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Selbst-Check · 8 Minuten Lesezeit · Veröffentlicht am 26. Mai 2026

Dyskalkulie-Test — kostenloser Selbst-Check für Erwachsene

Dyskalkulie ist eine spezifische Lernstörung, die beeinflusst, wie das Gehirn Zahlen verarbeitet – etwa so häufig wie Legasthenie, aber viel seltener erkannt. Rund 3–7 % der Erwachsenen haben Dyskalkulie. Wenn Mathematik dir auf eine Weise unmöglich vorkam, die nicht zu deiner sonstigen Intelligenz passt, wenn du mit Zeit, Geld, Wegbeschreibungen oder dem Schätzen von Mengen so kämpfst, dass es die Menschen um dich herum überrascht, kann dir der Selbst-Check unten helfen zu entscheiden, ob sich eine formale Abklärung lohnt.

Das ist ein Selbst-Check, kein diagnostischer Test. Zähle die Aussagen, die dauerhaft zu deinem Erleben passen – viele Treffer sprechen dafür, dass eine formale Abklärung sinnvoll ist.

1. Mach den Selbst-Check

Der Check unten wurde ursprünglich auf Englisch entwickelt (die Aussagen stammen aus der englischsprachigen Fachliteratur, u. a. aus den Arbeiten von Brian Butterworth und Diana Laurillard). Wir arbeiten an einer vollständig deutschen Fassung des Werkzeugs – bis dahin bleiben die Aussagen auf Englisch, die Bewertung „ja / nein“ ist aber dieselbe. Wenn eine Formulierung dir Schwierigkeiten macht, nutz ein Übersetzungstool oder bitte jemanden, der Englisch kann, die Aussage laut vorzulesen.

0 / 20 beantwortet · 0 Treffer bisher

Markiere die Punkte, die konsequent zu deinem Erleben passen. Das ist ein Selbst-Check, keine Diagnose — viele Treffer sprechen dafür, dass sich eine fachliche Abklärung lohnt.

  1. 1.

    Zahlen fühlen sich für dich grundlegend verwirrend an, auf eine Weise, die du nicht erklären kannst

  2. 2.

    Du zählst als Erwachsene:r selbst bei einfachen Rechnungen an den Fingern

  3. 3.

    Es fällt dir schwer, Mengen zu schätzen (wie viele Menschen in einem Raum sind, Entfernungen)

  4. 4.

    Du vertauschst regelmäßig Ziffern, wenn du Telefonnummern oder Beträge aufschreibst

  5. 5.

    Kopfrechnen ist langsam und anstrengend, selbst bei kleinen Aufgaben

  6. 6.

    Analoge Uhren abzulesen fällt dir schwerer als den Menschen um dich herum

  7. 7.

    Links und rechts auseinanderzuhalten erfordert bewusstes Nachdenken

  8. 8.

    Du meidest Restaurants, in denen ihr die Rechnung aufteilen müsstet

  9. 9.

    Rezepten mit mehreren Mengenangaben zu folgen, überfordert dich

  10. 10.

    Karten und Wegbeschreibungen verwirren dich so, dass es andere überrascht

  11. 11.

    Deine Zeiteinschätzung liegt durchgehend daneben — du weißt nicht, wie lange Dinge dauern

  12. 12.

    Kalender und das Rechnen mit Daten sind verwirrend

  13. 13.

    Du merkst dir Abläufe rund um Zahlen, statt sie jedes Mal neu auszurechnen

  14. 14.

    Mit Geld umzugehen fällt dir schwerer als den Menschen um dich herum

  15. 15.

    Statistische Konzepte sind für dich intuitiv verwirrend, selbst außerhalb des Unterrichts

  16. 16.

    Zahlenmuster oder -folgen „klicken“ bei dir nicht so wie scheinbar bei anderen

  17. 17.

    Mathe in der Schule war trotz Mühe durchgehend schwerer als andere Fächer

  18. 18.

    Deine Mathe-Angst ist ausgeprägt und begann schon in der Kindheit

  19. 19.

