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Diagnose-Pfeiler · 14 Minuten Lesezeit · Aktualisiert 5. Juni 2026

AuDHD-Diagnose: Autismus und ADHS zusammen erkennen

Eine AuDHD-Diagnose bedeutet, formal sowohl auf Autismus als auch auf ADHS abgeklärt zu werden — zusammen, von jemandem, der versteht, wie die beiden zusammenwirken. Die Doppeldiagnose ist erst seit 2013 (DSM-5) bzw. der ICD-11 ausdrücklich erlaubt, und die Praxis hinkt der Forschung weiter hinterher, sodass die meisten AuDHD-Erwachsenen ihre Diagnosen einzeln bekommen, oft Jahre auseinander. Dieser Ratgeber geht durch, was eine abgestimmte doppelte Abklärung tatsächlich umfasst: die Verfahren auf beiden Seiten und wie sie sich stapeln, den Prozess Schritt für Schritt, warum eine Diagnose so verlässlich die andere verdeckt, die realistischen Wege in Deutschland — und wie ein bejahendes Leben aussieht, wenn der Bericht da ist.

Durchgehend identitätsbejahend und neurodiversitätsbejahend. Geschrieben von AuDHD-Erwachsenen, die die Abklärung selbst durchlaufen haben — Aufklärung und Ausgangspunkt, keine Diagnose für sich.

1. Was eine AuDHD-Diagnose bedeutet

AuDHD ist die gelebte Kurzform dafür, sowohl autistisch als auch von ADHS geprägt zu sein — ein einziges Nervensystem, das zwei Neurotypen zugleich trägt. Eine AuDHD-Diagnose ist die formale Anerkennung dieses doppelten Profils: Eine Fachperson bestätigt, dass du die Kriterien für Autismus und für ADHS erfüllst, idealerweise in einer abgestimmten Abklärung statt in zwei voneinander getrennten.

Das ist neuer, als die meisten Menschen denken. Unter dem DSM-IV galten die beiden Diagnosen als sich gegenseitig ausschließend — das Handbuch wies Fachleute an, bei einer autistischen Person gar kein ADHS zu diagnostizieren. Wenn du autistisch warst, wurden deine Unterschiede in Aufmerksamkeit und Impulskontrolle unter Autismus verbucht; wenn du ADHS hattest, wurden deine sozialen und sensorischen Unterschiede unter ADHS verbucht. Das DSM-5 hob diesen Ausschluss 2013 auf, und die ICD-11 lässt das gemeinsame Auftreten ausdrücklich zu. Auf dem Papier wurde die Doppeldiagnose damit über Nacht gültig, doch die Fachwelt hatte jahrzehntelang unter der alten Regel gelernt — und dieser Rückstand prägt bis heute, wer erkannt wird.

Die Kombination ist häufig, nicht exotisch. Studien schätzen, dass irgendwo zwischen 30 und 80 Prozent der autistischen Menschen auch die ADHS-Kriterien erfüllen und dass eine große Minderheit der Erwachsenen mit ADHS autistische Merkmale trägt. Die beiden treten weit über dem Zufall hinaus gemeinsam auf, und der Befund wurde in vielen Stichproben repliziert. AuDHD ist eines der häufigsten neurodivergenten Profile überhaupt.

Was das AuDHD-Profil besonders macht: Es ist nicht einfach Autismus plus ADHS aneinandergeschraubt — die beiden ziehen in entgegengesetzte Richtungen und erzeugen ein ständiges inneres Aushandeln. Die autistische Seite sehnt sich nach Routine, Gleichbleiben und tiefem, vorhersehbarem Fokus; die ADHS-Seite sehnt sich nach Neuem, Abwechslung und Stimulation. Das Ergebnis ist oft ein Mensch, der ausgefeilte Systeme baut und sich dann nicht an sie halten kann, der Struktur braucht, um zu funktionieren, sich aber von ihr erstickt fühlt, der neun Stunden im Hyperfokus arbeiten kann und danach nicht in der Lage ist, eine Zwei-Minuten-Aufgabe zu beginnen. Eine Doppeldiagnose benennt dieses ganze Muster, weshalb sie so oft mehr erklärt, als es jedes Einzeletikett vermocht hat. Das vollständige Bild der gelebten Erfahrung findest du in unserem Ratgeber „Was ist AuDHD?“.

