Mach den Selbst-Check
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Markiere die Punkte, die konsequent zu deinem Erleben passen. Das ist ein Selbst-Check, keine Diagnose — viele Treffer sprechen dafür, dass sich eine fachliche Abklärung lohnt.
- 1.
Lesen ging bei dir schon immer langsamer als bei Gleichaltrigen
- 2.
Du liest Abschnitte häufig erneut, weil dir etwas entgangen ist
- 3.
Du vermeidest lautes Vorlesen, wann immer es geht
- 4.
Die Rechtschreibung ist trotz Mühe bis ins Erwachsenenalter unsicher geblieben
- 5.
Du verwechselst ähnlich aussehende Wörter (z. B. „der“/„den“, „bei“/„die“)
- 6.
Lange Textblöcke zu lesen ermüdet dich schnell
- 7.
Du hörst dir Informationen lieber an, als sie zu lesen
- 8.
Mitschreiben in Vorlesungen oder Besprechungen fällt dir schwerer als anderen
- 9.
Du verlierst beim Lesen häufig die Zeile
- 10.
Schriftlichen Anleitungen Schritt für Schritt zu folgen, ist schwierig
- 11.
Du verliest dich oder überspringst Wörter, selbst wenn du sorgfältig liest
- 12.
Beim Schreiben ermüdest du schnell, selbst bei vertrauten Themen
- 13.
Im Gespräch fällt dir das passende Wort schwerer, als es dein Wortschatz vermuten ließe
- 14.
Man hat dich in der Schule als faul oder schlampig bezeichnet, obwohl du dich bemüht hast
- 15.
Phonologische Bewusstheit (Reime, Lautmuster) fiel dir schwerer als Gleichaltrigen
- 16.
Du gleichst es regelmäßig mit Hörbüchern, Diktierfunktion oder Vorlese-Software aus
- 17.
Ein Familienmitglied hat Legasthenie oder ausgeprägte Leseschwierigkeiten
- 18.
Du kannst komplexe Gedanken mündlich festhalten, schriftlich fühlt es sich schwerer an
- 19.
Reihenfolgen (Daten, Listen, alphabetisch) fallen dir schwerer als erwartet
- 20.
Bildschirme mit Serifenschriften oder kleiner Schrift zu lesen, ist besonders mühsam
20 Punkte übrig. Du kannst jederzeit absenden, sobald du mindestens 5 beantwortet hast.
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Über die Ergebnis-Bereiche
- 0–3 Treffer: Legasthenie unwahrscheinlich.
- 4–8 Treffer: möglich – eine Abklärung ist sinnvoll.
- 9–14 Treffer: wahrscheinlich – fachliche Abklärung empfohlen.
- 15+ Treffer: starkes Anzeichen – fachliche Abklärung empfohlen.
Was Legasthenie wirklich ist
Eine spezifische Lernstörung, die betrifft, wie das Gehirn geschriebene Sprache verarbeitet. Dazu gehören Schwierigkeiten mit dem Lesen, der Rechtschreibung, der phonologischen Bewusstheit und oft mit weiteren Aspekten der Sprachverarbeitung. Legasthenie ist neurobiologisch bedingt, lebenslang und betrifft etwa 10–15 % der Erwachsenen. Sie hat nichts mit der Intelligenz zu tun – viele Erwachsene mit Legasthenie haben in Bereichen, die kein Lesen erfordern, eine überdurchschnittliche Intelligenz.
In Deutschland wird Legasthenie über die ICD-10-GM verschlüsselt (Code F81.0 – Lese- und Rechtschreibstörung), die für die Abrechnung mit den Krankenkassen weiterhin maßgeblich ist. Die ICD-11 spricht von einer „umschriebenen Entwicklungsstörung des Lernens mit Beeinträchtigung des Lesens“. Unabhängig von der Klassifikation ist immer dasselbe Phänomen gemeint.