    Du kannst anspruchsvolle Texte lesen, verlierst dich aber bei numerischen Inhalten

  20. 20.

    Ein Familienmitglied hat ebenfalls Dyskalkulie oder Schwierigkeiten mit Mathe

20 Punkte übrig. Du kannst jederzeit absenden, sobald du mindestens 5 beantwortet hast.

Deine Antworten bleiben in deinem Browser. Wir speichern sie nicht und geben sie nicht weiter.

2. Zu den Ergebnisbereichen

Wenige Aussagen, die sehr stark zutreffen, können aussagekräftiger sein als viele, die nur schwach passen. Der Selbst-Check ist ein Ausgangspunkt, keine Diagnose.

3. Was Dyskalkulie wirklich ist

Dyskalkulie ist eine spezifische Lernstörung, die die Verarbeitung von Zahlen betrifft. Im DSM-5 ist sie als „spezifische Lernstörung mit Beeinträchtigung im Rechnen“ anerkannt, in der ICD-11 als entwicklungsbedingte Lernstörung mit Beeinträchtigung im Rechnen. In Deutschland trägt sie in der ICD-10-GM, nach der die Krankenkassen weiterhin abrechnen, den Code F81.2 („Rechenstörung“). Sie ist neurologisch bedingt, bleibt ein Leben lang bestehen und ist seit der Kindheit da.

Was Dyskalkulie betrifft:

4. Dyskalkulie vs. Mathe-Angst

Verschieden, aber häufig gemeinsam auftretend:

Viele Erwachsene mit Dyskalkulie haben die Mathe-Angst als zweite Reaktion auf jahrelange Mühe entwickelt. Der Umgang unterscheidet sich: Dyskalkulie braucht Anpassungen und Kompensationsstrategien; Mathe-Angst braucht die Arbeit an der Angst (etwa kognitive Verhaltenstherapie, Exposition, Regulation des Nervensystems).

5. Es geht nicht um Intelligenz

Dyskalkulie ist gezielt eine Schwierigkeit mit der Verarbeitung von Zahlen, nicht mit Denken, Verstand oder allgemeiner Intelligenz. Viele Erwachsene mit Dyskalkulie haben in nicht-numerischen Bereichen eine überdurchschnittliche Intelligenz.

Die historische Deutung von Kindern mit Dyskalkulie als „einfach schlecht in Mathe“ hat enormen Schaden angerichtet. Erwachsene mit Dyskalkulie wurden oft jahrzehntelang anhand ihrer Mathe-Leistung unterschätzt. Die Erkenntnis, dass die zugrunde liegende Intelligenz intakt ist, wirkt darum häufig tief erleichternd.

6. Überschneidung mit ADHS, Legasthenie, Autismus

Dyskalkulie tritt häufig gemeinsam auf mit:

Eine umfassende Abklärung, die mehrere Profile mitdenkt, führt zu besseren Ergebnissen als eine Dyskalkulie-Diagnostik in Isolation. Wenn du auch andere Profile bei dir vermutest, lohnt es sich, die Fachperson gleich um ein breiteres Screening zu bitten.

7. Eine formale Abklärung bekommen

Die Diagnose stellen entsprechend qualifizierte Psycholog:innen oder Fachärzt:innen mit standardisierten Verfahren. Eine typische Abklärung umfasst:

In Deutschland läuft die Diagnostik bei Kindern und Jugendlichen oft über schulpsychologische Dienste und sozialpädiatrische Zentren, und die Krankenkasse übernimmt vieles. Für Erwachsene ist das Angebot dünner – viele lassen sich als Selbstzahler:innen privat abklären, mit Kosten meist zwischen rund 400 und 1.500 € (die privaten Preise schwanken). Die Wartezeiten auf einen Termin sind oft lang. Manche Hochschulen haben Beratungsstellen für Studierende mit Behinderung, die bei Abklärung und Nachteilsausgleich unterstützen.