2. Warum eine Diagnose oft die andere verdeckt

Der mit Abstand wichtigste Grund, warum AuDHD-Erwachsene nur eine halbe Diagnose bekommen, ist die diagnostische Überschattung — die gut belegte Neigung, das gesamte Bild einer Person der einen bereits genannten Diagnose zuzuschreiben, sodass alles, was nicht passt, wegerklärt statt untersucht wird. Sobald eine Fachperson ein Arbeitsetikett hat, wirkt es wie ein Filter:

Die praktische Folge: Eine Abklärung auf nur ein Profil wird tendenziell auch nur ein Profil finden. Wenn du AuDHD vermutest, ist das Wichtigste, was du tun kannst, eine Fachperson zu suchen, die ausdrücklich beides abklärt — oder, wo das nicht möglich ist, gleich das zweite Profil zu benennen, damit es von Anfang an auf dem Tisch liegt.

3. Die diagnostischen Verfahren

Eine echte doppelte Abklärung sucht sich keine Seite aus — sie stapelt die Autismus-Verfahren und die ADHS-Verfahren und liest sie zusammen. Keines dieser Verfahren diagnostiziert für sich allein; jedes ist ein strukturierter Datenpunkt, den eine Fachperson gegen deine Entwicklungsgeschichte und das klinische Gespräch abwägt. Hier ist, was jede Seite beiträgt.

Autismus-Verfahren

ADHS-Verfahren

In einer abgestimmten AuDHD-Abklärung könnte eine Fachperson zum Beispiel das ADOS-2 und den RAADS-R für die Autismus-Seite und das DIVA-5 und die ASRS für die ADHS-Seite innerhalb derselben Gesamtabklärung durchführen — und sie dann als ein einziges Bild deuten, mit besonderem Blick darauf, wie die beiden Profile zusammenwirken, statt jedes im luftleeren Raum zu bewerten. Genau diese Zusammenführung kann eine Abklärung auf nur ein Profil dir nicht geben.

Fragst du dich, ob es beides ist?

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4. Der Ablauf der Abklärung, Schritt für Schritt

Eine AuDHD-Abklärung bei Erwachsenen durchläuft in der Regel dieselben groben Stufen, ob über die Kasse oder privat. Das doppelte Element zeigt sich als Verdopplung der Verfahrensarbeit, nicht als andere Form:

  1. Überweisung. In der gesetzlichen Versorgung beginnt das meist mit einem Termin beim Hausarzt oder bei der Hausärztin, bei dem du eine Überweisung zur Abklärung von Autismus und/oder ADHS erbittest — zum Beispiel an einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder eine spezialisierte Autismus-Ambulanz. Beides zu benennen ist wichtig — wenn du nur eines erwähnst, wirst du wahrscheinlich auf einen Einzel-Profil-Weg geleitet. Privat buchst du direkt bei einer Praxis oder Fachperson als Selbstzahler:in.
  2. Screening. Vor oder beim ersten Termin füllst du Selbstauskunftsbögen aus — häufig den AQ oder RAADS-R für Autismus und die ASRS für ADHS — plus einen Aufnahmebogen zu deiner Vorgeschichte und den Gründen, aus denen du die Abklärung suchst. Diese zeigen, welche ausführlicheren Protokolle sich lohnen.
  3. Klinisches Gespräch. Der Kern der Abklärung: ein ausführliches Gespräch über deine Entwicklungsgeschichte (Muster aus der Kindheit zählen für beide Diagnosen), dein aktuelles Funktionieren und konkrete gelebte Beispiele in den Bereichen Soziales, Sensorik, Aufmerksamkeit und exekutive Funktionen. Bei ADHS wird hier oft das DIVA-5 durchgeführt; bei Autismus deckt es die diagnostischen Bereiche in der Tiefe ab.
  4. Beobachtung und strukturierte Verfahren. Wo eingesetzt, liefert das ADOS-2 eine strukturierte Beobachtung für die Autismus-Seite, und normierte Bewertungsskalen wie die Conners fügen quantitative Daten für die ADHS-Seite hinzu. Ergänzende Angaben — von einem Elternteil, Geschwister oder langjährigen Partner:in, die deine Kindheit und deine aktuellen Muster beschreiben können — werden hier gesammelt, sofern verfügbar, und sind besonders wertvoll für das Entwicklungsbild.
  5. Rückmeldung und Bericht. Die Fachperson führt alles zu einem Schluss zusammen: Autismus, ADHS, beides oder keines, mit Begründung. In der Regel bekommst du ein mündliches Rückmeldegespräch und anschließend einen schriftlichen Bericht — oft 10 bis 30 Seiten —, der die Befunde und Empfehlungen darlegt. Diesen Bericht nutzt du später, um Anpassungen zu beantragen.

