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Neurodiverge App

ADHS und Apps · 12 Minuten Lesezeit · Aktualisiert 17. Oktober 2026

ADHS-App: Was auf Rezept geht und was wirklich hilft

Mit „ADHS-App“ sind zwei sehr verschiedene Dinge gemeint. Zum einen Therapie-Apps auf Rezept: Im DiGA-Verzeichnis des BfArM stehen drei Anwendungen für ADHS, attexis und ORIKO für Erwachsene und hiToco für Eltern von Kindern mit ADHS. Mit Diagnose zahlt die gesetzliche Krankenkasse. Zum anderen Alltags-Apps aus dem Store, also Planer, Timer und Tracker. Sie sind oft kostenlos, aber fast nie in Studien geprüft.

Kurz beantwortet

  • Auf Rezept (Stand 17. 10. 2026): attexis (dauerhaft aufgenommen), ORIKO (vorläufig bis 8. 12. 2026) und hiToco für Eltern (vorläufig bis 15. 7. 2027).
  • Krankenkasse: Verordnung durch Ärztin, Arzt oder Psychotherapeut:in, oder direkt über die Kasse mit Nachweis der Diagnose. Laut Verzeichnis keine Mehrkosten.
  • Wirkung: In Studien halfen die Apps mehr als die übliche Behandlung allein. Die Studien bezahlten aber die Hersteller, und die Ergebnisse beruhen auf Selbstauskünften.
  • Alltags-Apps: Eine beste App gibt es nicht. Zu den meisten Store-Apps fehlen Studien. Achte auf den Datenschutz.

Geschrieben von neurodivergenten Erwachsenen. Wir bauen selbst eine Web-App für neurodivergente Menschen. Neurodiverge ist kein Medizinprodukt, keine DiGA und keine Kassenleistung. Keine der genannten Apps ist gesponsert, und wir bekommen keine Provision.

1. Gibt es eine ADHS-App auf Rezept?

Ja. Am 17. Oktober 2026 stehen im DiGA-Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) drei Apps mit ADHS-Indikation. DiGA steht für digitale Gesundheitsanwendung, im Alltag sagt man „App auf Rezept“. Eine App kommt nur in das Verzeichnis, wenn der Hersteller Sicherheit, Datenschutz und einen positiven Versorgungseffekt nachweist. Das ist ein medizinischer Nutzen oder eine spürbare Verbesserung der Versorgung.

Fehlt dieser Nachweis noch, kann das BfArM eine App vorläufig zur Erprobung aufnehmen, zunächst für bis zu zwölf Monate. Die Erprobung kann um bis zu zwölf Monate verlängert werden. Gelingt der Nachweis nicht, wird die App aus dem Verzeichnis gestrichen. „Vorläufig“ heißt also: Ob die App hilft, wird gerade noch geprüft.

ADHS-Apps im DiGA-Verzeichnis, Stand 17. Oktober 2026
AppFür wenStatusIndikation (ICD-10-GM)Form und Inhalt
attexis (GAIA AG)Erwachsene ab 18dauerhaft aufgenommen, seit 6. 8. 2025F90.0, F90.1läuft im Browser; Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie
ORIKO (MiNDNET)Erwachsene ab 18vorläufig, 9. 7. 2025 bis 8. 12. 2026F90.0App für iPhone und Android; 12-wöchiges Programm, u. a. Psychoedukation, Verhaltenstherapie, Achtsamkeit
hiToco (medigital)Eltern von Kindern von 2 bis 11 Jahrenvorläufig, 16. 7. 2025 bis 15. 7. 2027F90, F98.80App für iPhone und Android; Elterntraining nach dem THOP-Programm

Alle drei Apps sind auf Deutsch. Eine Verordnung umfasst laut Verzeichnis jeweils 90 Tage. Die Beschreibungen im Verzeichnis stammen vom Hersteller. Die Bewertung der Studien formuliert das BfArM selbst. Was die Codes F90.0, F90.1 und F98.80 bedeuten, erklären wir bei den ADHS-Symptomen und ICD-10-Codes.

