Skip to content
Neurodiverge App

Selbsttest · 16 Minuten Lesezeit · Aktualisiert 26. September 2026

Legasthenie-Test: Selbsttest für Erwachsene – und wie eine LRS wirklich getestet wird

Hier machst du einen kostenlosen Legasthenie-Test für Erwachsene: 20 Aussagen aus dem Alltag, das Ergebnis siehst du sofort. Der Selbsttest zählt, wie viele typische Erfahrungen mit Lesen und Schreiben zu dir passen. Eine Diagnose ist das nicht – eine Lese- und Rechtschreibstörung stellen in Deutschland Ärzt:innen oder Psychotherapeut:innen mit standardisierten Tests fest.

Du suchst einen LRS-Test für dein Kind? Dann ist unser Selbsttest nicht das Richtige, denn er ist für Erwachsene geschrieben. Weiter unten liest du, wie Kinder getestet werden, welche Tests Fachleute nutzen, ab welchem Alter das geht und wer es bezahlt.

Kurz beantwortet

  • Selbsttest oder Test? Ein Online-Selbsttest sammelt Hinweise. Feststellen kann eine Legasthenie nur eine Fachperson mit genormten Lese- und Rechtschreibtests. Unser Test ist nicht wissenschaftlich geprüft.
  • Kinder: Der erste Schritt führt zur Deutschlehrkraft. Die Diagnose stellen zum Beispiel Kinder- und Jugendpsychiatrie, Sozialpädiatrische Zentren oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Die ärztliche Untersuchung zahlt die Krankenkasse.
  • Ab wann: Die ersten genormten Tests gibt es ab der Mitte der 1. Klasse. Mit Förderung musst du nicht warten – sie soll laut Leitlinie schon im ersten Schuljahr beginnen.
  • Erwachsene: Zuständig sind Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie oder approbierte Psychotherapeut:innen. Passende Tests sind rar, und laut Bundesverband Legasthenie & Dyskalkulie zahlt die Krankenkasse hier nicht.

1. Der Selbsttest

So funktioniert er: Du liest 20 Aussagen und klickst bei jeder auf „Trifft zu“ oder „Bin ich nicht“. Aussagen, die für dich nicht passen, kannst du überspringen. Sobald du mindestens 8 beantwortet hast, kannst du dein Ergebnis ansehen. Gezählt wird nur, wie oft du „Trifft zu“ gewählt hast.

Denk dabei an dein ganzes Leben, nicht an eine anstrengende Woche. Wenn du bei einer Aussage schwankst, erinnere dich an deine Schulzeit: Wie war es damals mit Vorlesen, Diktaten und langen Texten?

Keine Diagnose — ein edukativer Selbsttest. Du kannst jede Frage überspringen.

0 / 20 beantwortet · 0 Treffer bisher

Für Erwachsene: Markiere, was schon lange und immer wieder auf dich zutrifft – denk dabei an dein ganzes Leben, nicht an eine anstrengende Woche. Das ist ein Selbst-Check, keine Diagnose. Viele Treffer sprechen dafür, dass sich eine fachliche Abklärung lohnen kann.

  1. 1.

    Du hast schon immer langsamer gelesen als andere in deinem Alter

  2. 2.

    Du liest Abschnitte häufig erneut, weil dir etwas entgangen ist

  3. 3.

    Du vermeidest lautes Vorlesen, wann immer es geht

  4. 4.

    Die Rechtschreibung ist trotz Mühe bis ins Erwachsenenalter unsicher geblieben

  5. 5.

    Beim Lesen verwechselst du ähnlich aussehende Wörter (z. B. „dem“/„den“, „sie“/„die“)

  6. 6.

    Lange Textblöcke zu lesen ermüdet dich schnell

  7. 7.

    Du hörst dir Informationen lieber an, als sie zu lesen

  8. 8.

    Mitschreiben in Vorlesungen oder Besprechungen fällt dir schwerer als anderen

  9. 9.

    Du verlierst beim Lesen häufig die Zeile

  10. 10.

    Eine schriftliche Anleitung Schritt für Schritt umzusetzen, fällt dir schwer

  11. 11.

    Du verliest dich oder überspringst Wörter, selbst wenn du sorgfältig liest

  12. 12.

