimmte Fachärzt:innen nach G-BA-Regeln | |||
Richtwerte aus den Fachinformationen; die gefühlte Wirkdauer ist individuell und oft kürzer oder länger.
Elvanse (Lisdexamfetamin)
- Wirkstoff: Lisdexamfetamin (Prodrug)
- Darreichung: Hartkapseln in 20, 30, 40, 50, 60 und 70 mg. Seit März 2024 bekommen Erwachsene das normale Elvanse — das frühere Elvanse Adult wurde vom Hersteller eingestellt.
- Wirkdauer: 10–13 Stunden
- Mechanismus: wandelt sich im Körper enzymatisch in Dexamfetamin um, das die Ausschüttung von Dopamin und Noradrenalin erhöht und ihre Wiederaufnahme blockiert
- Missbrauchspotenzial: gilt als geringer als bei anderen Amphetaminen (Prodrug-Struktur)
- GKV-Erstattung: seit 2019 auch für Erwachsene zugelassen und als Kassenleistung erstattungsfähig (bei gesicherter ADHS-Diagnose)
- Rezept: BtM-Rezept (Betäubungsmittelrezept, gültig 7 Tage ab Ausstellung)
Ritalin (Methylphenidat)
- Wirkstoff: Methylphenidat — derselbe wie in Medikinet und Concerta
- Darreichungen: Ritalin (unretardierte Tabletten, schnell wirkend) und Ritalin Adult (Hartkapseln mit veränderter Freisetzung, 10, 20, 30 und 40 mg) für Erwachsene
- Wirkdauer: unretardiert etwa 3–4 Stunden; Ritalin Adult etwa 6–8 Stunden
- Einnahme: Ritalin Adult einmal morgens; nicht zu spät am Tag, weil es sonst den Schlaf stören kann
- Missbrauchspotenzial: mittel; beim unretardierten Ritalin höher als bei der Retardform
- Rezept: BtM-Rezept; Kassenleistung bei gesicherter Diagnose
Wenn du „Ritalin“ liest, ist oft einfach Methylphenidat gemeint — der Name ist im Alltag zum Oberbegriff geworden. Alles, was auf dieser Seite über Methylphenidat steht, gilt für Ritalin genauso.
Medikinet (Methylphenidat)
- Wirkstoff: Methylphenidat (Hydrochlorid)
- Darreichungen: Medikinet (unretardiert, schnell wirkend — 5, 10, 20 mg) und Medikinet adult / Medikinet retard (veränderte Freisetzung; Medikinet adult in 5 bis 60 mg)
- Einnahme: Medikinet adult mit oder nach einer Mahlzeit — sonst setzt die Kapsel den Wirkstoff nicht richtig verzögert frei
- Wirkdauer: unretardiert — 3–4 Stunden; retard — 6–8 Stunden (etwa die Hälfte wird schnell, der Rest verzögert freigesetzt)
- Mechanismus: blockiert die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin (anderer Mechanismus als Amphetamine — stärker über die Blockade der Transporter als über erzwungene Ausschüttung)
- Missbrauchspotenzial: mittel; höher bei IR als bei der Retardform
- GKV-Erstattung: Kassenleistung bei ADHS im Erwachsenenalter (bei gesicherter Diagnose und Dokumentation)
- Rezept: BtM-Rezept
Concerta (Methylphenidat OROS)
- Wirkstoff: Methylphenidat mit verzögerter Freisetzung
- Darreichung: Tabletten mit OROS-Technologie (osmotisches Freisetzungssystem) in 18, 27, 36, 54 mg
- Wirkdauer: 10–12 Stunden
- Mechanismus: derselbe wie Medikinet (Methylphenidat blockiert die Wiederaufnahme), aber die OROS-Technologie gibt den Wirkstoff gleichmäßiger ab — mit einem Anstieg am Morgen und einem zweiten am Nachmittag
- Missbrauchspotenzial: mittel, geringer als Medikinet IR (die OROS-Technologie verhindert eine schnelle Freisetzung)
- GKV-Erstattung: Kassenleistung bei ADHS; ein günstiges Methylphenidat-Generikum verschreibt die Praxis oft bei stabiler Einstellung
- Rezept: BtM-Rezept
Worin sich diese Medikamente tatsächlich unterscheiden
- Wirkstoffklasse: Elvanse ist ein Amphetamin (Prodrug). Ritalin, Medikinet und Concerta sind drei Formen von Methylphenidat (andere Klasse, untereinander dasselbe Molekül).