Eine deutsche Übersichtsarbeit zählte 2025 sechs digitale Angebote für Erwachsene mit ADHS, darunter Apps und einen Chatbot. Für einige liefen damals noch Studien. Für ADHS auf Rezept gibt es von ihnen bisher nur attexis und ORIKO.

2. So bekommst du eine ADHS-App von der Krankenkasse

Gesetzlich Versicherte haben nach § 33a SGB V Anspruch auf Apps aus dem DiGA-Verzeichnis. Es gibt zwei Wege: Ärztin, Arzt oder Psychotherapeut:in verordnen die App, oder die Krankenkasse genehmigt sie direkt. Für den zweiten Weg musst du die Diagnose nachweisen. In beiden Fällen brauchst du also eine gesicherte ADHS-Diagnose. Wie du dazu kommst, steht im Ratgeber ADHS bei Erwachsenen: erkennen, abklären, behandeln.

  1. Passt die App zu dir? Schau im Verzeichnis nach Indikation, Ausschlusskriterien und Technik. attexis läuft im Browser, ORIKO und hiToco brauchen ein Smartphone.
  2. Rezept auf Papier: Die Praxis stellt ein Kassenrezept (Muster 16) aus. Du reichst es bei deiner Krankenkasse ein und bekommst einen Freischaltcode.
  3. E-Rezept: Du forderst den Freischaltcode über die E-Rezept-App der gematik oder die App deiner Krankenkasse an.
  4. Ohne Rezept: Du stellst bei deiner Krankenkasse einen Antrag und legst einen Nachweis der Diagnose bei.
  5. Loslegen: App öffnen oder installieren, Konto anlegen, Code eingeben.

Laut Verzeichnis entstehen bei allen drei ADHS-Apps keine Mehrkosten und es braucht keine Zusatzgeräte. Für Privatversicherte und für Österreich und die Schweiz gelten andere Regeln. Frag dort bei deiner Versicherung nach.

3. Hilft eine ADHS-App wirklich? Was die Studien zeigen

Die beiden Erwachsenen-Apps haben in Studien besser abgeschnitten als die übliche Behandlung ohne App. Ob sie eine Therapie ersetzen können, zeigen die Studien nicht. Wichtig ist auch, wie die Studien gemacht wurden.

attexis

In einer Studie mit 337 Erwachsenen mit ADHS hatten die App-Nutzer:innen nach drei Monaten weniger ADHS-Symptome als die Vergleichsgruppe, die nur die übliche Behandlung bekam. Die Autor:innen nennen sie die bisher größte Studie zu einer digitalen Hilfe für Erwachsene mit ADHS. Den Unterschied sieht man aber vor allem im Durchschnitt: Um mindestens 30 % verbesserten sich 11,6 % der App-Gruppe (19 von 164) und 1,2 % der Vergleichsgruppe. Alle Werte waren Selbstauskünfte, niemand war verblindet. Bezahlt hat die Studie der Hersteller GAIA. Im Schnitt nutzten die Teilnehmenden die App in drei Monaten knapp elf Stunden.

ORIKO

In einer Studie mit 307 Erwachsenen verbesserte sich mit der App die Lebensqualität stärker als ohne. In der strengeren Auswertung, die das BfArM in seiner Bewertung nennt, fiel der Effekt kleiner aus als im Fachartikel. Nur 20 % der App-Nutzer:innen schafften mehr als die Hälfte der zwölf Module. Die Autor:innen schreiben selbst, dass die Effekte auch ein Placeboeffekt sein könnten. In der App-Gruppe stiegen 35 % aus, in der Vergleichsgruppe 21 %. 69 % nahmen nebenher ADHS-Medikamente. Bezahlt hat die Studie der Hersteller MiNDNET.

Das Gesamtbild

Eine Übersicht über 26 Übersichtsarbeiten fand bei digitalen Angeboten für ADHS mögliche Vorteile, bewertete die Belege aber meist als schwach. Die meisten Daten stammen von Kindern und Jugendlichen. Zu Chatbots gibt es kaum Forschung: In einer kleinen Studie mit 40 Erwachsenen wirkte ein Psychoedukations-Chatbot ähnlich wie eine herkömmliche Psychoedukations-App.