    Beim Schreiben ermüdest du schnell, selbst bei vertrauten Themen

  13. 13.

    Im Gespräch fällt dir das passende Wort schwerer, als es dein Wortschatz vermuten ließe

  14. 14.

    Man hat dich in der Schule als faul oder schlampig bezeichnet, obwohl du dich bemüht hast

  15. 15.

    Als Kind fiel es dir schwerer als anderen, Reime zu finden oder Wörter in Laute und Silben zu zerlegen

  16. 16.

    Du nutzt regelmäßig Hörbücher, Diktierfunktion oder Vorlesesoftware, damit du weniger lesen und schreiben musst

  17. 17.

    Ein Familienmitglied hat Legasthenie oder ausgeprägte Leseschwierigkeiten

  18. 18.

    Komplizierte Gedanken kannst du gut erklären – sie aufzuschreiben, fällt dir viel schwerer

  19. 19.

    Das Alphabet oder die Monate aufzusagen oder etwas alphabetisch zu sortieren, fällt dir schwerer als erwartet

  20. 20.

    Kleine Schrift und eng gesetzte Texte zu lesen, ist für dich besonders mühsam

20 Punkte übrig. Du kannst jederzeit absenden, sobald du mindestens 8 beantwortet hast.

Deine Antworten bleiben in deinem Browser. Wir speichern sie nicht und geben sie nicht weiter.

So liest du dein Ergebnis

Dein Ergebnis ist einfach die Anzahl der Punkte, die du als zutreffend markierst. Das bedeuten die Bereiche — ein Anhaltspunkt, keine Diagnose.

Wenige Anzeichen0–3 von 20
Das Legasthenie-Muster passt nicht stark zu deinem Erleben.
Einige Anzeichen4–8 von 20
Einige Muster passen. Eine Abklärung kann sich lohnen, besonders wenn auch andere Lernunterschiede vorliegen.
Viele Anzeichen9–14 von 20
Das Muster ist deutlich erkennbar. Eine fachliche Abklärung ist empfehlenswert. Für Erwachsene gibt es bisher nur wenige passende Tests – frag vorher nach, ob eine Praxis Erwachsene untersucht.
Sehr viele Anzeichen15–20 von 20
Viele Anzeichen passen. Eine fachliche Abklärung bei einer Fachärztin, einem Facharzt oder einer psychologischen Psychotherapeutin ist empfehlenswert.

Wichtig: Eine Legasthenie (Lese- und Rechtschreibstörung, ICD-10-GM F81.0/F81.1) stellen in Deutschland Ärzt:innen oder Psychotherapeut:innen mit standardisierten Lese- und Rechtschreibtests fest – bei Erwachsenen in der Psychiatrie und Psychotherapie, bei Kindern etwa in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Lerntherapeut:innen fördern, stellen aber keine Diagnose. Dieser Selbst-Check ist nicht wissenschaftlich geprüft: ein Ausgangspunkt, kein Urteil.

2. Was dein Ergebnis bedeutet – und was nicht

Der Test ordnet dich nach der Zahl deiner Treffer in einen von vier Bereichen ein. Die Grenzen haben wir selbst festgelegt. Sie wurden nicht an Menschen mit und ohne Diagnose überprüft. Auch wenn ein Bereich „Wahrscheinliche Legasthenie“ heißt: Eine echte Wahrscheinlichkeit kann unser Test nicht berechnen.

Warum ein hohes Ergebnis täuschen kann

Viele Treffer heißen nicht automatisch Legasthenie. Die ICD-10-GM grenzt die Lese- und Rechtschreibstörung ausdrücklich von Problemen ab, die durch schlechtes Sehen oder unpassenden Unterricht entstehen. Die S3-Leitlinie nennt weitere Gründe, die vorher ausgeschlossen werden müssen: unbehandelte Hörstörungen, eine allgemeine Entwicklungsverzögerung sowie psychische, neurologische oder motorische Störungen. Auch geringe Deutschkenntnisse sind laut LONDI eine naheliegende Erklärung für viele Fehler – dann spricht man nicht von einer LRS.