8. Anpassungen, die helfen

Am Arbeitsplatz und im Studium:

In Deutschland bilden das SGB IX (etwa Schwerbehindertenausweis und Grad der Behinderung) und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) die rechtliche Grundlage; im Studium greift der Nachteilsausgleich. Anpassungen für Erwachsene setzen meist eine dokumentierte Diagnose voraus.

9. Technik, die hilft

10. Beruf und Lebensentscheidungen

Viele Erwachsene mit Dyskalkulie arbeiten erfolgreich in Feldern, in denen sich nicht alles um Zahlen dreht:

Wenn numerische Aufgaben unvermeidlich sind, machen Technik und Anpassungen sie handhabbar. Meide dein Feld nicht komplett, nur weil du Dyskalkulie hast – bau dir die Unterstützung auf.

11. Den Schul-Scham auflösen

Viele Erwachsene mit Dyskalkulie tragen erheblichen Scham aus ihren schulischen Mathe-Erfahrungen:

Dyskalkulie als neurologischen Unterschied zu erkennen, ordnet das alles neu ein. Die Identifikation im Erwachsenenalter wirkt oft tief erleichternd – sie repariert die Erinnerungen nicht, nimmt aber die Schuld aus ihnen heraus.

12. Geld verwalten mit Dyskalkulie

Praktische Strategien:

13. Zeit verwalten mit Dyskalkulie

14. Community und Anlaufstellen

15. Häufige Fragen

Was ist Dyskalkulie?

Dyskalkulie ist eine spezifische Lernstörung, die beeinflusst, wie das Gehirn Zahleninformationen verarbeitet. Dazu gehören Schwierigkeiten mit dem Zahlenverständnis, mit Arithmetik, mathematischem Denken, dem Schätzen von Zeit und Mengen sowie mit räumlich-numerischen Zusammenhängen. Sie ist etwas anderes als Mathe-Angst (eine emotionale Reaktion auf Mathematik), auch wenn beide häufig gemeinsam auftreten. Dyskalkulie ist im DSM-5 als „spezifische Lernstörung mit Beeinträchtigung im Rechnen“ anerkannt; in Deutschland läuft sie in der ICD-10-GM, nach der die Krankenkassen abrechnen, unter dem Code F81.2 („Rechenstörung“), und die ICD-11 führt sie als entwicklungsbedingte Lernstörung mit Beeinträchtigung im Rechnen. Sie ist neurologisch bedingt, bleibt ein Leben lang bestehen und betrifft rund 3–7 % der Erwachsenen — damit ist sie etwa so häufig wie Legasthenie, wird aber viel seltener erkannt.

Ist dieser Selbst-Check eine Diagnose?

Nein. Das ist ein Selbst-Check, der dir helfen soll zu entscheiden, ob sich eine formale Abklärung der Dyskalkulie lohnt. Ein Ergebnis „viele Anzeichen treffen zu“ ist ein echtes Signal, das eine Abklärung durch Fachleute rechtfertigt. Ein Ergebnis „wenige Anzeichen treffen zu“ schließt Dyskalkulie nicht aus — vor allem dann nicht, wenn du dir über Jahre Kompensationsstrategien aufgebaut hast. Die formale Diagnose stellen in Deutschland meist Psychologische Psychotherapeut:innen, Fachärzt:innen oder spezialisierte Beratungsstellen mit standardisierten Verfahren zur Erfassung der Rechenleistung.

Wie wird Dyskalkulie diagnostiziert?

Die Diagnose stellen entsprechend qualifizierte Psycholog:innen oder Fachärzt:innen mit standardisierten Verfahren. Eine Abklärung umfasst in der Regel: eine kognitive Testung, um das grundlegende Leistungsniveau festzustellen, eine gezielte Erfassung der Rechenfertigkeiten (Zahlenverständnis, Rechnen, mathematisches Denken), ein Screening auf begleitende Profile (Legasthenie, ADHS und Autismus treten häufig gemeinsam auf) sowie die Familien- und Lerngeschichte. Bei Kindern und Jugendlichen läuft vieles über die schulpsychologischen Dienste und sozialpädiatrische Zentren; bei Erwachsenen ist das Angebot dünner, und viele lassen sich als Selbstzahler:innen privat abklären — die Kosten liegen meist zwischen rund 400 und 1.500 €, je nach Region und Umfang.