Wie Legasthenie bei Erwachsenen abgeklärt wird
Die Abklärung übernehmen eine psychologische Psychotherapeutin, ein Facharzt für Psychiatrie/Psychotherapie oder ein spezialisierter Lerntherapeut. Eine Abklärung umfasst in der Regel:
- Tests zu den Lese- und Schreibfähigkeiten
- Untersuchung der kognitiven Funktionen
- Prüfung der phonologischen Bewusstheit
- Screening auf begleitende Unterschiede (ADHS, Dyspraxie, Autismus)
- Familienanamnese
- Bildungsbiografie (Zeugnisse, frühere Gutachten)
Über die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) richtet sich die Diagnostik der Lese-Rechtschreib-Störung vor allem an Kinder und Jugendliche; Erwachsene weichen meist auf Selbstzahler-Angebote aus. Eine vollständige private Abklärung kostet je nach Region und Umfang – und je nachdem, ob ein Screening auf ADHS und begleitende Unterschiede dabei ist – meist 400–900 €. Auf Termine bei spezialisierten Praxen kann man lange warten.
Was hilft, wenn du Legasthenie hast
- Flüssiges 10-Finger-Schreiben (kann viel verändern)
- Spracheingabe (Diktierfunktion) zum Entwerfen von Texten
- Vorlese-Software zum Lesen
- Legasthenie-freundliche Schriften (OpenDyslexic, Atkinson Hyperlegible, Verdana, Comic Sans)
- Lese-Apps mit anpassbarem Zeilen- und Buchstabenabstand
- Aufgezeichnete Notizen und Hörbücher
- KI-gestützte Schreibwerkzeuge
- Nachteilsausgleiche am Arbeitsplatz und in der Hochschule
Die Überschneidung mit ADHS
Legasthenie und ADHS treten in 30–50 % der Fälle gemeinsam auf. Viele Erwachsene entdecken die Legasthenie erst, nachdem eine ADHS-Diagnose den Anlass gibt, das größere Muster anzuschauen. Die Kombination erfordert Anpassungen in beiden Bereichen – langsameres Lesen und Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit summieren sich auf eine ganz bestimmte Weise.
Nachteilsausgleiche und Rechte
In Deutschland erkennen das SGB IX und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) Legasthenie als Grund für angemessene Vorkehrungen an; in Schule und Studium kommen die schulrechtlichen Regelungen der Länder sowie die Nachteilsausgleichs-Regelungen der Hochschulen hinzu. In der Praxis sind das:
- Mehr Zeit bei Prüfungen und schriftlichen Arbeiten
- Legasthenie-freundliche Software
- Schriftliche Anweisungen zusätzlich zu mündlichen
- Aufzeichnen von Besprechungen (mit Einverständnis)
- Anpassungen von Schrift und Abständen
- Reduzierte Leselast
Die Schulscham loslassen
Viele Erwachsene mit Legasthenie tragen erhebliche Scham aus ihrer Schulzeit mit sich. Eine Identifikation im Erwachsenenalter schreibt die Erzählung oft grundlegend um – von „Ich bin faul/dumm“ zu „Ich habe einen spezifischen, neurobiologischen Unterschied, den man gezielt unterstützen kann“.
Häufige Fragen
Was ist Legasthenie?
Eine spezifische Lernstörung, die das Lesen, die Rechtschreibung und die Sprachverarbeitung betrifft. Neurobiologisch bedingt, lebenslang, von Kindheit an vorhanden. Sie betrifft etwa 10–15 % der Erwachsenen. Unabhängig von der Intelligenz — viele Erwachsene mit Legasthenie haben in Bereichen außerhalb des Lesens eine überdurchschnittliche Intelligenz. In Deutschland wird Legasthenie über die ICD-10-GM verschlüsselt (Code F81.0 — Lese- und Rechtschreibstörung); die ICD-11 spricht von einer „umschriebenen Entwicklungsstörung des Lernens mit Beeinträchtigung des Lesens“.
Ist dieser Selbst-Check eine Diagnose?