Warum ein niedriges Ergebnis täuschen kann

Manche Menschen gleichen ihre Schwäche jahrelang aus: mit Fleiß, mit Hilfe von anderen, mit einem starken Gedächtnis oder einer hohen Begabung. Die Leitlinie beschreibt das für Kinder und Jugendliche. Ihre Testwerte können so lange knapp im unteren Normbereich bleiben, bis die Anforderungen steigen. Die Diagnose soll dann trotzdem gestellt werden. Bei Erwachsenen mit vielen eigenen Tricks kann ein Selbsttest deshalb zu niedrig ausfallen.

Dazu kommt: Nicht jede Aussage passt zu jedem Leben. Wer selten mitschreiben muss, kann mit der Aussage über Vorlesungen und Besprechungen wenig anfangen. Überspring solche Punkte einfach – sie zählen dann nicht als Treffer.

3. Selbsttest, Online-Test, Fachtest: der Unterschied

Unter „Legasthenie-Test“ findest du im Netz drei ganz verschiedene Dinge. Sie beantworten unterschiedliche Fragen.

Drei Arten von Legasthenie-Tests und was sie aussagen können
ArtWie es abläuftWas es aussagen kann
Selbsttest mit Aussagen (wie hier)Du schätzt dich selbst ein.Ob sich eine Abklärung lohnen könnte. Er misst nichts.
Online-AufgabenEin Kind liest oder schreibt am Bildschirm, zum Beispiel Wörter in Lücken.Hängt davon ab, ob der Test normiert ist, also mit vielen Gleichaltrigen verglichen wurde. Frag nach.
Standardisierter Test bei FachleutenFeste Aufgaben, feste Zeit, feste Auswertung, Vergleich mit einer großen Normgruppe.Zusammen mit Gespräch und Untersuchung die Grundlage einer Diagnose.

Auch geprüfte Checklisten liegen manchmal daneben

Eine bekannte Checkliste für Erwachsene stammt von Ian Smythe und John Everatt (2001). Sie hat 15 Fragen und steht auf der Website der British Dyslexia Association. Eine veröffentlichte Überprüfung erschien erst 2025: Eine Studie mit 400 englischsprachigen Erwachsenen, angeworben in Kanada und den USA, verglich 200 Menschen mit Legasthenie-Diagnose (nach eigener Angabe) mit 200 ohne. Je nach Auswertung erkannte die Checkliste 76 bis 91,5 % der Menschen mit Diagnose und ordnete 80 bis 88 % der Menschen ohne Diagnose richtig ein. Das Forschungsteam empfiehlt, den Grenzwert von 45 auf 40 Punkte zu senken.

Das heißt: Selbst eine geprüfte Liste übersieht einige und schlägt bei anderen falsch an. Unser Test ist gar nicht geprüft und keine Übersetzung dieser Checkliste. Er kann dir helfen, deine Erfahrungen zu sortieren – mehr nicht.

Warum es keinen echten LRS-Test zum Ausdrucken gibt

Standardisierte Lese- und Rechtschreibtests verkaufen die Verlage nur an Fachleute. Wer etwa den Salzburger Lese- und Rechtschreibtest (SLRT-II) oder den Leseverständnistest ELFE II bestellen will, muss dem Verlag nachweisen, dass er dazu berechtigt ist. Arbeitsblätter aus dem Netz können beim Üben helfen. Für eine Lerntherapie über das Jugendamt braucht es aber eine Diagnose nach ICD-10 – ein ausgedrucktes Blatt reicht dafür nicht.

Worauf du bei kostenlosen Online-Tests achten kannst

Zum Vergleich, wie streng Fachleute sind: Die S3-Leitlinie hat 2015 nur Tests empfohlen, deren Normen aus mehr als zwei Bundesländern oder Regionen stammen, mit mindestens 250 Personen pro Altersgruppe. Außerdem musste belegt sein, dass ein Test bei Wiederholung ähnliche Ergebnisse liefert. Von 23 geprüften Lese- und Rechtschreibtests erfüllten nur 10 alle Anforderungen.

4. Wie Kinder auf LRS getestet werden

Schritt 1: die Schule

Der erste Weg führt in die Schule. Die Deutschlehrkraft sieht jeden Tag, wie die ganze Klasse liest und schreibt. Laut LONDI, einem Infoportal der Kinder- und Jugendpsychiatrie am LMU Klinikum München und des Leibniz-Instituts DIPF, kann sie dir deshalb meist eine erste fundierte Einschätzung geben. Als Nächstes kann die Schulpsychologie dein Kind testen und sagen, welche Hilfe es braucht. Über zusätzliche Förderung, Nachteilsausgleich und Notenschutz entscheiden Lehrkraft und Schulleitung nach den Regeln deines Bundeslands.