- Zeitprofil: alle drei haben länger wirkende Varianten; die konkrete Kinetik unterscheidet sich (Concerta — OROS, Elvanse — Prodrug, Medikinet retard — Pellets mit modifizierter Freisetzung).
- Wirkbeginn: Concerta — stufenweiser Anstieg, erste Spitze nach 1–2 Stunden; Medikinet IR — schnelle Spitze nach etwa 1 Stunde; Elvanse — sanftestes Anfluten, Spitze nach 3–4 Stunden.
- Spitze vs. Stabilität: Medikinet IR hat die größten Schwankungen im Tagesverlauf; Elvanse die kleinsten.
- Missbrauchspotenzial: Elvanse am niedrigsten, Medikinet IR am höchsten.
- Nebenwirkungen: individuell, aber Concerta und Medikinet dämpfen den Appetit meist weniger als Elvanse.
- Eigenanteil: alle drei sind GKV-Kassenleistung; in der Regel zahlst du die gesetzliche Zuzahlung (5–10 € pro Packung, je nach Preis), Befreiung möglich bei Erreichen der Belastungsgrenze.
Elvanse vs. Ritalin: was ist der Unterschied?
Das ist die Frage, die am häufigsten gestellt wird — und sie ist im Kern die Frage Lisdexamfetamin vs. Methylphenidat. Die wichtigsten Unterschiede:
- Wie sie wirken: Methylphenidat (Ritalin) blockiert vor allem die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin — die Botenstoffe bleiben länger im synaptischen Spalt. Dexamfetamin aus Elvanse blockiert die Wiederaufnahme ebenfalls, setzt die Botenstoffe aber zusätzlich aktiv frei.
- Wie lange sie wirken: unretardiertes Ritalin etwa 3–4 Stunden, Ritalin Adult etwa 6–8 Stunden, Elvanse oft 10–13 Stunden. Mit Elvanse reicht meist eine Kapsel am Morgen für den ganzen Tag.
- Wie sie sich anfühlen: Ritalin setzt schnell ein, oft innerhalb von 30–60 Minuten, und lässt spürbarer nach. Elvanse flutet langsamer an (volle Wirkung oft erst nach einigen Stunden) und klingt sanfter ab. Manche Menschen beschreiben Ritalin als „an/aus“ und Elvanse als „Hintergrund“.
- Steuerbarkeit: Das ist ein Vorteil von unretardiertem Ritalin: Die kurze Wirkung lässt sich gezielt auf Termine legen und klingt vor dem Schlafen ab. Elvanse lässt sich nicht kürzer machen — wer spät noch wach ist, merkt es länger.
- Ist Elvanse stärker? Nicht pro Milligramm vergleichbar, weil es zwei verschiedene Wirkstoffe sind. Was viele als „stärker“ erleben, ist meist die längere und gleichmäßigere Wirkung.
Warum Elvanse bei manchen nicht wirkt: Häufige Gründe sind eine noch zu niedrige Dosis (Elvanse wird schrittweise eingestellt), zu wenig Zeit zum Beurteilen, ein ungünstiger Zeitpunkt der Einnahme — oder schlicht, dass dein Nervensystem besser auf Methylphenidat anspricht. Das ist kein Versagen, sondern genau die Information, die deine Praxis für den nächsten Schritt braucht.
Elvanse oder Medikinet — was ist besser?
Es gibt kein allgemein besseres Mittel. Aber es gibt ehrliche Anhaltspunkte:
- Was die Studien im Mittel zeigen: Die bisher größte Netzwerk-Metaanalyse (Cortese et al., Lancet Psychiatry 2018; über 10.000 Erwachsene) kam zu dem Schluss, dass bei Erwachsenen Amphetamine — dazu zählt Lisdexamfetamin — unter Abwägung von Wirkung und Verträglichkeit die bevorzugte erste Wahl für die Kurzzeitbehandlung sind, bei Kindern Methylphenidat. Das sind Durchschnittswerte über viele Studien von meist 12 Wochen.
- Was in Deutschland meist passiert: Viele Praxen beginnen trotzdem mit Methylphenidat (Medikinet adult, Ritalin Adult oder Concerta) und wechseln zu Elvanse, wenn die Wirkung nicht reicht oder die Nebenwirkungen stören.