Nein. Er ist ein Ausgangspunkt. Viele Treffer sprechen dafür, dass sich eine fachliche Abklärung lohnt. Wenige Treffer schließen Legasthenie nicht aus — besonders dann, wenn du über die Jahre starke Kompensationsstrategien entwickelt hast. Die Diagnose stellen in Deutschland eine psychologische Psychotherapeutin, ein Facharzt oder ein spezialisierter Lerntherapeut.
Wie wird Legasthenie bei Erwachsenen in Deutschland abgeklärt?
Über eine fachliche Abklärung, die Folgendes umfasst: Tests zum Lesen und Schreiben, eine Untersuchung der kognitiven Funktionen, eine Prüfung der phonologischen Bewusstheit und ein Screening auf begleitende Unterschiede (ADHS, Dyspraxie, Autismus). Über die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) richtet sich die Diagnostik der Lese-Rechtschreib-Störung vor allem an Kinder und Jugendliche; Erwachsene weichen oft auf Selbstzahler-Angebote aus. Eine vollständige private Abklärung kostet je nach Region und Umfang meist 400–900 €. Die Wartezeiten auf Termine können lang sein.
Was hilft, wenn ich Legasthenie habe?
Flüssiges 10-Finger-Schreiben, Spracheingabe (Diktierfunktion), Vorlese-Software, legasthenie-freundliche Schriften (OpenDyslexic, Atkinson Hyperlegible, Verdana, Comic Sans), Lese-Apps mit anpassbarem Zeilen- und Buchstabenabstand, Hörbücher und aufgezeichnete Notizen, KI-gestützte Schreibwerkzeuge sowie Nachteilsausgleiche am Arbeitsplatz (mehr Zeit, schriftliche Anweisungen). Bei Erwachsenen bringt es oft große Erleichterung, nach Jahren unerklärter Mühe endlich eine Erklärung zu haben.
Kann sich Legasthenie erst im Erwachsenenalter entwickeln?
Nein, Legasthenie ist eine Entwicklungsstörung — von Kindheit an vorhanden. Eine Leseschwierigkeit, die erst im Erwachsenenalter neu auftritt, hat eher erworbene Ursachen (Hirnverletzung, Schlaganfall), neurologische Erkrankungen, Sehveränderungen oder einen kognitiven Abbau. Wenn sich dein Lesen kürzlich im Erwachsenenalter verändert hat, lass das ärztlich abklären.
Tritt Legasthenie gemeinsam mit anderen Unterschieden auf?
Häufig. Legasthenie überschneidet sich mit ADHS (in manchen Studien über 50 %), Dysgraphie, Dyspraxie und Autismus. Viele Erwachsene entdecken die Legasthenie erst, nachdem eine andere ND-Diagnose den Anlass gibt, das größere Bild anzuschauen.
Welche Nachteilsausgleiche gibt es?
In Deutschland ergeben sich Nachteilsausgleiche am Arbeitsplatz aus dem SGB IX und dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), in Schule und Studium aus den schulrechtlichen Regelungen der Länder sowie den Nachteilsausgleichs-Regelungen der Hochschulen. In der Praxis: mehr Zeit bei Prüfungen und schriftlichen Arbeiten, legasthenie-freundliche Software (Screenreader, Vorlese-Programme), schriftliche Anweisungen zusätzlich zu mündlichen, das Aufzeichnen von Besprechungen (mit Einverständnis), Anpassungen von Schrift und Abständen, manchmal eine reduzierte Leselast. Eine formale Diagnose-Dokumentation schaltet diese Ausgleiche frei.
Wo kann ich mich abklären lassen?
Mögliche Wege in Deutschland: eine psychologische Psychotherapeutin oder ein Facharzt für Psychiatrie/Psychotherapie, spezialisierte Lerntherapeuten und legasthenie-spezialisierte Praxen, die Beratungsstelle deiner Hochschule, wenn du studierst, sowie über die GKV (vor allem für Kinder und Jugendliche, lange Wartezeiten). Eine private Abklärung als Selbstzahler kostet meist 400–900 €, je nach Region und Umfang.