Schritt 2: die Diagnose nach ICD-10

Eine medizinische Diagnose brauchst du zum Beispiel, wenn das Jugendamt eine Lerntherapie bezahlen soll. Manche Schulen verlangen sie auch für einen Nachteilsausgleich. In Deutschland heißt sie Lese- und Rechtschreibstörung (ICD-10-GM F81.0) oder isolierte Rechtschreibstörung (F81.1). Termine gibt es laut LONDI in Ambulanzen kinder- und jugendpsychiatrischer Kliniken, in kinder- und jugendpsychiatrischen Praxen, in Sozialpädiatrischen Zentren (SPZ) und in Praxen für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie.

So läuft die Untersuchung ab

  1. Gespräch. Wie hat sich dein Kind entwickelt? Was genau klappt beim Lesen und Schreiben nicht? Wie sehr belastet das die Familie?
  2. Körperliche Untersuchung. Sieht und hört dein Kind gut genug? Gibt es eine andere Erkrankung, die die Probleme erklärt?
  3. Tests. Meist ein Intelligenztest und ein Lese- und/oder Rechtschreibtest, oft auch ein Rechentest. Durchgeführt werden sie laut LONDI meistens von Psycholog:innen.

Die Leitlinie verlangt, dass die Diagnose auf Tests beruht, die Lesetempo, Lesefehler, Leseverständnis und Rechtschreibfehler messen. Dazu gehört der Blick aufs Ganze: Entwicklung, Familie, Schule und wie stark die Probleme den Alltag belasten. Rechne mit mehreren Terminen. Pack alles ein, was die Schule schriftlich herausgegeben hat: Zeugnisse, Lernstandsberichte, Diktate, frühere Gutachten.

Was die Testung kostet

Für Kinder und Jugendliche zahlen gesetzliche und private Krankenkassen die ärztliche Untersuchung, denn die LRS ist eine ICD-10-Diagnose (LONDI). Die Förderung danach zahlt die Krankenkasse nicht. Welche Wege es dafür gibt, steht im Ratgeber Legasthenie – wer bezahlt die Lerntherapie?

5. Welche Tests Fachleute nutzen

Die S3-Leitlinie von 2015 nennt die Tests, die ihre Qualitätskriterien erfüllt haben – dazu einen Test, den sie für ältere Jugendliche mangels Alternativen empfiehlt. Die Tabelle zeigt, was sie messen und für wen sie gedacht sind. Die Altersangaben stammen aus der Leitlinie, ihrer Zusammenfassung im Deutschen Ärzteblatt und von den Verlagen.

Von der S3-Leitlinie 2015 empfohlene Lese- und Rechtschreibtests mit Messinhalt und Einsatzalter
TestWas er misstFür wen
WLLP-R – Würzburger Leise Leseprobe (Revision)Lesetempo: Wörter still lesen und dem passenden Bild zuordnenEnde 1. bis Ende 4. Klasse
ELFE 1-6, heute ELFE II – LeseverständnistestVerstehen von Wörtern, Sätzen und kurzen TextenELFE II: Ende 1. bis Beginn 7. Klasse
SLRT-II – Salzburger Lese- und RechtschreibtestLesen: eine Minute lang echte Wörter und Kunstwörter laut vorlesen. Rechtschreiben: diktierte Wörter in Sätze einsetzenLesen: 1. bis 6. Klasse und junge Erwachsene. Rechtschreiben: 1. bis Anfang 5. Klasse
HSP 1–10 – Hamburger Schreib-ProbeRechtschreibung; zeigt auch, welche Rechtschreibstrategien ein Kind schon nutztMitte 1. bis 10. Klasse, in festen Zeitfenstern
DERET 1-2+ und 3-4+ – Deutscher RechtschreibtestRechtschreibung mit Diktat und LückentextEnde 1. bis Anfang 5. Klasse
WRT 1+ bis 4+ – Weingartener Grundwortschatz Rechtschreib-TestRechtschreibung häufiger Wörter im LückentextEnde 1. bis 5. Klasse
LESEN 6-7 und LESEN 8-9Grundlegende Lesefähigkeit und Textverständnisjeweils am Ende der 6./7. bzw. 8./9. Klasse
LGVT, heute LGVT 5-12+ – Lesegeschwindigkeits- und -verständnistestLesetempo und Verständnis beim Lesen eines FließtextsLGVT 5-12+: Klasse 5 bis 13
RST-ARR – Rechtschreibtest, aktuelle RechtschreibregelungRechtschreibung im LückendiktatNormen für 14 bis 60 Jahre; laut Leitlinie ab Klasse 11, weil es keine Alternativen gab