- Wann Elvanse oft passt: wenn du einen langen, gleichmäßigen Tag brauchst, mit Medikinet einen deutlichen Einbruch am Nachmittag hast, oder wenn die Sorge vor Missbrauch eine Rolle spielt.
- Wann Medikinet oft passt: wenn du empfindlich auf Schlafprobleme oder Appetitverlust reagierst, die Wirkung gezielter steuern willst oder unter Amphetaminen unruhig wirst.
Wenn du gerade zwischen den beiden wählst: Schreib dir für zwei Wochen jeden Tag kurz auf, wann die Wirkung einsetzt, wann sie nachlässt, wie du schläfst und isst. Diese Notizen helfen der Praxis mehr als jede allgemeine Empfehlung.
Erstattung und die deutsche Versorgungsrealität
Das ist einer der wichtigsten praktischen Punkte in Deutschland, über den englischsprachiges Material meist schweigt.
- Methylphenidat (Concerta, Medikinet): seit Langem Kassenleistung bei ADHS im Erwachsenenalter, sofern die Diagnose nach ICD-10-GM gesichert und dokumentiert ist. Dein realer Eigenanteil ist meist nur die gesetzliche Zuzahlung von 5–10 € pro Packung.
- Lisdexamfetamin (Elvanse): seit 2019 auch für Erwachsene zugelassen und erstattungsfähig. Früher war es nur für Kinder und Jugendliche zugelassen — wenn du ältere Quellen liest, ist das überholt.
- BtM-Rezept: alle drei Substanzen brauchen ein Betäubungsmittelrezept. Es ist 7 Tage ab Ausstellung gültig. Ausstellen darf es eine Fachärztin oder ein Facharzt (für Psychiatrie/Psychotherapie, in der Regel mit Erfahrung in ADHS). Die hausärztliche Praxis stellt es meist nicht selbst aus, kann aber im Rahmen einer Weiterverordnung einbezogen werden.
- Verlaufskontrolle: für Folgerezepte sind regelmäßige Verlaufskontrollen üblich. Manche stellen nach stabiler Einstellung ein Rezept per Post aus, das setzt aber vorherige Termine voraus.
- Wartezeiten: der eigentliche deutsche Engpass ist nicht das Medikament, sondern der Zugang zur Diagnose und Einstellung — auf einen Termin in einer auf ADHS spezialisierten Praxis wartet man oft Monate. Viele Erwachsene lassen sich deshalb zunächst privat (als Selbstzahler:in) abklären. Zur Vorbereitung auf das Erstgespräch: kostenloser ADHS-Test für Erwachsene.
Welches Medikament passt zu dir?
Die Antwort ist individuell. Faktoren, die eine gute Praxis berücksichtigt:
- Frühere Erfahrung (hat gewirkt oder nicht)
- Suchtvorgeschichte oder Sorge vor Missbrauch (Elvanse sicherer)
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen (EKG vor dem Start empfohlen)
- Angst-Grundniveau (manchmal wird Methylphenidat besser vertragen)
- Schlafempfindlichkeit (Elvanse wirkt lang — kann das Einschlafen erschweren)
- Spezifisches Symptomprofil (Aufmerksamkeit vs. Hyperaktivität vs. Emotionsregulation)
- Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten (besonders SSRI, MAO-Hemmer, Herzmedikamente)
- Kinderwunsch oder Stillzeit (eigenes Thema — ADHS-Medikamente in der Schwangerschaft)
Vergleich der Nebenwirkungen
Appetitdämpfung
Elvanse (Amphetamin) meist stärker als Methylphenidat (Concerta, Medikinet). Viele Menschen erleben eine gewisse Appetitdämpfung — die Stärke ist individuell. Praktische Strategie: ein großes Frühstück vor der Dosis, kalorienreiche Snacks für den Nachmittag in der Tasche, das Abendessen auf die Zeit legen, in der das Mittel schon abgeklungen ist.
Schlafstörungen
Alle drei können das Einschlafen erschweren. Der Zeitpunkt der Dosis ist entscheidend — eine Einnahme später als am Mittag verschlechtert den Schlaf. Elvanse hat durch die lange Wirkdauer einen Resteffekt bis in den späten Abend. Wenn der Schlaf kippt, besprich mit deiner Praxis den Wechsel von Elvanse auf ein Methylphenidat mit kürzerer Wirkdauer oder die Ergänzung mit Melatonin (niedrig dosiert als Nahrungsergänzung rezeptfrei, höher dosiert als Arzneimittel verschreibungspflichtig).