Von Anfang bis Ende beträgt der fachliche Kontakt meist 4 bis 8 Stunden über 2 bis 4 Termine, der schriftliche Bericht folgt einige Wochen später. Die weit größere Stellschraube ist die Wartezeit, überhaupt gesehen zu werden — und genau hier kommt die Wahl des Wegs ins Spiel.

5. Diagnosewege in Deutschland

Der Zugang zu einer doppelten Abklärung unterscheidet sich stark danach, wo du wohnst. Die Verfahren sind weltweit weitgehend gleich; die Wartezeiten, Kosten und die Verfügbarkeit sind es nicht.

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)

Über die gesetzliche Krankenversicherung ist die Abklärung Kassenleistung und für dich grundsätzlich kostenfrei — der Preis sind die Wartezeiten. Bei Erwachsenen liegen sie häufig bei ein bis drei Jahren und manchmal deutlich länger, wobei eine doppelte Abklärung oft die langsamste von allen ist, weil sie auf zwei Wegen aufbaut. Der übliche Weg ist eine Überweisung vom Hausarzt an einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, an eine psychiatrische Institutsambulanz oder, wo vorhanden, an eine spezialisierte Autismus-Ambulanz. Der Engpass ist real: Es gibt zu wenige auf die Diagnostik im Erwachsenenalter spezialisierte Stellen, und die Nachfrage ist in den letzten Jahren stark gestiegen.

Privat als Selbstzahler:in

Die andere Option ist die private Abklärung als Selbstzahler:in, mit deutlich kürzeren Zeitlinien — oft einige Wochen statt Jahre. Eine ADHS-Abklärung bei Erwachsenen kostet meist einige Hundert bis über tausend Euro, eine Autismus-Abklärung ähnlich; eine vollständige AuDHD-Abklärung addiert beide Prozesse und liegt realistisch im niedrigen vierstelligen Bereich. Die genannten Spannen sind grobe Orientierung, kein Angebot einer bestimmten Praxis — Preise unterscheiden sich regional. Die größte Hürde ist, eine Fachperson zu finden, die beides abklärt; viele Praxen machen ein Profil gut und überweisen für das andere weiter.

Österreich, Schweiz und der Mischweg

Im deutschsprachigen Raum ist das Bild gemischt. Österreich und die Schweiz haben eigene Systeme, in denen Zugang, Kostenübernahme und Wartezeiten anders geregelt sind als in Deutschland — informiere dich dort über die konkreten Wege deiner Region. Überall gilt: Ein häufiger pragmatischer Weg ist ein Mischweg — ein Profil über die Kasse abklären, das andere privat. Das funktioniert, aber sei dir bewusst, dass es zwei getrennte, nicht aufeinander abgestimmte Befunde erzeugt statt eines integrierten AuDHD-Berichts. Welche Anpassungen am Ende möglich sind, regeln in Deutschland unter anderem das SGB IX und der Grad der Behinderung — Autismus und ADHS können einen Grad der Behinderung begründen, automatisch ist das aber nicht.

6. Selbsttest vor der klinischen Abklärung

Du musst nicht unvorbereitet in eine Abklärung gehen. Ein strukturierter Selbsttest, bevor du eine Fachperson suchst, bringt zwei nützliche Dinge: Er hilft dir zu entscheiden, ob sich eine vollständige Abklärung angesichts von Kosten und Wartezeit lohnt, und er gibt dir geordnetes Material an die Hand — was die Genauigkeit der Abklärung messbar verbessert, weil Fachleute aus den Beispielen arbeiten, die du benennen kannst.

Unsere kostenlosen, identitätsbejahenden Selbsttests sind genau dafür gebaut:

Keiner davon ist eine Diagnose, und keiner sollte als solche dargestellt werden — sie sind strukturierte Ausgangspunkte. Ein hoher Wert ist ein Grund, eine Abklärung zu suchen, kein Ersatz dafür. Aber die Notizen, die du erzeugst — konkrete Beispiele aus der Kindheit, dein sensorisches Profil, deine Masking-Muster, wo die exekutiven Funktionen versagen — gehören zum Wertvollsten, was du in das klinische Gespräch mitbringen kannst. Wenn du den längeren Blick darauf möchtest, wie die Diagnostik speziell auf der Autismus-Seite funktioniert, geht unser Ratgeber zur Autismus-Diagnose bei Erwachsenen tiefer darauf ein, was du mitbringen und wie du eine bejahende Fachperson finden kannst.

7. Was nach einer Doppeldiagnose zu tun ist

Der Bericht ist ein Ausgangspunkt, kein Endpunkt — die Jahre nach der Diagnose sind meist die Zeit, in der die eigentliche Veränderung passiert. Ein bejahender Weg nach vorn hat in der Regel drei Stränge.