Drei Dinge fallen auf:

Die Leitlinie ist nicht mehr aktuell: Laut ihrer eigenen Angabe galt sie bis April 2020. Im AWMF-Register ist eine Neufassung angemeldet, geplante Fertigstellung Ende Oktober 2026. Die Liste kann sich dann ändern. Frag in der Praxis ruhig nach, welchen Test in welcher Auflage sie verwendet.

6. Ab welchem Alter kann man Legasthenie testen?

Vor der Einschulung noch nicht verlässlich. Frühe Hinweise gibt es zwar, etwa Mühe mit Reimen oder mit Silben – welche das sind, steht im Ratgeber unter Anzeichen nach Alter. Doch keiner der Tests für diese sogenannten Vorläuferfähigkeiten, die die Leitlinie geprüft hat, erfüllte ihre Qualitätskriterien.

Der früheste Zeitpunkt für einen genormten Test ist die Mitte der 1. Klasse: Die Hamburger Schreib-Probe (HSP 1+) hat Normen für Januar und Februar im ersten Schuljahr. Die meisten anderen Tests setzen am Ende der 1. Klasse an.

Wann sollte ich mein Kind testen lassen?

Sobald Lesen oder Schreiben über Monate deutlich schwerer fällt als den anderen in der Klasse – nicht erst, wenn die Noten abrutschen. Mit Förderung musst du nicht auf ein Testergebnis warten. Die Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, Kinder mit Schwierigkeiten schon im ersten Schuljahr zu fördern. Zusätzliche Förderung in der Schule soll laut LONDI immer stattfinden, wenn die Probleme anhalten. Nur Nachteilsausgleich und Notenschutz hängen von den Regeln des Bundeslands ab.

Wenn ein Termin feststeht, frag, für welchen Teil des Schuljahrs der geplante Test genormt ist. Manchmal lohnt es sich, ein paar Wochen zu warten, damit das Ergebnis aussagekräftig ist.

7. So liest du den Befund

Im Gutachten stehen meist Prozentränge (PR) oder T-Werte. Beide vergleichen die Leistung mit einer Normgruppe, zum Beispiel mit der gleichen Klassenstufe oder dem gleichen Alter.

Frag nach, mit welcher Gruppe verglichen wurde. Die Leitlinie rät, wenn möglich Klassennormen und Normen für die jeweilige Schulform zu nutzen. Ob zusätzlich der IQ zählen soll, ist unter Fachleuten umstritten – die Positionen stehen im Ratgeber unter Diagnose.

Warum es so wichtig ist, wo die Grenze liegt

Wie viele Kinder die Diagnose bekommen würden, hängt direkt am Grenzwert. Eine Münchner Studie mit 1.633 Kindern der 3. und 4. Klasse zeigt das deutlich: Wie viele Kinder auffielen, spiegelte vor allem den gewählten Grenzwert wider. Die S3-Leitlinie gibt die Häufigkeit auf Grundlage mehrerer solcher Studien mit ungefähr 3 bis 8 % an. Für Erwachsene nennt sie keine Zahl. Ein Befund knapp an der Grenze ist deshalb kein Grund zur Panik – und auch kein Beweis, dass alles in Ordnung ist.

8. Legasthenie-Test für Erwachsene

Wenn du im Erwachsenenalter eine Diagnose möchtest, wird es mühsam. Das liegt nicht an dir, sondern am Angebot.

Wer testet Erwachsene?