Unsere Einordnung: Die Studien zeigen einen Vorteil gegenüber „nichts zusätzlich“. Sie zeigen nicht, dass eine App besser ist als eine Psychotherapie oder ein anderes aktives Programm. Für viele kann eine DiGA trotzdem ein guter Einstieg sein, zumal Psychotherapie für Erwachsene mit ADHS in Deutschland laut den ORIKO-Autor:innen noch selten genutzt wird.

4. ADHS-App für Erwachsene: attexis oder ORIKO?

Beide Apps sind für Erwachsene mit ADHS gedacht und du arbeitest allein damit, ohne Termine. Laut Verzeichnis können beide die Wartezeit auf einen Therapieplatz überbrücken oder eine laufende Behandlung begleiten. Die Unterschiede liegen im Detail:

Für AuDHD-Erwachsene heißt das: Ob die Apps bei Autismus und ADHS zusammen helfen, wurde in der attexis-Studie nicht untersucht. Das heißt nicht, dass sie ungeeignet sind. Sprich es bei der Verordnung an. Mehr zum Zusammenspiel liest du bei AuDHD: Autismus und ADHS zusammen.

Eine praktische Frage noch: Passt ein Programm von zwölf Wochen gerade in dein Leben? Wenn du im Moment kaum Kraft hast, ist das kein Versagen. Du kannst die Verordnung auch später holen.

5. ADHS-App für Eltern und Kinder

Für Kinder selbst gibt es keine ADHS-App auf Rezept. Es gibt aber hiToco, ein Elterntraining per App. Die App richtet sich an Familien mit Kindern von 2 bis 11 Jahren mit ADHS. Mit ihr arbeiten die Eltern, nicht das Kind. Die Inhalte beruhen auf dem THOP-Programm, einem in Deutschland verbreiteten Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Verhalten.

In einer kleinen Studie mit 65 Familien (Kinder von 4 bis 11 Jahren) berichteten die Eltern mit App nach 12 und 16 Wochen von weniger Problemverhalten als Eltern ohne App. Die Eltern nutzten das Programm im Schnitt insgesamt acht Stunden. Die Bewertung kam von den Eltern selbst. Für die Erprobung ist eine größere Studie mit 192 Familien geplant. In der kleinen Studie waren Kinder ausgeschlossen, die ADHS-Medikamente nahmen oder bald nehmen sollten.

Für Jugendliche von 12 bis 17 Jahren ist im Verzeichnis keine ADHS-App eingetragen. Wenn du noch unsicher bist, ob dein Kind ADHS hat, lies zuerst, wie der ADHS-Test für Kinder abläuft.

6. Kostenlose ADHS-Apps: was du bekommst

Kostenlos heißt bei ADHS-Apps zweierlei. Die Apps auf Rezept sind für gesetzlich Versicherte ohne Zuzahlung, brauchen aber eine Diagnose. Alltags-Apps gibt es oft gratis oder mit Gratis-Version, auch ohne Diagnose. Zwei Beispiele laut Anbieter: Goblin Tools ist im Browser kostenlos und ohne Werbung, Tiimo hat eine Gratis-Version in den Apps für iPhone und Android.

Bei den Belegen sieht es mager aus. Eine Übersichtsarbeit prüfte 109 ADHS-Apps aus den App-Stores. Keine davon enthielt Angaben zu einem Wirksamkeitsnachweis. Die Suche ist einige Jahre alt und betraf nur englischsprachige Apps. Das heißt nicht, dass diese Apps nicht helfen. Es heißt, dass es niemand geprüft hat.

Viele Apps sind nur auf Englisch. Welche Sprachen eine App hat, siehst du im App Store unter „Sprachen“ oder bei Google Play in der Beschreibung. Eine Übersicht nach Einsatzzweck findest du bei den besten Apps für Erwachsene mit ADHS.