Unruhe und Stimmung
Alle drei können innere Unruhe, Zittrigkeit, Gereiztheit oder Stimmungsschwankungen auslösen — besonders bei einer zu hohen Startdosis. Erwachsene mit einem Angst-Grundniveau vertragen niedrigere Dosen oder Nicht-Stimulanzien (Atomoxetin, Guanfacin) oft besser. Wenn die Unruhe nur nach dem Start auftritt und sich nach 2–3 Wochen nicht legt, ist das ein Signal, mit der Praxis über einen Wechsel zu sprechen.
Herz-Kreislauf-System
Alle drei heben Puls und Blutdruck moderat an. Die deutschen Leitlinien (und jede gute Praxis) empfehlen eine Basisuntersuchung mit EKG vor dem Start sowie regelmäßige Kontrollen von Puls und Blutdruck während der Behandlung. Eine Herzerkrankung in der Familie oder kardiale Symptome erfordern eine kardiologische Abklärung, bevor eine Stimulanz begonnen wird.
Wechsel zwischen den Medikamenten
Häufig und meist unkompliziert. Die Praxis setzt das eine ab und beginnt das andere, in der Regel ohne langes Ausschleichen. Ein gefährliches Absetzsyndrom wie bei manchen Antidepressiva ist bei Stimulanzien in üblicher Dosis nicht typisch — Müdigkeit, mehr Hunger oder ein Stimmungstief in den ersten Tagen können aber vorkommen.
- Innerhalb von Methylphenidat (Ritalin, Medikinet, Concerta) nennen die Fachinformationen Orientierungswerte für die Umstellung zwischen den Formen.
- Zwischen Methylphenidat und Elvanse gibt es keine verlässliche feste Umrechnung — die Praxis beginnt die Dosisfindung beim neuen Wirkstoff in der Regel neu.
- Die volle Beurteilung eines neuen Mittels braucht meist 2–4 Wochen.
Was, wenn keine der Stimulanzien wirkt?
Nicht alle Erwachsenen mit ADHS sprechen gut auf Stimulanzien an. In Deutschland verfügbare Optionen:
- Atomoxetin (Strattera oder Generikum) — Nicht-Stimulans, wirkt langsamer (4–6 Wochen bis zum vollen Effekt), kein Missbrauchspotenzial, Kassenleistung
- Bupropion (z. B. Elontril) — off-label bei ADHS; ursprünglich ein Antidepressivum; hilft oft bei ADHS mit begleitender Depression
- Guanfacin (Intuniv) — Nicht-Stimulans; in Deutschland nur für 6- bis 17-Jährige zugelassen, bei Erwachsenen off-label
- Clonidin — in Deutschland nicht für ADHS zugelassen (off-label)
- Die Diagnose überdenken (Angst, Depression, Trauma könnten primär sein)
- Begleiterkrankungen vor dem nächsten Versuch behandeln
- Stimulanz mit Nicht-Stimulans kombinieren — kommt in der Praxis vor, nur nach fachärztlicher Entscheidung
- Eine auf ADHS im Erwachsenenalter spezialisierte Praxis aufsuchen (noch eine kleine, aber wachsende Gruppe)
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Elvanse, Ritalin, Medikinet und Concerta?
Es sind vier Markennamen, aber nur zwei Wirkstoffe. Ritalin, Medikinet und Concerta enthalten alle Methylphenidat — sie unterscheiden sich nur darin, wie schnell und wie lange der Wirkstoff freigesetzt wird. Elvanse enthält Lisdexamfetamin, ein Prodrug, das der Körper erst in Dexamfetamin umwandelt. Elvanse gehört also zu den Amphetaminen, die anderen drei nicht. Durch die Prodrug-Struktur gilt Elvanse als schwerer missbrauchbar. Welches Mittel besser passt, ist sehr individuell — es gibt kein allgemein „besseres“ Medikament.
Ist Elvanse stärker als Ritalin?
Nicht im Sinne von „mehr Wirkung pro Tablette“. Die Milligramm-Zahlen lassen sich nicht vergleichen, weil es zwei verschiedene Wirkstoffe sind. Der größere Unterschied ist die Dauer: unretardiertes Ritalin wirkt etwa 3–4 Stunden, Ritalin Adult und Medikinet adult etwa 6–8 Stunden, Elvanse oft 10–13 Stunden. Viele Menschen erleben Elvanse deshalb als gleichmäßiger, nicht als stärker. Eine große Netzwerk-Metaanalyse (Cortese et al., Lancet Psychiatry 2018) fand bei Erwachsenen im Mittel etwas bessere Ergebnisse für Amphetamine — das ist ein Durchschnitt über viele Studien und sagt nicht voraus, was bei dir besser wirkt.