Ab 18 sind laut Bundesverband Legasthenie & Dyskalkulie (BVL) Ärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie oder approbierte Psychotherapeut:innen zuständig. Der BVL schreibt auch, dass es oft schwer ist, jemanden zu finden, der Erwachsene testet. Es gibt spezialisierte Sprechstunden: Die psychiatrische Institutsambulanz des Uniklinikums Erlangen etwa bietet eine Legasthenie-Sprechstunde für Erwachsene an – vergibt aber derzeit keine neuen Termine (Stand: 26. September 2026).

Welche Tests es für Erwachsene gibt

Die Leitlinie gilt nur für Kinder und Jugendliche. In ihrer Zusammenfassung von 2016 heißt es sogar, in Deutschland fehlten Lesetests für Jugendliche und Erwachsene; eine Diagnose sei in diesem Alter deshalb kaum möglich. Ganz leer ist das Feld aber nicht:

Einen genormten Test für das Leseverständnis Erwachsener nennt keine dieser Quellen. Frag deshalb vorab, welche Tests die Stelle nutzt und mit welcher Gruppe sie dich vergleicht.

Was die Diagnose für Erwachsene kostet

Laut BVL übernimmt die Krankenkasse die Kosten der Diagnostik bei Erwachsenen nicht. In Erlangen zahlen Erwachsene die Sprechstunde in der Regel selbst, laut Klinik rund 170 €. Andere Stellen können ganz andere Preise haben. Lass dir vorher sagen, was auf dich zukommt.

Brauchst du überhaupt eine Diagnose?

Der BVL rät, zuerst zu klären, wofür du sie brauchst. Für manche Zwecke reicht vielleicht eine Testung bei einer Legasthenie-Therapeutin oder einem Legasthenie-Therapeuten – das ist dann aber keine ärztliche Diagnose nach ICD-10. Wenn du dich testen lässt, bitte darum, dass im Befund steht, welcher Nachteilsausgleich für dich sinnvoll ist.

So bereitest du den Termin vor

Wichtig: Laut ICD-10-GM beginnen die Schwierigkeiten bei einer Lese- und Rechtschreibstörung in frühen Entwicklungsstadien. Hat sich dein Lesen erst im Erwachsenenalter verändert, ist das keine Legasthenie in diesem Sinn. Lass eine neue Leseschwäche ärztlich abklären.

9. Wofür du den Befund brauchst

10. Gleich mit prüfen: ADHS und Rechnen

Die Leitlinie empfiehlt stark, bei jeder Diagnostik einer Lese- und Rechtschreibstörung auch zu prüfen, ob ADHS vorliegt. In den ausgewerteten Studien hatten 8 bis 18 % der Kinder mit diagnostizierter LRS zusätzlich ADHS, das Risiko war etwa vierfach erhöht. Fast alle Studien untersuchten allerdings ausgewählte Gruppen, nur eine die Allgemeinbevölkerung.

Du kennst Konzentrationsprobleme gut, auch abseits von Texten? Dann mach zusätzlich den ADHS-Test für Erwachsene. Fällt dir auch Rechnen schwer, passt der Dyskalkulie-Test. Ist vor allem die Handschrift mühsam, lies den Ratgeber Dysgraphie. Und wenn du wissen willst, wie das alles zusammenhängt, hilft der breitere Selbsttest Bin ich neurodivergent?

Weitere kostenlose Selbsttests

Diese Tests helfen dir, über dich nachzudenken. Sie sind keine Diagnose – die kann nur eine Fachperson stellen.

Alle kostenlosen Selbsttests→

11. Häufige Fragen

Wie testet man, ob man Legasthenie hat?

In mehreren Schritten. Zuerst geht es um die Vorgeschichte: Seit wann fallen Lesen und Schreiben schwer, und wie sehr belastet das den Alltag? Dann wird geprüft, ob Sehen und Hören in Ordnung sind. Danach folgen standardisierte Lese- und Rechtschreibtests, meist auch ein Intelligenztest. Die Ergebnisse werden mit einer großen Gruppe Gleichaltriger oder mit der gleichen Klassenstufe verglichen. Ein Online-Selbsttest kann dir helfen zu entscheiden, ob du diesen Weg gehen willst – ersetzen kann er ihn nicht.

Gibt es einen seriösen Legasthenie-Test online?