7. Tagesplaner, Fokus und Lernen: wofür Alltags-Apps taugen

Alltags-Apps behandeln kein ADHS. Sie können dir aber Arbeit abnehmen, die dein Kopf nur schwer allein schafft: an Termine denken, Zeit sichtbar machen, große Aufgaben zerlegen. Das betrifft vor allem die exekutiven Funktionen. Welche App für dich die richtige ist, lässt sich nicht aus Studien ablesen. Diese Punkte nennen viele Erwachsene mit ADHS aus eigener Erfahrung:

Rechne damit, dass du eine App irgendwann liegen lässt. Bei 93 beliebten Apps zur psychischen Gesundheit nutzten nach 30 Tagen im Mittel nur noch 3,3 % der Leute die App. Das sagt mehr über Apps als über dich. Plane deshalb einen einfachen Wiedereinstieg ein. Ein Papierkalender oder ein Zettel am Kühlschrank sind auch Werkzeuge.

Beim Lernen hilft keine App auf Rezept. Was vielen hilft: ein Timer, der die verbleibende Zeit zeigt, kurze Lernblöcke und das Handy im Fokus-Modus. Was in Schule und Studium sonst möglich ist, steht bei ADHS im Studium.

8. Datenschutz: so prüfst du eine ADHS-App

Daten über deine psychische Gesundheit sind nach der DSGVO besonders geschützt. Ihre Verarbeitung ist grundsätzlich verboten, außer zum Beispiel mit deiner ausdrücklichen Einwilligung. Für Apps auf Rezept gelten noch strengere Regeln: Sie dürfen deine Daten nur mit Einwilligung und nur für festgelegte Zwecke nutzen, nie für Werbung. Verarbeitet werden dürfen sie nur in Deutschland, in der EU oder in Ländern mit gleichwertigem Datenschutz. Für normale Store-Apps gelten diese DiGA-Regeln nicht.

Dass das wichtig ist, zeigt eine Untersuchung von 36 Apps zu Depression und Rauchstopp: 33 schickten Daten an Dritte, 29 davon an Google oder Facebook, für Werbung oder Analyse. Viele sagten das in ihrer Datenschutzerklärung nicht. Die Daten stammen von 2018 und nicht aus Deutschland. Sie zeigen aber, worauf du achten solltest:

Nach der DSGVO hast du ein Recht auf eine Kopie deiner Daten und auf Löschung, mit einigen Ausnahmen. Oft kannst du deine Daten auch in einem gängigen Format mitnehmen. Diese Rechte gelten auch gegenüber Anbietern außerhalb der EU, wenn sie ihre App Menschen in der EU anbieten. Ist die Datenschutzerklärung vage, nimm lieber eine andere App.

9. Was eine ADHS-App nicht ersetzt

Eine App stellt keine Diagnose, auch kein Selbsttest in einer App. Sie ersetzt auch keine Medikamente und keine Psychotherapie. In der ORIKO-Studie nahmen 69 % der Teilnehmenden ADHS-Medikamente und nutzten die App zusätzlich. Ob Medikamente für dich passen, klärst du ärztlich. Einen Überblick gibt unser Ratgeber zu ADHS-Medikamenten.

Hol dir Hilfe von Menschen, wenn du merkst, dass es dir über Wochen schlechter geht, du kaum noch schläfst oder Arbeit und Beziehungen zusammenbrechen. Kommen eine Depression oder Ängste dazu, gehören sie parallel behandelt. Eine App kann dabei begleiten, mehr nicht.

Wenn du an Suizid denkst: Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenlos und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. In akuter Gefahr ruf die 112.

10. Wo Neurodiverge steht

Neurodiverge ist eine Web-App, keine DiGA und kein Medizinprodukt. Die Krankenkasse zahlt sie nicht, und es gibt keine Studie zu ihr. Kostenlos sind unsere Selbsttests und Ratgeber. Der tägliche Tracker und der KI-Coach gehören zu Neurodiverge Pro und kosten Geld.