Warum sagen viele, Elvanse sei besser als Medikinet?
Meist wegen des Tagesverlaufs. Medikinet adult setzt etwa die Hälfte des Wirkstoffs schnell frei und den Rest verzögert — das gibt zwei Spitzen und oft ein spürbares Nachlassen am Nachmittag. Elvanse flutet langsamer an und hält länger, ohne zweite Einnahme. Wer mit Medikinet einen „Absturz“ am Nachmittag erlebt, empfindet Elvanse deshalb oft als besser. Umgekehrt gibt es viele Menschen, die Methylphenidat besser vertragen, zum Beispiel weil sie mit Elvanse schlechter schlafen oder weniger Appetit haben. Beide Erfahrungen sind häufig — keine ist die Regel.
Kann man Elvanse und Medikinet kombinieren?
Kurz wirkendes Methylphenidat ist in Deutschland nur für Kinder und Jugendliche zugelassen; ob es bei Erwachsenen ergänzt wird, ist eine Off-Label-Entscheidung der Ärztin. Das ist aber keine Standardbehandlung, die Studienlage dazu ist dünn, und es passiert nur nach ärztlicher Entscheidung mit Kontrolle von Puls und Blutdruck. Kombiniere Stimulanzien niemals auf eigene Faust.
Gibt es Elvanse Adult noch?
Nein. Takeda hat den Vertrieb von Elvanse Adult im März 2024 eingestellt. Stattdessen ist das normale Elvanse jetzt auch für Erwachsene zugelassen, in sechs Stärken (20, 30, 40, 50, 60 und 70 mg). Für dich ändert sich in der Regel nur der Name auf dem Rezept. Wenn du ältere Artikel liest, die nur 30, 50 und 70 mg für Erwachsene nennen, sind sie an dieser Stelle veraltet.
Hat Elvanse Langzeitfolgen?
Zu jahrzehntelanger Einnahme gibt es wenige kontrollierte Studien — für Elvanse genauso wie für Methylphenidat. Eine große schwedische Registerstudie (Zhang et al., JAMA Psychiatry 2024) fand, dass längere Einnahme von ADHS-Medikamenten mit einem leicht erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden war, vor allem Bluthochdruck. Deshalb gehören regelmäßige Kontrollen von Puls, Blutdruck und Gewicht zur Behandlung. Gleichzeitig ist unbehandelte ADHS selbst mit Risiken verbunden (Unfälle, Sucht, Jobverlust). Die Abwägung triffst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Welches wirkt am besten?
Die individuelle Reaktion schwankt stärker als die Medikamente selbst. Stimulanzien aller drei Varianten helfen vielen Erwachsenen mit ADHS, aber nicht allen. Das „beste“ Medikament ist für jede Person ein anderes. Die meisten Fachärzt:innen in Deutschland starten mit Methylphenidat (Medikinet retard oder Concerta), bewerten die Wirkung nach 2–4 Wochen und wechseln, wenn der Effekt zu schwach oder die Nebenwirkungen nicht tragbar sind. Viele Menschen mit ADHS probieren 2–3 Substanzen aus, bevor sie ihre Passung finden. Das ist ein normaler Teil des Prozesses, kein Scheitern.
Welches hat weniger Nebenwirkungen?
Das ist sehr individuell. Allgemeine Muster: Methylphenidat (Concerta, Medikinet) dämpft den Appetit meist weniger als Amphetamine. Elvanse hat ein sanfteres An- und Abfluten als Medikinet IR — weniger Spitzen und Tiefs über den Tag. Medikinet IR hat von den dreien die stärksten Schwankungen im Tagesverlauf. Das Nebenwirkungsprofil (Unruhe, Schlaf, Appetit, Stimmung) unterscheidet sich von Person zu Person — es gibt keine universell „mildere“ Wahl. Die beste Strategie ist, niedrig zu starten und unter ärztlicher Begleitung langsam einzudosieren.
Welches hat das höchste Missbrauchspotenzial?