Einen Online-Test, der eine Legasthenie feststellt, gibt es nicht. Online findest du Selbsttests wie unseren und kurze Lese- und Schreibaufgaben für Kinder. Beide können Hinweise geben. Unser Test ist nicht wissenschaftlich geprüft. Selbst die englische Erwachsenen-Checkliste von Smythe und Everatt erkannte in einer Studie von 2025 je nach Auswertung 76 bis 91,5 % der Erwachsenen mit Diagnose – einige also nicht. Standardisierte Tests verkaufen die Verlage nur an Fachleute.

Ab welchem Alter kann man einen Legasthenie-Test machen?

Genormte Tests gibt es ab der Mitte der 1. Klasse. Die Hamburger Schreib-Probe ist für Januar und Februar im ersten Schuljahr genormt, viele andere Tests für das Ende der 1. Klasse. Vor der Einschulung lässt sich eine Legasthenie nicht sicher feststellen: Keiner der Tests für Vorläuferfähigkeiten, die die Leitlinie geprüft hat, erfüllte ihre Qualitätskriterien. Mit der Förderung musst du trotzdem nicht warten.

Wann sollte ich mein Kind auf LRS testen lassen?

Wenn Lesen oder Schreiben über längere Zeit deutlich schwerer fällt als den anderen in der Klasse und es dafür keine naheliegende Erklärung gibt, zum Beispiel viel verpassten Unterricht oder geringe Deutschkenntnisse. Sprich zuerst mit der Deutschlehrkraft. Die Leitlinie empfiehlt, Kinder mit Schwierigkeiten schon im ersten Schuljahr zu fördern. Frag beim Termin, für welche Wochen im Schuljahr der geplante Test genormt ist.

Wo kann ich testen lassen, ob mein Kind LRS hat?

In der Schule über die Deutschlehrkraft und den schulpsychologischen Dienst. Eine Diagnose nach ICD-10 stellen laut dem Infoportal LONDI Ambulanzen und Praxen für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Sozialpädiatrische Zentren und Praxen für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Diese Diagnose brauchst du zum Beispiel, wenn das Jugendamt eine Lerntherapie bezahlen soll. Lerntherapeut:innen fördern, stellen aber keine Diagnose.

Kann der Kinderarzt einen LRS-Test machen?

Die Kinderarztpraxis kann eine gute erste Anlaufstelle sein, wenn du nicht weißt, wohin du dich wenden sollst. Die Diagnose selbst stellen laut Bundesverband Legasthenie & Dyskalkulie Fachärzt:innen für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen; LONDI nennt außerdem Sozialpädiatrische Zentren. Zur Untersuchung gehört immer auch die Frage, ob dein Kind gut genug sieht und hört.

Was kostet ein Legasthenie-Test?

Unser Selbsttest ist kostenlos. Bei Kindern und Jugendlichen zahlen gesetzliche und private Krankenkassen die ärztliche Untersuchung, weil die LRS eine ICD-10-Diagnose ist. Für Erwachsene übernimmt die Krankenkasse die Diagnostik laut Bundesverband Legasthenie & Dyskalkulie nicht. Was du dann zahlst, hängt von der Stelle ab – die Legasthenie-Sprechstunde des Uniklinikums Erlangen nennt als Selbstzahler-Preis rund 170 €. Frag vor dem Termin nach den Kosten.

Kann man als Erwachsener einen Legasthenie-Test machen?

Ja, aber das Angebot ist klein. Zuständig sind Ärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie oder approbierte Psychotherapeut:innen. Genormte Tests für Erwachsene gibt es nur wenige, etwa den Ein-Minuten-Lesetest des SLRT-II mit Normen für junge Erwachsene und den Rechtschreibtest RST-ARR mit Normen bis 60 Jahre. Unser Selbsttest kann dir helfen, deine Erfahrungen vor dem Termin zu ordnen.

Hat LRS etwas mit Intelligenz zu tun?

Nein. Laut ICD-10-GM lässt sich eine Lese- und Rechtschreibstörung nicht allein durch eine Intelligenzminderung erklären. Ein Intelligenztest gehört trotzdem meist zur Diagnostik: Mit ihm wird geprüft, ob eine Intelligenzminderung als Ursache infrage kommt. Ob das Leseergebnis zusätzlich mit dem IQ verglichen werden soll, ist unter Fachleuten umstritten. Eine hohe Begabung kann eine LRS eine Zeit lang verdecken.

Was sind typische Fehler bei LRS?