Wenn du eine Diagnose hast und eine App mit Studien willst, schau dir zuerst die DiGA an. Neurodiverge kann daneben laufen, ersetzt sie aber nicht.

11. Häufige Fragen

Welche ist die beste ADHS-App?

Eine beste ADHS-App für alle gibt es nicht. Wenn du eine Therapie-App suchst, sind attexis und ORIKO für Erwachsene die einzigen ADHS-Apps im DiGA-Verzeichnis des BfArM (Stand: 17. Oktober 2026). Nur attexis ist dort dauerhaft aufgenommen, ORIKO ist noch in der Erprobung. Für Planer, Timer oder To-do-Listen zählt, was du wirklich benutzt. Studien, die eine Alltags-App als die beste belegen, haben wir nicht gefunden.

Welche Apps für ADHS werden von der Krankenkasse übernommen?

Die gesetzliche Krankenkasse zahlt Apps aus dem DiGA-Verzeichnis des BfArM. Für ADHS sind das am 17. Oktober 2026 drei: attexis und ORIKO für Erwachsene sowie hiToco, ein Elterntraining für Familien von Kindern mit ADHS. Du bekommst sie mit einer Verordnung von Ärztin, Arzt oder Psychotherapeut:in oder direkt bei der Kasse, wenn du die Diagnose nachweist. Laut Verzeichnis entstehen keine Mehrkosten. Alltags-Apps aus dem Store zahlt die Kasse nicht.

Gibt es eine kostenlose ADHS-App?

Ja, auf zwei Wegen. Die drei ADHS-Apps auf Rezept kosten dich als gesetzlich versicherte Person laut Verzeichnis nichts extra, setzen aber eine Diagnose voraus. Viele Alltags-Apps haben eine Gratis-Version, etwa Goblin Tools im Browser oder Tiimo laut Anbieter in den Smartphone-Apps. Zu den meisten kostenlosen Apps gibt es aber keine Studien. Prüf außerdem, wie die App mit deinen Daten umgeht.

Brauche ich für eine ADHS-App auf Rezept eine Diagnose?

Ja. Eine DiGA bekommst du nur, wenn die Indikation vorliegt, also eine gesicherte ADHS-Diagnose. Mit Rezept prüft das die verordnende Praxis. Ohne Rezept musst du der Krankenkasse die Diagnose nachweisen. Ein Selbsttest reicht dafür nicht. Wie du in Deutschland zu einer Diagnose kommst, steht in unserem Ratgeber zu ADHS bei Erwachsenen.

Welche Tagesplaner-App ist für Menschen mit ADHS geeignet?

Eine Studie, die einen bestimmten Tagesplaner für ADHS als überlegen zeigt, haben wir nicht gefunden. Viele Erwachsene mit ADHS kommen mit Planern gut klar, die Zeit sichtbar machen, schnell zu bedienen sind und nicht schimpfen, wenn du ein paar Tage aussetzt. Teste eine App zwei bis drei Wochen lang. Eine Übersicht nach Kategorien findest du auf unserer Seite zu den besten Apps für ADHS.

Welche App kann mir helfen, mit ADHS zu lernen?

Eine Lern-App auf Rezept gibt es für ADHS nicht. Beim Lernen helfen vielen Menschen mit ADHS einfache Werkzeuge: ein sichtbarer Timer, eine App, die große Aufgaben in kleine Schritte teilt, und das Handy im Fokus-Modus. Ob das bei dir wirkt, merkst du nur durch Ausprobieren. Für Schule und Studium gibt es außerdem den Nachteilsausgleich.

Gibt es eine ADHS-App für Kinder?

Eine Therapie-App, die Kinder selbst benutzen, ist im DiGA-Verzeichnis nicht eingetragen (Stand: 17. Oktober 2026). Es gibt aber hiToco, ein Elterntraining per App für Familien von Kindern mit ADHS im Alter von 2 bis 11 Jahren. Die Eltern arbeiten mit der App, nicht das Kind. Für Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren ist derzeit keine ADHS-DiGA eingetragen.