Hat Dyskalkulie etwas mit Intelligenz zu tun?

Überhaupt nicht. Dyskalkulie ist gezielt eine Schwierigkeit mit der Verarbeitung von Zahlen — nicht mit Intelligenz, Denken oder Verstand im Allgemeinen. Viele Erwachsene mit Dyskalkulie haben in nicht-numerischen Bereichen eine überdurchschnittliche Intelligenz. Die historische Fehldeutung von Kindern mit Dyskalkulie als „einfach schlecht in Mathe“ hat enormen Schaden angerichtet. Erwachsene mit Dyskalkulie wurden oft jahrzehntelang anhand ihrer Mathe-Leistung unterschätzt — die Erkenntnis, dass die zugrunde liegende Intelligenz völlig intakt ist, wirkt darum häufig tief erleichternd.

Wie unterscheidet sich Dyskalkulie von Mathe-Angst?

Mathe-Angst ist eine emotionale Reaktion auf Mathematik — Angst, Beklemmung, Panik, die die Leistung blockieren. Dyskalkulie ist eine neurologisch bedingte Schwierigkeit mit der Zahlenverarbeitung, die seit der Kindheit besteht und auch ohne Angst da ist. Beide treten oft gemeinsam auf — viele Erwachsene mit Dyskalkulie haben die Mathe-Angst als zweite, nachträgliche Reaktion auf jahrelange Mühe entwickelt. Aber man kann Mathe-Angst ohne Dyskalkulie haben (die Angst blockiert eine ansonsten intakte Fähigkeit) und Dyskalkulie ohne nennenswerte Angst. Der Umgang mit beiden ist verschieden.

Tritt Dyskalkulie zusammen mit anderen Profilen auf?

Häufig. Dyskalkulie tritt oft gemeinsam mit Legasthenie auf (Verwechseln von Zahlen und Zahlwörtern), mit ADHS (exekutive Funktionen wirken sich auf das Rechnen aus) und mit Autismus (paradoxerweise — viele autistische Erwachsene haben starke Mathe-Fähigkeiten, ein Teil aber hat Dyskalkulie). Angst, besonders die Mathe-Angst, ist als zweite Reaktion häufig. Eine umfassende Abklärung, die mehrere Profile mitdenkt, führt zu besseren Ergebnissen als eine Dyskalkulie-Diagnostik in Isolation.

Welche Anpassungen helfen Erwachsenen mit Dyskalkulie?

Anpassungen am Arbeitsplatz und im Studium: mehr Zeit für numerische Aufgaben, Taschenrechner für alle Berechnungen (auch einfache), schriftliche statt mündliche Zahlenangaben, das Zerlegen komplexer Rechnungen in Schritte, dyskalkulie-freundliche Software (Tabellen, Rechner, Umrechnungstools), Flexibilität bei der Zeit- und Terminerfassung sowie die Möglichkeit, numerische Anweisungen aufzunehmen. In Deutschland greifen das SGB IX (etwa Schwerbehindertenausweis und Grad der Behinderung) und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG); im Studium unterstützt der Nachteilsausgleich. Anpassungen für Erwachsene setzen meist eine dokumentierte Diagnose voraus.

Kann man Dyskalkulie behandeln?

Dyskalkulie ist ein neurologischer Unterschied fürs Leben, keine heilbare Krankheit. Aber ihre Auswirkungen lassen sich deutlich verringern — durch Anpassungen (Taschenrechner, barrierearme Software), durch explizites Üben numerischer Strategien, durch Unterstützung des Arbeitsgedächtnisses, durch die Arbeit an einer begleitenden Mathe-Angst und durch die Wahl von Wegen, die nicht stark von der Zahlenverarbeitung abhängen. Viele Erwachsene mit Dyskalkulie arbeiten erfolgreich in Feldern, in denen sich nicht alles um Zahlen dreht, und nutzen für die numerischen Aufgaben, die trotzdem auftauchen, konsequent Technik.