Beim Schreiben nennt die Anmeldung zur neuen Leitlinie vor allem Fehler bei der Groß- und Kleinschreibung, bei Konsonantenhäufungen und bei langen und kurzen Vokalen. Buchstaben fehlen, kommen dazu oder werden durch ähnlich klingende ersetzt. Beim Lesen fallen viele Fehler und ein deutlich langsames Tempo auf. Es zählt die Menge: deutlich mehr Fehler als bei anderen der gleichen Klassenstufe, und das über lange Zeit.

Quellen und Stand

Wir haben jede Zahl auf dieser Seite an der jeweiligen Quelle geprüft. Die Testliste stammt aus der Leitlinie von 2015, die gerade überarbeitet wird. Altersangaben und Normen können sich mit neuen Auflagen ändern. Unser eigener Selbsttest ist nicht wissenschaftlich geprüft.

  1. BfArM (2026). ICD-10-GM Version 2026, F81.0 Lese- und Rechtschreibstörung, F81.1 Isolierte Rechtschreibstörung. klassifikationen.bfarm.de
  2. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) u. a. (2015). S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Lese- und/oder Rechtschreibstörung, AWMF-Register-Nr. 028-044, Langfassung: Prämisse, Abschnitte 2.1, 4.1, 4.1.2, 4.1.3, 4.2.3.1, 4.3.1.1 und Gültigkeitsdauer (letzte inhaltliche Überarbeitung 23.04.2015, gültig bis 22.04.2020). Langfassung (PDF) · Evidenztabelle 2: Testverfahren (PDF)
  3. AWMF-Leitlinienregister, Eintrag 028-044: Anmeldung der Überarbeitung am 23.06.2025, geplante Fertigstellung 31.10.2026. register.awmf.org
  4. Galuschka, K. & Schulte-Körne, G. (2016). The diagnosis and treatment of reading and/or spelling disorders in children and adolescents. Deutsches Ärzteblatt International, 113(16), 279–286 (Tabelle 1: Diagnosekriterien; eTabelle 1: empfohlene Tests und Einsatzzeiträume). doi.org/10.3238/arztebl.2016.0279
  5. Moll, K., Kunze, S., Neuhoff, N., Bruder, J. & Schulte-Körne, G. (2014). Specific learning disorder: prevalence and gender differences. PLoS ONE, 9(7), e103537. doi.org/10.1371/journal.pone.0103537
  6. LONDI – Informationsportal zu Lernstörungen (Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der LMU München und DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation): Informationen für Eltern zur Lese-Rechtschreibstörung (Schule, Diagnostik, Kosten, Nachteilsausgleich). londi.de
  7. Bundesverband Legasthenie & Dyskalkulie e. V.: Legasthenie – Diagnostik; Tipps für Erwachsene mit Legasthenie (Abschnitt „Diagnostik bei Erwachsenen“). Diagnostik · Tipps für Erwachsene
  8. Uniklinikum Erlangen, Psychiatrische Institutsambulanz und Hochschulambulanz: Sprechstunde für Legasthenie im Erwachsenenalter (Selbstzahler ca. 170 €; derzeit keine neuen Termine; abgerufen am 26.09.2026). psychiatrie.uk-erlangen.de
  9. Hogrefe Testzentrale, Produktangaben: SLRT-II (2. Auflage mit erweiterten Normen, 2014), LGVT 5-12+ (2. Auflage, 2017), RST-ARR (3. Auflage, 2013), ELFE II; jeweils mit Einsatzbereich, Normen und Nachweis der Bezugsberechtigung. SLRT-II · LGVT 5-12+ · RST-ARR · ELFE II
  10. Smythe, I. & Everatt, J. (2001). Adult Checklist. British Dyslexia Association. bdadyslexia.org.uk
  11. Stark, Z., Elalouf, K., Soldano, V., Franzen, L. & Johnson, A. P. (2025). Validation and reliability of the Dyslexia Adult Checklist in screening for dyslexia. Dyslexia, 31(1), e1797. doi.org/10.1002/dys.1797

Stand: 26. September 2026

Nur zur Information – keine medizinische oder psychologische Beratung und keine Diagnose. Ob eine Lese- und/oder Rechtschreibstörung vorliegt, klären Fachleute mit standardisierten Tests und einer Untersuchung.