Ersetzt eine ADHS-App Therapie oder Medikamente?

Nein. Die Studien zu attexis und ORIKO haben die App zusätzlich zur üblichen Behandlung getestet, nicht als Ersatz. Viele Teilnehmende nahmen nebenher ADHS-Medikamente. Laut BfArM-Verzeichnis kann eine DiGA die Wartezeit auf einen Therapieplatz überbrücken oder eine Behandlung begleiten. Ob du Medikamente oder Psychotherapie brauchst, klärst du mit deiner Praxis.

Gilt das auch bei ADS ohne Hyperaktivität?

Das ist nicht sicher. Bei attexis und ORIKO steht im Verzeichnis als Indikation F90.0, bei attexis zusätzlich F90.1. Der Code F98.80, unter dem ADS ohne Hyperaktivität oft verschlüsselt wird, ist dort nur bei hiToco für Kinder eingetragen. Frag vor der Verordnung in deiner Praxis oder bei deiner Krankenkasse, ob deine Diagnose passt.

Quellen und Stand

  1. BfArM: DiGA-Verzeichnis nach § 139e SGB V, abgerufen am 17. Oktober 2026. diga.bfarm.de/de/verzeichnis
  2. BfArM: Eintrag attexis (02814). diga.bfarm.de/de/verzeichnis/02814
  3. BfArM: Eintrag ORIKO ADHS-Therapie (02568). diga.bfarm.de/de/verzeichnis/02568
  4. BfArM: Eintrag hiToco ADHS Elterntraining (02777). diga.bfarm.de/de/verzeichnis/02777
  5. BfArM: Informationen für DiGA-Nutzende (Freischaltcode, Muster 16, E-Rezept). diga.bfarm.de
  6. § 33a SGB V: Digitale Gesundheitsanwendungen. gesetze-im-internet.de
  7. § 139e SGB V: Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen. gesetze-im-internet.de
  8. § 4 DiGAV: Datenschutz und Datensicherheit. gesetze-im-internet.de
  9. Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Art. 3, 4, 9, 15, 17, 20. eur-lex.europa.eu
  10. D’Amelio u. a., Psychological Medicine 2026: randomisierte Studie zu attexis. doi.org/10.1017/S0033291726103390
  11. Baumeister u. a., Deutsches Ärzteblatt International 2026: randomisierte Studie zu ORIKO. doi.org/10.3238/arztebl.m2026.0065
  12. Döpfner u. a., European Child & Adolescent Psychiatry 2025: randomisierte Studie zu hiToco. doi.org/10.1007/s00787-025-02799-2
  13. Atzor u. a., Der Nervenarzt 2025: Überblick über digitale Anwendungen bei ADHS im Erwachsenenalter. doi.org/10.1007/s00115-025-01855-1
  14. Gabarron, Denecke & Lopez-Campos, BMC Psychiatry 2025: Übersicht über Übersichtsarbeiten zu digitalen Angeboten bei ADHS. doi.org/10.1186/s12888-025-06825-0
  15. Selaskowski u. a., BJPsych Open 2023: Chatbot zur Psychoedukation bei ADHS im Erwachsenenalter. doi.org/10.1192/bjo.2023.573
  16. Păsărelu, Andersson & Dobrean, International Journal of Medical Informatics 2020: systematische Übersicht über ADHS-Apps. doi.org/10.1016/j.ijmedinf.2020.104133
  17. Baumel u. a., Journal of Medical Internet Research 2019: tatsächliche Nutzung von Apps zur psychischen Gesundheit. doi.org/10.2196/14567
  18. Huckvale, Torous & Larsen, JAMA Network Open 2019: Datenweitergabe von Apps zu Depression und Rauchstopp. doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2019.2542
  19. Anbieterangaben: goblin.tools (About) und Tiimo (Pricing, FAQ), abgerufen am 17. Oktober 2026. goblin.tools · tiimoapp.com
  20. TelefonSeelsorge Deutschland. telefonseelsorge.de

Stand: 17. Oktober 2026