In der Regel: Medikinet IR > Concerta > Elvanse. Elvanse ist ein Prodrug, das eine enzymatische Aktivierung im Körper braucht — das senkt das Missbrauchspotenzial deutlich (man kann es nicht zerkleinern und für einen schnellen Effekt schnupfen). Alle drei sind in Deutschland BtM-pflichtig und brauchen ein Betäubungsmittelrezept (BtM-Rezept). Für Erwachsene mit ADHS nach einer Suchterkrankung oder mit Sorge vor Missbrauch ist Elvanse oft die sicherste Stimulanzien-Wahl. Die endgültige Entscheidung trifft die behandelnde Fachärztin oder der Facharzt, die deine Vorgeschichte kennen.
Wie unterscheiden sie sich in der Wirkdauer?
Concerta: 10–12 Stunden (die OROS-Technologie gibt den Wirkstoff gleichmäßig ab). Elvanse: 10–13 Stunden (das Prodrug wird langsam umgewandelt). Medikinet retard / adult: 6–8 Stunden. Medikinet IR: 3–4 Stunden, meist 2–3-mal täglich eingenommen. Die länger wirkenden Präparate haben einen gleichmäßigeren Verlauf, dafür eine kleinere akute Spitze. Viele Erwachsene in Deutschland wählen Concerta oder Elvanse, um den Arbeitstag abzudecken; Nicht retardiertes Methylphenidat (z. B. Medikinet IR) ist nur für Kinder und Jugendliche zugelassen; bei Erwachsenen wäre es Off-Label.
Wonach entscheidet die Fachärztin bei der Wahl?
Nach mehreren Faktoren gleichzeitig. Erstattung (Methylphenidat ist GKV-Kassenleistung; Elvanse ist seit 2019 auch für Erwachsene zugelassen und erstattungsfähig). Vorgeschichte (wenn früher etwas gewirkt hat, kehrt man oft zu dieser Klasse zurück). Begleiterkrankungen (Herz-Kreislauf, Angst). Suchtvorgeschichte (Elvanse sicherer). Schlafempfindlichkeit. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Die erste Wahl ist meist eine „sinnvolle Startoption“, nicht die „endgültige Lösung“ — eine Anpassung nach Wirkung ist typisch und eingeplant.
Kann ich zwischen ihnen wechseln?
Ja, gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Der Wechsel von einer Stimulanz zur anderen ist häufig, wenn die erste Wahl nicht passt. Der Übergang ist meist unkompliziert — die Praxis setzt das eine ab und beginnt das andere, meist ohne langes Ausschleichen. Ein gefährliches Absetzsyndrom wie bei manchen Antidepressiva ist bei Stimulanzien in üblicher Dosis nicht typisch; Müdigkeit oder ein Stimmungstief in den ersten Tagen können aber vorkommen. Zwischen Methylphenidat und Elvanse gibt es keine verlässliche feste Umrechnung, deshalb beginnt die Dosisfindung beim neuen Medikament in der Regel von vorn. Der Wechsel zwischen den Klassen (z. B. von Methylphenidat zu Elvanse) braucht meist 2–4 Wochen für die volle Beurteilung.
Was, wenn keines davon wirkt?
Möglich, aber selten. Nicht alle Erwachsenen mit ADHS sprechen gut auf Stimulanzien an. Optionen: ein Nicht-Stimulans probieren (Atomoxetin — in Deutschland als Strattera oder Generikum; Guanfacin — Intuniv, in Deutschland nur für 6- bis 17-Jährige zugelassen und bei Erwachsenen off-label; Bupropion off-label). Die Diagnose überdenken (Angst oder Depression könnten primär sein). Begleiterkrankungen behandeln. Stimulanz und Nicht-Stimulans kombinieren. Mit einer auf ADHS im Erwachsenenalter spezialisierten Praxis arbeiten — diese Gruppe ist in Deutschland noch klein, wächst aber. Viele Erwachsene mit ADHS finden etwas, das wirkt, wenn man dem Prozess genug Zeit und Versuche gibt.
Verwandte Ratgeber
Nur zur Information — keine medizinische Beratung und keine Diagnose. Entscheidungen über ADHS-Medikamente trifft man individuell mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt. Alle genannten Stimulanzien brauchen in Deutschland ein BtM-Rezept von einer Fachärztin oder einem Facharzt. Preise, Verfügbarkeit und Erstattungsstatus ändern sich — aktuelle Angaben erfährst du in der Apotheke und bei deiner Krankenkasse.