Viele AuDHD-Erwachsene erreichen die Doppeldiagnose nacheinander — zuerst ADHS bei einem Zusammenbruch am Arbeitsplatz, Autismus Jahre später, als das Medikament half, der Rest sich aber nie auflöste. Wenn das auf dich zutrifft: Die zweite Diagnose ist kein Von-vorn-Beginnen, sondern das Vervollständigen des Bildes. Und wenn eine formale Abklärung außer Reichweite ist, ist die Selbstidentifikation als AuDHD breit akzeptiert und gibt dir trotzdem den Rahmen — das Einzige, was sie dir nicht geben kann, ist der Zugang zu rechtlichen Anpassungen und Medikamenten, den ein formaler Bericht freischaltet.

8. Häufige Fragen

Kann man Autismus und ADHS gleichzeitig diagnostiziert bekommen?

Ja. Frühere Klassifikationen schlossen das aus – das DSM-IV verbot ausdrücklich, Autismus und ADHS bei derselben Person zu diagnostizieren, Fachleute mussten sich für eines entscheiden. Das DSM-5 hob diesen Ausschluss 2013 auf, und die ICD-11 (WHO, seit 2022 gültig) lässt das gemeinsame Auftreten beider Diagnosen ausdrücklich zu. In Deutschland wird in der Abrechnung noch die ICD-10-GM genutzt, die Umstellung auf die ICD-11 läuft. Eine Doppeldiagnose ist heute gültig und wird immer häufiger gestellt. Die Überschneidung ist groß: Studien schätzen, dass 30 bis 80 Prozent der autistischen Menschen auch die Kriterien für ADHS erfüllen, und ein erheblicher Teil der Erwachsenen mit ADHS autistische Merkmale trägt. AuDHD ist eines der häufigsten neurodivergenten Profile, kein seltener Sonderfall. Das Hindernis ist nicht mehr das Diagnosehandbuch – es ist, dass Praxis, Ausbildung und Diagnosewege immer noch hinterherhinken, sodass die meisten AuDHD-Erwachsenen ihre Diagnosen einzeln bekommen, oft Jahre auseinander.

Warum wird so oft eine der beiden übersehen?

Diagnostische Überschattung. Sobald eine Fachperson ein Arbeitsetikett hat, liest sie tendenziell alles durch diese Brille – die ADHS-Unruhe wird der autistischen Angst zugeschrieben, oder die autistischen sozialen Schwierigkeiten werden als ADHS-Unaufmerksamkeit abgetan. Die beiden Profile maskieren sich auch tatsächlich gegenseitig: autistische Routine und Struktur können das sichtbare ADHS-Chaos dämpfen, während die ADHS-Suche nach Neuem die Beständigkeit verwischt, nach der die Autismus-Diagnostik sucht. Dazu kommt, dass die meisten Diagnostiker:innen für Erwachsene vor allem in einem Bereich ausgebildet sind, dass die ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen in vielen Regionen weiter entwickelt ist als die Autismus-Diagnostik, und dass Frauen, AFAB-Erwachsene und rassifizierte Erwachsene routinemäßig mit einer Diagnose abgespeist werden, während die andere übersehen wird – und so ist die Einzeldiagnose der Normalfall, sofern du nicht gezielt eine doppelte Abklärung suchst.

Welche Verfahren kommen bei einer AuDHD-Abklärung zum Einsatz?

Eine doppelte Abklärung stapelt Autismus- und ADHS-Verfahren, statt sich zwischen ihnen zu entscheiden. Auf der Autismus-Seite: das ADOS-2 (eine strukturierte Verhaltensbeobachtung, ein anerkanntes unterstützendes Verfahren), der RAADS-R (ein Selbstauskunftsbogen mit 80 Items, stark bei spät erkannten und stark maskierenden Erwachsenen) und der AQ (ein Screening mit 50 Items, mit dem AQ-10 als Kurzform). Auf der ADHS-Seite: das DIVA-5 (ein strukturiertes diagnostisches Interview, direkt an den DSM-5-Kriterien für Kindheit und Erwachsenenalter ausgerichtet), die ASRS (ein kurzes Selbstauskunfts-Screening der WHO) und die Conners-Skalen für Erwachsene. Kein einzelner Wert diagnostiziert irgendjemanden – die Verfahren sind strukturierte Datenpunkte, die eine Fachperson neben der Entwicklungsgeschichte und dem klinischen Gespräch abwägt.

Wie lange dauert eine AuDHD-Abklärung?

Von der ersten Überweisung bis zum fertigen Bericht: in der gesetzlichen Versorgung in Deutschland oft viele Monate bis über zwei Jahre, weil die Wartezeiten auf Diagnosetermine bei Erwachsenen lang sind; bei privater Abklärung als Selbstzahler:in eher einige Wochen. Die eigentliche fachliche Arbeit – sobald du tatsächlich gesehen wirst – umfasst meist 4 bis 8 Stunden, verteilt auf 2 bis 4 Termine, weil eine doppelte Abklärung sowohl ein Autismus- als auch ein ADHS-Protokoll durchläuft. Ein ausführlicher schriftlicher Bericht folgt, häufig 2 bis 6 Wochen später und oft 10 bis 30 Seiten lang. Die mit Abstand größte Stellschraube für die Gesamtdauer ist, ob du über eine Warteliste der gesetzlichen Krankenversicherung gehst oder privat zahlst.

Was kostet eine AuDHD-Abklärung?

Das hängt stark vom Weg ab. Über die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist die Abklärung Kassenleistung und für dich grundsätzlich kostenfrei – der Preis ist hier die Wartezeit, die bei Erwachsenen oft ein bis drei Jahre und manchmal länger beträgt. Als Selbstzahler:in privat kostet eine ADHS-Abklärung bei Erwachsenen meist einige Hundert bis über tausend Euro, eine Autismus-Abklärung ähnlich; eine vollständige AuDHD-Abklärung addiert beide Prozesse und liegt realistisch im niedrigen vierstelligen Bereich. Die genannten Spannen sind grobe Orientierung, kein Angebot einer bestimmten Praxis – Preise und Wartezeiten unterscheiden sich regional und in Österreich und der Schweiz. Viele Erwachsene wählen einen Mischweg: ein Profil lassen sie über die Kasse abklären, das andere privat – das erzeugt aber zwei getrennte, nicht aufeinander abgestimmte Befunde.

Ich habe eine der beiden Diagnosen – sollte ich mich auf die andere abklären lassen?

Wenn die erste Diagnose einen Teil deiner Erfahrung erklärt, aber ein hartnäckiger Rest bleibt – das Medikament hat deine Konzentration verbessert, aber die Reizüberflutung und die soziale Erschöpfung haben sich nie verändert, zum Beispiel –, dann ist dieser Rest oft das zweite Profil. Es ist sinnvoll, deine bestehende Fachperson um eine ergänzende Abklärung des anderen Profils zu bitten oder gezielt jemanden zu suchen, der es abklärt. Der Schritt von einem Teilbild zum vollständigen AuDHD-Bild erklärt häufig weit mehr als jede der beiden Einzeldiagnosen für sich – und er verändert, welche Anpassungen und Unterstützungen tatsächlich zu dir passen.

Ist Selbstidentifikation bei AuDHD gültig?

Ja, und viele Erwachsene kommen zuerst über Selbstidentifikation zu AuDHD. Sowohl die autistische als auch die ADHS-Community akzeptieren Selbstidentifikation weitgehend, besonders dort, wo eine formale Abklärung durch Kosten, Wartezeiten oder einen Mangel an auf Erwachsene spezialisierten Diagnostiker:innen erschwert wird. Der Rahmen hilft dir, deine Erfahrung zu verstehen – unabhängig von Papieren. Die wesentlichen praktischen Grenzen sind äußerlich: Eine formale Diagnose ist das, was rechtliche Anpassungen (etwa über das SGB IX oder einen Grad der Behinderung) und – bei ADHS – den Zugang zu Medikamenten freischaltet. Selbstidentifikation und formale Diagnose sind beide legitim, und viele Menschen machen erst das eine und dann das andere.

Bedeutet eine AuDHD-Diagnose ABA?

Nein – und du solltest bei jeder Fachperson, die das empfiehlt, vorsichtig sein. Applied Behavior Analysis (ABA) zielt darauf ab, autistisches Verhalten zu unterdrücken, statt die autistische Person zu unterstützen, und eine große, wachsende Zahl von Arbeiten aus der autistischen Selbstvertretung verbindet ABA mit Schaden, darunter Trauma und verstärktes Masking. Auch im deutschsprachigen Raum lehnt die autistische Community ABA breit ab. Ein bejahender Weg nach der Diagnose ist das Gegenteil: Anpassungen, Selbstverständnis, Unterstützung bei Reizverarbeitung und exekutiven Funktionen sowie ADHS-Medikation, wo sie hilft. Das Ziel ist, die Umgebung an dich anzupassen – nicht, dich aus dem AuDHD-Sein herauszutrainieren.